Oldenburg - Nach dem Marathon am vergangenen Sonntag schlugen die Messgeräte am Heiligengeistwall aus. 49 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft protokollierte das Gerät. Der höchste Wert um diese Zeit in ganz Niedersachsen. Zwei Tage später erlebte Oldenburg die nächste Großveranstaltung. Die Bauern-Demo sorgte in der Stadt für ein mittleres Verkehrschaos. Bei der Abfahrt Trecker am Nachmittag kam es im Bereich Peterstraße/Julius-Mosen-Platz/Heiligengeistwall zu langen Staus. Diesmal zeigte das Messgerät nur 40 Mikrogramm an.

Am Wall befindet sich auch eine automatische Fahrzeug-Zählanlage. Sie registrierte am Sonntag zwischen 14 und 15 Uhr rund 300 Pkw, Lkw und Busse. Am „Treckertag“ waren es fast doppelt so viele – plus jede Menge Stau.

Wie kann das kommen? Und wie waren eigentlich die Werte beim Kramermarktsumzug? Das fragten gleich mehrere Leser die Redaktion.

Am 28. September fand der Umzug statt. Beginn war um 13.45 Uhr am Theater. Der Heiligengeistwall war während des Umzugs für den Verkehr gesperrt. Neben der Kutsche – mit Kohlkönig Robert Habeck Oberbürgermeister Jürgen Krogmann – waren etliche Fußgruppen und Trecker unterwegs, die die Motivwagen zogen. Darüber hinaus gab es allerdings keine Fahrzeuge, die Abgase ausstoßen konnten.

Und die Werte? Um 15 Uhr, als jede Menge Gruppen die Messstelle passierten, notierte das Messgerät 39 Mikrogramm. Der höchste Wert um diese Zeit in Niedersachsen. In Braunschweig wurden 17 Mikrogramm an diesem Samstagnachmittag erreicht, in Göttingen 14 und in Osnabrück 23.

Was sagt das Umweltministerium dazu? „Die Messkurve während des Marathons zeigt sehr deutlich den Zusammenhang von der Stickstoffdioxid-Belastung und dem örtlichen Verkehrsaufkommen auf“, sagt Ministeriumssprecher Gunnars Reichenbachs. Er weist daraufhin, dass der Stundengrenzwert bei 200 Mikrogramm liege, der Jahresmittelwert seien die immer wieder diskutieren 40 Mikrogramm. Weil Oldenburg hier aber laut Messgerät in der Vergangenheit drüber gelegen hatte, wurde von der „Deutschen Umwelthilfe“ eine Klage auf ein Fahrverbot für ältere Diesel eingereicht. Einen Gerichtstermin gibt es aber noch nicht.

Laut Ministerium wird die Stickstoffdioxid-Belastung hauptsächlich durch den lokalen Fahrzeugverkehr und von meteorologischen Bedingungen beeinflusst. „Darüber hinaus spielen auch eine Vielzahl von Emissionsquellen, im städtischen Hintergrund eine Rolle. Vor diesem Hintergrund ist der jeweilige Belastungsverlauf nicht immer einfach zu erklären“, so Reichenbachs. Die auffälligen Verläufe beim Marathon und der Treckerdemo würden sich innerhalb des normal auftretenden Schwankungsbereiches befinden.

Das Messgerät arbeite korrekt, so Reichenbachs. „Dies wird vom Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim durch ein umfängliches Qualitätsmanagement und regelmäßige Begutachtungen sichergestellt.“

Jasper Rittner
Jasper Rittner Chefreporter Oldenburg-Stadt/Ammerland