Oldenburg - In Panik geratene Tiere, die ohne Betäubung geschlachtet wurden: Videos aus einem Rinderschlachthof in Oldenburg haben im vergangenen Herbst für großes Entsetzen gesorgt. Nun haben Gutachter des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit das Bildmaterial ausgewertet. Das Ergebnis: In elf Fällen ist es neben Ordnungswidrigkeiten auch zu Verstößen nach dem Tierschutzgesetz gekommen, bestätigt Thorsten Stein, Sprecher der Staatsanwaltschaft Oldenburg.
Es gebe zwei Beschuldigte. Sie seien zum Tatzeitpunkt Geschäftsführer der Gesellschaft gewesen, die damals den Schlachthof in Oldenburg betrieb. Außerdem ermittele die Polizei derzeit gegen weitere Mitarbeiter des Schlachthofs. Auch Veterinäre waren vor einem Jahr in die Kritik geraten – weil sie angeblich nicht eingeschritten seien, als Tiere misshandelt wurden. Hier habe sich aber kein konkreter Verdacht ergeben.
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Auch die Stadt Oldenburg hatte sich bereits im Dezember 2018 vor die Veterinäre gestellt. Nach Sichtung der Videos und der Befragungen habe es keine Anhaltspunkte dafür gegeben, dass die städtischen Tierärzte Misshandlungen geduldet hätten.
Ob es zu einer Anklage gegen die ehemaligen Geschäftsführer und Mitarbeiter des Schlachthofes kommt, ist noch abzuwarten. Die Ermittlungen sollen voraussichtlich Ende des Jahres abgeschlossen sein. In einem Prozess könnten die Beschuldigten nach dem Tierschutzgesetz zu Geldstrafen oder Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren verurteilt werden, so Staatsanwalt Thorsten Stein.
Im November 2018 hatte der Verein Deutsches Tierschutzbüro mit versteckter Kamera gefilmtes Videomaterial veröffentlicht. Es zeigte, wie Rinder in Oldenburg mutmaßlich mit Stromstößen malträtiert oder ohne Betäubung getötet wurden. Der Schlachthof wurde nach Bekanntwerden der Vorwürfe geschlossen. Nach einer Umbaupause eröffnete er im Frühjahr dieses Jahres neu.
Neben den Videos aus dem Schlachthof Oldenburg hatten Tierschützer auch Aufnahmen aus Laatzen, Düdenbüttel und Bad Iburg veröffentlicht. In einem Schlachthof in Bad Iburg sollen Rinder mit einer Art Seilwinde vom Transporter gezerrt und mit Elektroschockern gequält und geprügelt worden sein. In dem Fall wurde die Sichtung der Videos laut Staatsanwalt abgeschlossen. Nun erstelle das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Oldenburg (LAVES) ein Gutachten, ob Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vorliegen.
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