Oldenburg - Etwas fürs Klima tun, mehr Bus fahren, weniger das Auto nutzen: Das war das Ziel von Michaela Thomann. Um sich selbst zu zwingen, dieses Vorhaben umzusetzen, kaufte sie sich vor einem halben Jahr eine Jahreskarte für den Bus. Nun hat die 48-Jährige für die NWZ eine Bilanz gezogen – und die fällt mit Blick auf das Verkehrsunternehmen VWG enttäuschend aus.
Auto ist schneller
Zweimal täglich ist Thomann von ihrem Zuhause an der Bahnhofsallee und der Industriestraße unterwegs, um ihre Tochter Asta zur Kita zu bringen und wieder abzuholen. Mit dem Auto ist sie nach 45 Minuten wieder zu Hause. Nimmt sie den Bus, sind es 95 Minuten, manchmal zwei Stunden. „Da geht natürlich viel Zeit verloren, die ich sinnvoller nutzen könnte.“
Das sagt die VWG: „Selbstverständlich dauert der Gesamtweg mit dem Bus länger als mit dem Auto und bei kurzen Entfernungen auch länger als mit dem Fahrrad“, antwortet VWG-Sprecher Morell Predoehl. Ein Vorteil gegenüber dem Auto ergäbe sich immer dann, wenn der Bus auf separaten Busspuren am stockenden Verkehr vorbeiziehen könne. Die gibt es in Oldenburg aber selten. Im Bereich von zwei bis drei Kilometern sei das Fahrrad auch immer schneller, bestätigt er.
Verspätungen
Gerade aus der Innenstadt kommend habe ihre Linie 323 häufig Verspätung, sagt Thomann. Das verlängert natürlich die Reisezeit. Wenn man dadurch einen Anschluss verpasst, ist das gleich doppelt ärgerlich. „Da verliere ich persönlich die Lust und gehe lieber zu Fuß.“
Das sagt die VWG: „Verspätungen ergeben sich im Busverkehr überwiegend aus überlasteten Straßen, Unfällen, Demonstrationen, Schrankenproblemen, etc.“, so Predoehl. Diese Hindernisse träfen aber gleichfalls den Autoverkehr.
Platzproblem
Thomann war häufiger mit dem Kinderwagen unterwegs. Das war immer ein Risiko, was die eigene Zeitplanung angeht, denn immer mal wieder wird man mit diesem Zusatzgepäck nicht mitgenommen – „weil schon mehrere Kinderwagen an Bord waren oder weil ich an der hinteren Tür übersehen wurde“.
Das sagt die VWG: Seit vielen Jahren achte die VWG bei Neubeschaffungen von Fahrzeugen darauf, mehr Platz für Kinderwagen und Rollstühle bereitzustellen, antwortet Predoehl. „Leider ist auch dieser Platz irgendwann einmal belegt.“ Selbstverständlich könne er den Ärger verstehen, wenn jemand aus diesem Grund nicht mitfahren könne. „Abhilfe ließe sich allerdings nur durch eine weitere Taktverdichtung schaffen.“
Sollte ein Fahrgast mit seinem Kinderwagen übersehen worden sein, rät Predoehl dazu, den Fall mit konkreten Angaben der VWG zu melden, „damit wir das Problem direkt mit dem betroffenen Personal besprechen und selbstverständlich auch Kunden entschädigen können“.
Geringe Taktung
„Was man meiner Meinung nach ändern könnte, ist die Taktung der Busse“, sagt Thomann. „Wenn alle 15 Minuten ein Bus kommt, klingt das ja erst mal gar nicht so schlecht.“ Aber erstens sei das nicht überall der Fall. Zweitens kämen Busse auch mal deutlich später oder fielen sogar ganz aus. Sie wünscht sich ein so eng getaktetes Busnetz, dass Planung und Wartezeiten wegfallen.
Das sagt die VWG: Auf einigen Strecken, zum Beispiel entlang der Cloppenburger Straße, kommt zeitweise alle zwei bis drei Minuten ein Bus, darauf weist Predoehl hin. Dort, wo Thomann unterwegs ist, kommt allerdings tatsächlich alle 15 Minuten ein Bus. „Das Busangebot in der Stadt Oldenburg ist dennoch insgesamt vergleichsweise sehr gut und zudem kostengünstig“, sagt Predoehl und verweist auch auf die Umfrageergebnisse aus dem NWZ-Stadtteilcheck. In den vergangenen Jahren wurde das Angebot zudem stetig erweitert. Gerade jetzt gibt es weitere Verbindungen Richtung Ammerland.
Technische Hilfen
Positiv ist Thomann aufgefallen, dass sich Fahrgäste über Verspätungen inzwischen wenigstens gut informieren können. „Toll ist in diesem Zusammenhang die App, die die Verspätungen – mehr oder weniger genau – anzeigt.“ Wer das nutzt, kann dann auch später aus dem Haus gehen, wenn der Bus sowieso auf sich warten lässt. Ungünstig sei es nur, wenn die Anzeige nicht stimme und sich die Ankunft doch länger hinzöge als angezeigt.
Das sagt die VWG: Predoehl freut sich natürlich, dass sich die Zeitanzeigen auf dem Smartphone oder an der Haltestelle Anklang finden. Dass die Anzeigen manchmal nicht stimmen, erklärt er so: „Abweichungen ergeben sich immer dann, wenn auf den letzten Metern gegenüber der prognostizierten Ankunftszeit noch unerwartete Ereignisse auftauchen. Das lässt sich leider nicht vermeiden.“
Lob für Busfahrer
Ein Lob hat Thomann für das Personal der VWG übrig. „Ich habe in der Zeit so viele so nette und hilfsbereite Busfahrer getroffen.“ Ihnen allen möchte sie einen großen Dank für die tolle Arbeit aussprechen.
Das sagt die VWG: Natürlich freue man sich über diese Rückmeldung zu den Fahrern, „zumal wir wissen, dass deren Schaffen insgesamt viel zu wenig gewürdigt und anerkannt wird“, sagt Predoehl.
Fazit
Thomann hatte sich die Umstellung vom Auto aufs Busfahren leichter vorgestellt. Sie lässt zwar weiter den Wagen so oft wie möglich stehen und hat weiter ihre Busfahrkarte. Derzeit denkt sie allerdings über eine Kündigung nach.
Das sagt die VWG: Er freue sich über die kritische Reflexion, so Predoehl. Für eine Entscheidung für ein Verkehrsmittel gebe es immer auch sehr individuelle Gründe. „Sicher ist aber in allen Fällen, dass Bus und Fahrrad in Sachen Umweltschutz und Klimaverträglichkeit immer die Nase vorn haben.“
