Oldenburg - „Frühestmöglich“, so hieß es noch im März 2018, werde ein Teil des niedersächsischen Spezialeinsatzkommandos (SEK) den Standort Oldenburg beziehen. Wurde zunächst das Frühjahr 2019 als wahrscheinlicher Starttermin für die hannoversche Dependance bei der Polizeiakademie in Bloherfelde genannt, war zwischenzeitlich gar von einer Dienstaufnahme noch im Jahr 2018 die Rede. Dies ließ sich offensichtlich nicht halten, mittlerweile deutet alles auf eine Einsatzfähigkeit erst in der zweiten Jahreshälfte hin. Wir haben die derzeit drängendsten Fragen und entsprechende Antworten rund um die Neueinrichtung des SEK-Standortes Oldenburg für Sie zusammengetragen.
Ab wann genau ist das SEK denn nun in Oldenburg einsatzfähig?
„Das für die dauerhafte Unterbringung des neuen SEK-Standortes in Oldenburg vorgesehene Gebäude wird voraussichtlich zum Jahreswechsel 2019/2020 für die Bedarfe des SEK fertiggestellt sein“, heißt es auf NWZ-Anfrage aus dem niedersächsischen Innenministerium. Man fügt allerdings an, dass – unabhängig von diesem Termin – „spätestens ab Frühsommer 2019“ hier eine Unterbringung für das SEK vorhanden sein werde. Sprich: Mit diesem Termin sollen dann die Landes-Aufgaben von dort aus wahrgenommen werden können.
Womit hängen diese Verzögerungen zusammen?
Nicht etwa personelle, sondern logistische Probleme sind’s. „Deutlich umfangreicher“ als zunächst angenommen seien die erforderlichen Umbaumaßnahmen, so heißt es aus Hannover. „Zeitverzögernd kommt die hohe Auslastung des Baugewerbes hinzu, die die Beauftragung von Fachplanern und Fachfirmen aktuell deutlich erschwert“, so die Pressestelle des Innenministeriums.
Weshalb wird hier überhaupt ein weiterer SEK-Standort eingerichtet?
Dass „ausgerechnet“ die Huntestadt ausgewählt wurde, hängt vor allem mit ihrer strategisch guten Lage zusammen. Die „Interventionsfähigkeit“ im Nordwesten Niedersachsens soll so „nachhaltig verbessert“ werden, heißt es. Nicht zuletzt erfülle die „für die Unterbringung des SEK geplante landeseigene Liegenschaft in Oldenburg alle Voraussetzungen“.
Mit welchen Gesamtkosten ist zu rechnen?
3,4 Millionen Euro werden’s am Ende wohl sein. Insgesamt. Die Rechnung laut Innenministerium: „Die Kosten für die bauliche Herrichtung des 2. SEK-Standortes infolge der Berücksichtigung der besonderen Belange eines SEK belaufen sich auf rund 1,9 Mio.“ Mehr noch: Dazu kommen noch die umfangreichen Sanierungsarbeiten an dem Gebäude in Höhe von ca. eineinhalb Millionen Euro.
Wie wird der hiesige SEK-Standort dann ausgestattet sein?
Strengste Geheimhaltung gilt. Aus wohl nachvollziehbaren Gründen. Nur so viel: Das SEK verfügt „entsprechend der Aufgabenstellung über umfangreiche Sonderausstattungen“. Die werde aber nicht aus hannoverschem Besitz zweitverwertet. „Da mit dem Aufbau des zweiten Standortes ein Mehrbedarf an speziellen Einsatzmitteln entsteht, wurde die Beschaffung der benötigten Einsatzmittel bereits veranlasst“, heißt es.
Welche und wie viele Kräfte wurden wie fürs SEK qualifiziert?
Auch die Angaben zu konkreten Personalstärken in Spezialeinheiten unterliegen der Geheimhaltung. Wie die NWZ aber vorab berichtete, wurden die Stellen „ausgeschrieben“, mögliche Kandidaten nicht nur via standardisierten Eignungsauswahlverfahren auf Herz und Nieren geprüft, sondern in der Folge auch entsprechend ausgebildet beziehungsweise qualifiziert. Für das SEK kommen nahezu ausschließlich nur (gesundheitlich geeignete) Bewerberinnen und Bewerber in Frage, die das 21. Lebensjahr vollendet und das 32. Lebensjahr nicht überschritten haben. In der sich anschließenden mehrmonatigen Spezialausbildung, „die insbesondere die Förderung der physischen und psychischen Belastungsfähigkeit, aber auch die Vermittlung weiterer Spezialkenntnisse“ beinhaltet, werden die Kandidaten für den Dienst in Oldenburg vorbereitet. Darunter werden im Übrigen auch SEK-Beamte aus Hannover sein.
Wie oft war das SEK hier im Einsatz?
2018 wurde das SEK insgesamt 21 Mal im Gebiet der Polizeidirektion Oldenburg eingesetzt, im Jahr davor wurden die Kräfte 24 Mal angefordert. Schwerpunkte dieser Einsätze waren vor allem die „Unterstützung zur Durchsetzung von Durchsuchungsbeschlüssen“ und die „Vollstreckung von Haftbefehlen mit entsprechendem Gefährdungshintergrund“.
Nach welchen Kriterien werden die Kräfte künftig eingesetzt?
Grundsätzlich steht das Spezialeinsatzkommando dem ganzen Land zur Verfügung, so heißt es aus dem Innenministerium – das gilt so natürlich für Hannover wie für Oldenburg. Wichtige Kriterien für die jeweilige Anforderung sind da die „örtliche Nähe zum Einsatzort als auch der Einsatzanlass“. Gemeinsame Workshops oder Kennenlerntreffen – zur vermeintlich besseren Abstimmung bei Einsätzen – tun da jedoch kaum Not. „Die Zusammenarbeit zwischen den Polizeidirektionen und dem SEK ist längst geübte Praxis“, so Sprecherin Svenja Mischel auf NWZ-Nachfrage. Das solle auch vom Standort Oldenburg aus nicht anders gehandhabt werden.
Wird es nun in Hannover Einschnitte geben?
Definitiv: Nein. Das niedersächsische SEK sollte in Reaktions- und Interventionsfähigkeit ja vom Standort Oldenburg aus noch einmal gestärkt werden. Das macht sich auch an anderer Stelle bemerkbar – so wurde auch dem Landeskriminalamt Niedersachsen zusätzliches Personal zugewiesen, wie Mischel bestätigt: „Insofern kann von Einschnitten nicht die Rede sein.“
Gibt es Planungen zur weiteren Stärkung des Standorts Oldenburg?
Einen Stufenplan für Oldenburg gibt es in Hannover anscheinend nicht. Man werde die Entwicklung vor Ort aber beobachten und „kontinuierlich bewerten“, heißt es.
