Oldenburg - Ein Deckenflohmarkt am Straßenrand: Immer wieder versuchen Kinder so, ihr Taschengeld aufzubessern. Dem neunjährigen Deik Seewald brachte diese Aktion am Sandweg allerdings einen Brief der Stadt ein – mit der Androhung, gegen ihn wegen illegaler Abfallentsorgung ein Ordnungswidrigkeitsverfahren zu eröffnen.

Es ging dabei um zwei kleine Wandbilder, berichtet Vater Kristian Seewald. Diese hatte sein Sohn an einer Laterne lehnend gefunden. Vermutlich hatte sie dort ein Nachbar zum Verschenken platziert. Deik und ein Freund legten sie mit auf ihre Decke, vielleicht würde sie noch jemand kaufen. Da das nicht passierte, stellten die Jungen die Bilder dorthin zurück, wo sie sie gefunden hatten.

Das sah eine Nachbarin. Nachdem sie Familie Seewald beim ersten Versuch nicht antraf, melde sie die Beobachtung der Stadt. Die reagierte mit einem zweiseitigen Brief – adressiert an den neunjährigen Deik. Darin wird ihm illegale Abfallentsorgung zur Last gelegt. Laut Hinweisgeber habe er zudem „bereits in der Vergangenheit diverse Gegenstände, wie zum Beispiel Autoreifen, am Straßenrand entsorgt“. Die Stadt forderte die Entsorgung der Bilder und drohte mit der Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens, sollte es weitere Verstöße geben. „Die Stadt Oldenburg ist sehr bestrebt, das Stadtbild zu verbessern und solche wilden Müllkippen tragen nicht dazu bei“, heißt es am Schluss.

Was erlaubt ist

Auf dem eigenen Grundstück sind Verschenkaktionen kein Problem, hatte die Stadt zu einem NWZ-Bericht über den Trend der Verschenkkartons mitgeteilt. Im öffentlichen Raum sei zwar eine Genehmigung nötig. In der Regel sehe man das aber nicht so eng, hieß es. Die Stadt setze auf die Eigenverantwortung, darauf zu achten, dass keine Müllkippen entstehen.

Die Autoreifen gab es tatsächlich, bestätigt Vater Kristian Seewald. Er hatte sie an die Straße gestellt, falls sie noch jemand hätte gebrauchen können, bevor er sie zur Deponie gefahren hätte. So etwas sei durchaus üblich in der Nachbarschaft. „Die hat auch jemand mitgenommen“, erzählt er.

Was den 45-Jährigen ärgert, sind zwei Dinge: Warum zeigte die Stadt bei ihrer Reaktion nicht mehr Fingerspitzengefühl, nachdem hier ein Kind beschuldigt wurde? Man hätte bei der Anruferin zum Beispiel auf ein Gespräch zwischen Nachbarn drängen oder selbst den direkten Kontakt suchen können. „Das war hier doch keine Großmülldeponie.“ Und warum wurde das Schreiben an seinen neunjährigen Sohn und nicht an die Eltern verschickt?

Zur zweiten Fragen verweist die Stadt auf eine Verwechslung. Die Abfallbehörde habe vom Servicecenter der Stadt die falschen Kontaktdaten erhalten, da Deik den Vornamen seines Vaters Kristian als zweiten Namen trägt.

Darüber hinaus habe man keine Information über einen Deckenflohmark erhalten, sondern lediglich den Hinweis auf eine illegale Entsorgung zweier Bilder sowie der Autoreifen, schreibt Stadtsprecherin Anna Blanke. Zwar sei man auf solche Hinweisgeber angewiesen. „Gerade in der Nachbarschaft sollte jedoch zunächst der direkte Kontakt gesucht werden“, rät sie. „Kommt es jedoch zu einer Meldung bei der Stadt, dann reagieren wir auf diesen Hinweis. Da es in diesem Fall zum wiederholten Mal zur illegalen Müllentsorgung gekommen war, wird in dem Schreiben mit der Möglichkeit eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens gemahnt.“

Kristian Seewald hatte zwischenzeitlich Kontakt zum zuständigen Amt für Umweltschutz und Bauordnung und eine Entschuldigung für die Verwechslung erhalten. Wie die Stadt den gesamten Vorfall behandelt hat, empfindet er allerdings immer noch als „schräg“.

Patrick Buck
Patrick Buck Redaktion Oldenburg (Stv. Leitung)