Oldenburg - Freitagabend, 13. September. Ein Rettungswagen der Oldenburger Feuerwehr wird zu einem bewusstlosen Patienten gerufen. Als sich die Besatzung um den vermeintlich Bewusstlosen kümmert, holt dieser zum Schlag aus. Mit der Faust trifft er einen Feuerwehrmann ins Gesicht. Zurück bleiben eine Ohr- und eine Gesichtsverletzung. So schildert die Deutsche Feuerwehrgewerkschaft, Landesgruppe Niedersachsen, den Angriff.
Die Polizei wurde hinzugezogen, gegen den alkoholisierten Täter Anzeige erstattet. Aufgeschrieben hat den Fall nun Martin Manneck, Feuerwehrmann aus Delmenhorst und Mitglied im Gewerkschaftsvorstand. „Das ist bei uns so üblich, dass wenn sich etwas in Oldenburg ereignet, ein Kollege von außerhalb darüber berichtet, damit es keinen Interessenskonflikt gibt“, begründet er.
Pöbeleien sind alltäglich
Auch er selbst kennt Gewalt aus seinem Arbeitsalltag. Seit 2007 ist er bei der Feuerwehr, wurde vor drei Jahren bei einem Einsatz von einer unbeteiligten dritten Person attackiert. „Damit rechnet man natürlich nicht“, sagt Manneck. „Wenn ich zu einer Schlägerei gerufen werde, dann weiß ich, dass die Stimmung aufgeheizt ist. Aber das war bei einem Rettungseinsatz in einer Privatwohnung.“
Ein paar Faustschläge habe er selbst kassiert, bevor er sich der Situation entziehen konnte. „Wenn man angepöbelt wird, das hört man schon gar nicht mehr“, sagt Manneck über den Alltag der Feuerwehrleute. „Aber bei Spucken und Schlagen, da hört der Spaß auf.“
Aus diesem Grund fordert die Gewerkschaft auch allgemein eine konsequente Strafverfolgung der Täter durch die Justiz. Sie bemängelt, dass Verfahren zu häufig eingestellt werden. „Das passiert etwa, wenn Täter unter Drogen- oder Alkoholeinfluss stehen“, sagt Manneck. Vielfach würden Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt. Doch dass dieses Handeln keinerlei Konsequenzen habe, wurmt ihn. In anderen Ländern, so Manneck, sehe die Situation ganz anders aus. „Wer in Australien einen Feuerwehrmann oder Polizisten angreift, der geht für sechs Monate in Haft.“ So weit würde Manneck nicht gehen. Aber so ganz ohne Strafe, findet er, ist es eben auch nicht in Ordnung. Die Gewerkschaft rät den Betroffenen, neben der Anzeige auch zivilrechtlich gegen die Angreifer vorzugehen und Schmerzensgeld einzufordern.
Ermittlungen laufen
Die Feuerwehr hat Anzeige gegen den Angreifer vom 13. September erstattet, das bestätigt der Leiter Michael Bremer. Dass sich Angriffe häuften, sieht er indes nicht: „Ich würde da eher von einem singulären Ereignis sprechen“, sagt Bremer. Eine Tendenz nach oben, nach der die Übergriffe auf Rettungskräfte zunehme, ist laut Bremer in Oldenburg nicht zu erkennen.
Gleichwohl habe die Respektlosigkeit zugenommen, die Hemmschwelle sei niedriger geworden. Eine gesellschaftliche Tendenz, die sich auch im Verhalten gegenüber der Feuerwehr ablesen lasse. Als ein Beispiel verweist Manneck auf seine Kolleginnen und Kollgen aus Duisburg, die als Reaktion seit Frühjahr 2019 bekleidet mit stich- und schussfesten Westen ihren Rettungsdienst versähen. Noch bis Ende 2019 läuft die Testphase für die neue Ausrüstung.
Polizeisprecher Stephan Klatte bestätigt in diesem Zusammenhang mit dem Vorfall vom 13. September, dass gegen einen 17 Jahre alten Oldenburger wegen eines tätlichen Angriffs ermittelt werde. „Die Ermittlungen sind aber noch nicht abgeschlossen“, sagt Klatte. Und gibt zu bedenken, dass in dem speziellen Fall auch das Alter bei der Betrachtung eine Rolle spiele.
