Oldenburg - Heinz Backhaus ist richtig unzufrieden. Was die VWG mit dem Fahrplanwechsel angestellt hat, geht gar nicht, findet der Ratsherr und ehemalige Jugendpfleger der Stadt. Mehr als 100 Anlieger hat Backhaus in kurzer Zeit zusammengetrommelt – für ein Gelbwesten-Foto. Denn der an sich ruhige und versöhnliche Backhaus will diese Sache nicht auf sich bewenden lassen.
Der Stein des Anstoßes
Stein des Anstoßes: Die Linie 313 Richtung Ofenerfeld, fährt die Haltestellen Wiefelsteder Straße, Leuchtenburger Straße und Schwarzer Weg werktags nur noch bis 18.30 Uhr an. „Sonntags werden diese Haltestellen überhaupt nicht mehr angefahren“, empört sich Backhaus. „Seit Jahrzehnten waren sie immer an das VWG-Netz komplett angeschlossen.“ Früher sei die Haltestelle Leuchtenburger Straße sogar eine Endhaltestelle gewesen. „Das nun teilweise abgehängte Gebiet ist ein reines Wohngebiet innerhalb der Stadtgrenzen.“
Lesen Sie auch : Umstieg auf Bus fällt Oldenburgerin schwer Lesen Sie auch : Früher Bus entfallen – VWG reagiert auf Leser-Protest
Weggefallen sind die Abend- und Sonntagverbindungen im Zusammenhang mit dem Fahrplanwechsel bei der VWG Mitte Dezember. Bislang habe die Linie 329 die Haltestellen bedient – „und zwar an allen Tagen bis 23.31 halbstündlich“. Nun verkehrte die Linie 313 dort – aber eben mit den gravierenden Verschlechterungen.
„30 Fahrgäste betroffen“
Die VWG bestätigt die Änderungen und schildert die Gründe. Die Zahl der Ein- und Aussteiger an den Haltstellen Leuchtenburger Straße und Wiefelsteder Straße sei „in Gänze überschaubar“, heißt es in einem Antwortschreiben an Heinz Backhaus, das die VWG der NWZ nach einer Anfrage bereitgestellt hat. An Werktagen registriert die VWG demnach 120 Fahrgäste, samstags etwa 85 und sonntags 30. Die „wesentlichen Zeiten“ würden durch die Linie 313 abgedeckt. Auf die „Nebenzeiten“ entfielen etwa 30 Ein- und Aussteiger pro Tag. Zudem sei die Haltestelle Aschhauerstraße stadtauswärts neu in Betrieb genommen worden. Sie sei zwar 450 Meter entfernt, könne aber – wenn auch mit einer zusätzlichen Belastung verbunden – als Alternative für Nebenzeiten genutzt werden.
Die VWG hat zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember ihr Angebot Richtung Ammerland verstärkt.
Die neuen Linien führen jedoch im Stadtgebiet auch zu Verschlechterungen, wie das Beispiel Leuchtenburger Straßen zeigt.
Bereits Mitte Dezember hatte die NWZ über den Wegfall einer Busverbindung von Metjendorf Richtung Hauptbahnhof früh morgens berichtet. Die VWG hat daraufhin einen zusätzlichen Bus der Linie 330 eingesetzt, der den ersten IC nach Bremen um 5.35 Uhr erreicht.
Die VWG spricht von einer Fülle von Protesten im Zuge dieser Umstellung – und kündigt Konsequenzen an. Kurzfristig sollen Zwischenlösungen erarbeitet werden. Ziel sei, die Haltestellen Leuchtenburger Straße und Wiefelsteder Straße auch abends und sonntags anzufahren. Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2020 will die VWG ein Konzept erarbeiten, „um gegebenenfalls die Strukturen dauerhaft anzupassen“. Die Zwischenlösung will die VWG schon Mitte Januar vorstellen.
Reaktion auf neue Linien
Dass es zu diesen Veränderungen kam, erklärt die VWG mit Verweis auf die Ausweitung des Angebots, zuletzt ins Ammerland. „Dass es durch die Neuordnung des stadtübergreifenden Verkehrs ins Ammerland auch Anpassungen des Stadtliniennetzes in Oldenburg geben wird, war dabei immer klar“, heißt es in dem Schreiben an Heinz Backhaus. So sei eine „gradlinige Führung“ für die Linie 330 vereinbart worden; auf Umwegfahrten sollte verzichtet werden. Dafür seien alle Haltestellen entlang der Alexanderstraße in die Linie 330 aufgenommen worden.
