Oldenburg - Nach links Abbiegen verboten: Das gilt regelmäßig an Adventssamstagen für Autofahrer, die von der Ofener Straße auf den Wallring wollen. Wird’s zu voll, sperrt die Polizei ab. Ist so etwas eine Dauerlösung? Die Politik bringt derzeit eine Einbahnstraße auf dem Innenstadtring auf die Tagesordnung. Und aus verschiedenen Richtungen gibt es Interesse an der Idee.
Hintergrund ist ein Antrag der Grünen. Die Verwaltung wird darin aufgefordert, eine Einbahnstraßenregelung zu prüfen und von den Erfahrungen aus dem Jahr 2002 zu berichten. Damals gab es einen Verkehrsversuch, bei dem die Autos zwischen der Gartenstraße und dem Julius-Mosen-Platz nur Richtung Heiligengeistwall fahren durften. Im Gegenzug wurde die Lindenallee zur Einbahnstraße Richtung Hindenburgstraße. Der Versuch ging ziemlich in die Hose (siehe Interview) und wurde nach zwei Monaten vorzeitig abgebrochen.
Nun kommt die Idee erneut auf den Tisch. Im Verkehrsausschuss soll sie im kommenden Jahr intensiv beraten werden. Bei der vergangenen Sitzung äußerte aber bereits Christoph Baak (CDU) durchaus Interesse an dem Vorschlag der Grünen. Auch das City Management (CMO), wo Baak Vorstandsmitglied ist, sei nicht abgeneigt, darüber zu diskutieren, sagte der CDU-Ratsherr.
Das bestätigt der CMO-Vorsitzende Friedrich-August Fisbeck. „Wir sind für jede Maßnahme offen, die den fließenden Verkehr und die Erreichbarkeit der Innenstadt verbessert.“ Aus seiner Sicht wäre eine Umrundung der Innenstadt im Uhrzeigersinn sinnvoll. Auf diese Weise würden zum Beispiel die Autofahrer von der Ofener Straße in Richtung der großen Parkhäuser geleitet.
Für eine endgültige Bewertung sei es wichtig, dass man über Simulationen belastbare Zahlen und Daten erhalte, „die nicht politisch geprägt sind“, sagt Fisbeck. Damit spielt er schon auf die Begehrlichkeiten an, die der freiwerdende Verkehrsraum natürlich wecken würde: Gibt es mehr Platz für Autos, Busse oder Radfahrer?
Fisbeck würde einen zweispurigen Ring für Autos bevorzugen. Busse könnten, wo es keine Busspuren gibt, auf der Straße halten. Bringt die Einbahnstraße nicht mehr Platz für Autofahrer, sieht er keinen Gewinn für die City. Wer schneller hereinkomme, komme auch schneller wieder heraus. „Wenn man den Verkehr verlangsamt, dann ist der Effekt gleich null.“
Naturgemäß anders sieht das Morell Predoehl, Sprecher des Verkehrsunternehmens VWG. Auf allen Zufahrtsstraßen leide der Busverkehr unter den Fahrzeugmengen des Autoverkehrs. „Besonders schwierig ist die Situation zwischen ZOB und Lappan sowie entlang des kompletten Wallrings.“ Die Busspuren würden häufig zugeparkt oder durch Autos, die ins Parkhaus einbiegen wollten, blockiert. Auch Ampeln kosten wertvolle Zeit.
Daher sei man bei der VWG jederzeit offen für geeignete Einbahnregelungen auf dem Wallring, zumindest testweise über einen längeren Zeitraum. Sinnvoll sei aus Sicht des Unternehmens eine durchgängige, wirklich autofreie Busspur, verbunden mit einer dann teilweisen Einspurigkeit für Autos. „Gegebenenfalls käme auch eine ausschließliche Nutzung des Heiligengeistwalls für den Bus im Zweirichtungsverkehr in Betracht“, so Predoehl.
