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nordwest-zeitung

übergriffe Auch In Oldenburg Bekannt Helfer brauchen ein dickes Fell

Mareike Weberink

Oldenburg - Der Angriff auf einen Polizisten in Leipzig sorgte zum Jahreswechsel bundesweit für Schlagzeilen. Der Beamte war im Dienst so heftig attackiert worden, dass er schwer verletzt ins Krankenhaus gekommen ist. Dies ist nun ein unrühmlicher Spitzenpunkt, doch Übergriffe und Beleidigungen sind für Polizistinnen und Polizisten – auch in Oldenburg – keine Unbekannte.

Dies bestätigt auch Polizeipressesprecher Stephan Klatte. Es sei auffallend, wie stark diese Zwischenfälle zugenommen hätten. „Immer wieder kommt es zu Beleidigungen und Angriffen“, sagt Klatte.

Handgreiflichkeiten

Und dabei spricht er nicht von unbedacht geäußerten Schimpfworten, sondern von Begriffen, die er lieber nicht wiederholen und auch nicht in der Zeitung lesen will: „Es ist zum Teil schon sehr obszön, was die Kolleginnen und Kollegen zu hören bekommen.“ Auch in puncto Angriffe habe die Zahl zugenommen. Dabei fasst er unter dem Stichwort alles Körperliche zusammen, vom Rempler oder Schubser bis hin zum Widerstand gegen Beamte oder Handgreiflichkeiten sowie Bedrängen. Warum die Zahl der Angriffe ansteigt oder worin sich die zunehmende Respektlosigkeit gegenüber Beamtinnen und Beamten begründet, dazu wollte sich Klatte nicht äußern. Auffallend sei aber, dass sich solche Übergriffe an „veranstaltungsintensiven“ Tagen wie Silvester oder Stadtfest häufen. Also immer dann, wenn Alkohol im Spiel ist. Dieser spiele sicherlich als Verstärker eine Rolle.

Ein anderes Bild zeichnet Michael Bremer, Chef der hiesigen Feuerwehr: „Respektlosigkeiten oder Beleidigungen kommen vor“, sagt Bremer, „aber das hat es immer schon gegeben.“

Faustschlag ins Gesicht

Bremer kann keinen Anstieg oder übermäßige Übergriffe bestätigen. „Wir sind da bislang recht verschont geblieben“, sagt er. Den Grund sieht er in Oldenburg im „Charme der heilen Welt“ wie er es selbst umschreibt. Körperliche Übergriffe seien sehr, sehr selten und die Ausnahme.

Eine solche war der Angriff auf ein Mitglied des Rettungsdienstes im September vergangenen Jahres. Ein Jugendlicher, vermeintlich bewusstlos, hatte unvermittelt einem Feuerwehrmann einen Faustschlag mitten ins Gesicht verpasst. Den Fall hatte damals Martin Manneck von der Feuerwehrgewerkschaft und selbst im Dienst in Delmenhorst begleitet. Auch Mannek sagte damals: „Wenn man angepöbelt wird, das hört man schon gar nicht mehr. Aber bei Spucken und Schlagen hört der Spaß auf.“ Auch Mannek selbst habe im Dienst schon einmal überraschend Schläge kassiert.  

„Wir haben mit Menschen in Ausnahmesituationen zu tun, oder mit Menschen, die durch den Konsum von Alkohol oder Drogen in einem Ausnahmezustand sind", sagt dazu der Feuerwehrchef. „In solchen Fällen geht man natürlich entsprechend mit den Menschen um und stellt sich auf die Situation ein.

Enthemmtes Verhalten unter Alkohol ist auch für Frank Flake, Dienststellenleiter des Malteser Rettungsdienstes, nichts Neues. „Bei entsprechenden Festivitäten wie dem Stadtfest wird das für uns zum Spießrutenlauf“, sagt Flake. Blöde Kommentare von der Seite, Gruppen, die den Helfern keinen Platz machen oder sie sogar behindern: „Da hilft nur eins: Ohren zu und durch“, sagt Flake. Am besten sei es, gar nicht auf Pöbeleien zu reagieren und ruhig dem Einsatz nachzugehen.

Gaffer drehen Videos

„Die Respektlosigkeit hat schon stark zugenommen“, sagt Flake. Er hat da vor allem eine Gruppe im Blick: die jüngere Generation. Verbale Angriffe, Despektierlichkeiten oder Behinderung der Rettungskräfte gehören dazu.

„Mit körperlichen Angriffen haben wir zum Glück weniger zu tun“, sagt Flake. Das sei nicht mehr als vor zehn Jahren. Dafür mit anderen unschönen Entwicklungen: „Menschen, die zum Beispiel erst mal ihr Handy zücken und ein Video drehen, anstatt zu helfen oder für die Helfer Platz zu machen, anstatt sie zu behindern.“

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