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nordwest-zeitung

SCHNEEKATASTROPHE 1978/79 Oldenburg 1979 – oder wie das Stadtleben im Schnee erstickte

JAN ZUR BRÜGGE

Oldenburg - Die Stadt im kalten Griff des Winters: Gleich zwei Schneekatastrophen suchten 1978/79 den Norden Deutschlands heim. Von den schlimmsten Auswirkungen des ersten blizzardartigen Schneesturms, der zum Jahreswechsel insbesondere Schleswig-Holstein schwer traf, blieb Oldenburg weitgehend verschont. Doch knapp sieben Wochen später kam die Stadt nicht so glimpflich davon: Mitte Februar versank Oldenburg im Schnee.

Die Sturm- und Schneefront, die sich am 29. Dezember 1978 immer weiter nach Süden vorschob, traf die Katastrophenstäbe und Einsatzzentralen der Stadt nicht ganz unvorbereitet. Die kritischen Stunden lagen an jenem Freitag vor 30 Jahren zwischen elf und 16 Uhr sowie am Sonnabend zwischen sieben und zwölf Uhr, als die Schneefälle ihren Höhepunkt erreichten. Es kam, als der Schnee auf die glatteisüberzogenen Straßen fiel, zu zahlreichen Unfällen.

Die Streukommandos waren pausenlos im Einsatz. Phasenweise sei das Streuen von Salz aber „witzlos und rausgeschmissenes Geld“ gewesen, sagte der damalige Einsatzleiter der Straßenreinigung, Jürgen Michel.

Als erstes werden die Hauptstraßen geräumt

Viele Bürger ließen das Auto stehen und schwangen sich stattdessen auf Schlitten und Skier. Krankenwagen und Feuerwehr waren mit Schneeketten ausgerüstet. Utensilien wie Entfrostersprays oder Schneeschieber waren schnell ausverkauft. Die Straßenreinigung räumte die Hauptverkehrs- und Ausfallstraßen teilweise mit vier Schneepflügen im Konvoi. Erst am Dienstagabend lief Stufe zwei an, bei der auch die Nebenstraßen geräumt werden sollten.

Laut der Wetterstation des Fliegerhorstes war die letzte Nacht des Jahres mit 16 Grad Minus zugleich die kälteste. Bei der EWE wurden Wasserrohrbrüche und Stromschwankungen gemeldet, doch Oldenburg kam zum Jahreswechsel glimpflich davon.

Im Februar 1979 kam die echte Schneekatastrophe

Schlimmer wurde es knapp sieben Wochen später. Am Mittwoch, 14. Februar, wehte der stürmische Ostwind den Schnee zu meterhohen Bergen auf. Ab fünf Uhr waren zwölf Räumkolonnen im Einsatz. Zudem waren auch zehn Privatfirmen mit rund 30 Fahrzeugen beauftragt worden, beim Räumen der Pekolstrecken und der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte zu helfen. „Wir versuchen, so lange zu fahren, wie es geht – an einen Fahrplan ist natürlich nicht zu denken“, sagte Pekol-Betriebsleiter Otto Fischer.

Es zeichneten sich chaotische Verhältnisse ab. Viele Betriebe konnten die Produktion nicht aufrechterhalten. An allen Schulen fiel der Unterricht aus. Es sollte wenig oder zumindest möglichst kurz telefoniert werden.

Die Bundeswehr stellte Bergepanzer, Räumgerät, Sanitätsfahrzeuge sowie 1200 Soldaten zur Verfügung. Die Vorräte des DRK an Blutkonserven gingen zur Neige, da keine Spendetermine stattfinden konnten. Für Menschen, die aufgrund des verhängten Fahrverbots und der teilweise lahmgelegten Bahn in Oldenburg gestrandet waren, mussten Notunterkünfte eingerichtet werden.

Erst am Sonntag, 18. Februar, ließ der Schneefall nach. Die Räumdienste befreiten am Wochenende alle Straßen der Stadt soweit, dass der Verkehr auch in den Nebenstraßen zumindest einspurig rollen konnte. Am Montag wurde an den Schulen wieder unterrichtet. Nach und nach entließ der Winter Oldenburg aus seinem kalten Griff.

Mehr Artikel zum Jahrhundertwinter im Nordwesten 1978/79 finden Sie unter www.NWZonline.de/schneekatastrophe.

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