Oldenburg - Vor 75 Jahren, am 3. Mai 1945, war der Zweite Weltkrieg in Oldenburg beendet. Deutschland kapitulierte wenige Tage später am 8. Mai. Endlich herrschte Frieden, die Menschen konnte abends wieder ohne Angst vor Bombenangriffen und nächtlichen Alarmen ins Bett gehen. Die letzten Tage des Krieges hatten sie in den Bunkern und Kellern verbracht. Niemand wusste, ob eine zur Festung erklärte Stadt kampflos übergeben oder bis zum Letzten – also der totalen Zerstörung – verteidigt wird.
Wie haben Sie die Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Währungsreform am 20. Juni 1948 erlebt? Was geschah damals und wie sah es in der Stadt aus? Wie ging das Leben weiter? Wie erlebten Sie den Kontakt und das Zusammenleben mit den zunächst fremden Soldaten? Welche Erinnerungen haben Sie an die Zeit, als Lebensmittel knapp, die Winter hart waren? Schreiben Sie uns – gerne auch mit Fotos an die NWZ-Stadtredaktion
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Doch die Oldenburger hatten Glück. Am 3. Mai 1945 war es plötzlich merkwürdig ruhig geworden, wie Zeitzeugen in der NWZ-Serie zum Kriegsende berichteten. Als die ersten sich aus den Bunkern und Kellern wagten, war die Wehrmacht verschwunden, stattdessen patrouillierten kanadische Soldaten durch die Stadt. Doch die Freiheit war noch nicht vollends wiederhergestellt: Die Befreier fürchteten die berüchtigten Werwölfe. Eine Einheit, die im September 1944 von Heinrich Himmler als Minister und Reichsführer SS gegründet worden war. Aus dem Untergrund heraus sollten die alliierten Soldaten angegriffen werden. Die Folge: Bis auf Widerruf durften die Oldenburger ihre Häuser nicht verlassen. Gültig war diese von der Militärregierung erlassene Anordnung zunächst für 24 Stunden, nachzulesen auf Flugblättern, die an exponierten Stellen im Stadtgebiet an die Wände gehängt wurden.
„Hausvorstände müssen sofort eine Liste mit Vor- und Nachnamen, Geburtsdaten, Geschlecht und Beschäftigung aller Hauseinwohner an ihren Straßentüren anbringen“, hieß es darauf. Strafbar war das Verstecken deutscher Soldaten. Zuwiderhandlungen wurden gerichtlich verfolgt und bestraft – einschließlich Todesstrafe. Ob es dazu in Oldenburg jemals gekommen ist, ist nicht überliefert. Wohl aber, dass sich die Oldenburger mit den Engländern, die den Kanadiern folgten, nach anfänglicher gegenseitiger Skepsis schnell anfreundeten. Der Sonderdruck zum Kriegsende ist in dritter Auflage in der NWZ-Geschäftsstelle im Lambertihof wieder erhältlich.
