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70 Grimme-Mitarbeiter Nicht In Der Firma Oldenburger Münsterland rüstet sich für Coronavirus

Mareike Fangmann
Mareike Fangmann Michael Diederich

Oldenburger Münsterland - Etwa 70 Mitarbeiter des Landmaschinenherstellers Grimme (Damme) im chinesischen Tianjin bleiben momentan zuhause. Grund ist das Corona-Virus, das sich immer stärker ausbreitet. Auslandsreisen – egal ob von Schulen, Firmen oder Privatpersonen – stehen wegen des Virus momentan im Oldenburger Münsterland auf dem Prüfstand. Der Landkreis Vechta bittet nun Reisende aus Risikogebieten, sich bei der Behörde zu melden.

Das sagen die Gesundheitsämter

Aktuell sind keine Bewohner des Landkreises Cloppenburg wegen des Corona-Virus in Behandlung, heißt es aus der Pressestelle der Kreisverwaltung. Dagegen bittet der Landkreis Vechta wegen des Virus alle Reisenden, die innerhalb der vergangenen 14 Tage in einem Risikogebiet waren, sich umgehend beim Gesundheitsamt zu melden. Das teilt die Behörde am Mittwochabend mit. Die Aufforderung gelte auch für alle Personen, die während der letzten zwei Wochen Kontakt zu einem bestätigten Krankheitsfall hatten. Die Kreisverwaltung hat unter t  0 44 41/ 8983333 ein Bürgertelefon eingerichtet.

„Wichtig ist, vom Virus betroffene Personen möglichst früh zu erkennen, sie zu isolieren und Hygienemaßnahmen konsequent einzuhalten. So kann eine mögliche Weiterverbreitung verhindert werden“, teilt Vechtas Gesundheitsamtsleiterin Sandra Guhe mit. Durch eine schnelle Meldung an das Gesundheitsamt könne gemeinsam beraten werden, wie wahrscheinlich eine Infektion mit dem Virus sei und ob eine labordiagnostische Abklärung erforderlich sei. Auch im Landkreis Cloppenburg setzt man auf Zusammenarbeit. Mitte Februar gab es im Kreishaus einen Runden Tisch, zu dem auch Ärzte, Feuerwehren und Rettungsdienste gekommen waren.

Bis zur Klärung, ob ein begründeter Verdachtsfall auf eine Infektion vorliegt, sollen laut Guhe einige Hinweise befolgt werden: „Die Personen sollten zu Hause bleiben und Kontakt zu anderen Menschen vermeiden. Ärzte sollten zunächst nur telefonisch informiert werden, um die Befürchtung einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus anzugeben. Falls ein Arztbesuch vereinbart wird, sollten für die Anfahrt keine öffentlichen Verkehrsmittel genutzt werden.“

Folgen für die Wirtschaft?

Diejenigen 70 Mitarbeiter der Landmaschinenfabrik Grimme (Damme), die in dem etwa 12 500 Quadratmeter großen Werk in Tianjin – etwa 130 Kilometer südöstlich von Peking – arbeiten, nutzen ihre Büros derzeit nicht. „In China sind die Mitarbeiter zu Hause, bauen Überstunden ab beziehungsweise nehmen Urlaub oder erledigen ihre Arbeit im Homeoffice. Wir sind im ständigen Austausch mit den Mitarbeitern vor Ort und haben alle Maßnahmen eingeleitet, um die Belegschaft bestmöglich zu begleiten“, teilt Jürgen Feld, Leiter der Marketingabteilung des Landmaschinenherstellers auf Nachfrage der NWZ mit.

Probleme bei der Belieferung des chinesischen Marktes hat das Dammer Unternehmen nach eigenen Aussagen nicht. China werde mit bereits gebauten Maschinen, Gebrauchtmaschinen und mit der Hilfe von anderen Werken bedient. „Zur Zeit kommen wir mit der Situation ,verhältnismäßig’ gut klar und hoffen natürlich, dass sich das Ganze bald entspannt“, so Feld.

Auch im Stammwerk in Damme läuft momentan alles reibungslos. Ein Großteil der Lieferanten kommt aus Deutschland und Europa, so dass man hier nicht von Lieferengpässen bedroht sei. „Wir hoffen natürlich auch hier, dass sich die Lage schnell entspannt und nicht noch weitere Länder dazukommen, so dass wir wieder in den gewohnten Rhythmus gelangen werden“, so Feld.

Volle Lager und damit keine Probleme gibt es beim Fahrradhersteller Derby Cycle mit Sitz in Cloppenburg. Das teilte Pressesprecher Arne Sudhoff mit. Mitarbeiter waren in jüngster Zeit nicht in China. „Wir haben Glück, weil in China aufgrund des ,Chinese New Year’ bis Mitte Februar sowieso nicht produziert wurde. Deswegen war niemand da.“ Darüber hinaus habe der Derby-Mutterkonzern Pon die Anweisung herausgegeben, die Notwendigkeit von Auslandreisen genau zu prüfen.

Wie beeinflusst das Virus Reiseplanungen?

Nach Italien soll es Mitte April für die gesamte Cloppenburger Liebfrauenschule gehen. Das hatte sich das Gymnasium überlegt, weil es in diesem Jahr wegen der Umstellung auf G 9 keinen Abiturjahrgang geben wird. „Die Ängste und Sorgen der Kollegen, Kinder und Eltern nehmen wir natürlich ernst. Stand jetzt planen wir aber noch die Reise nach Rom“, sagt Schulleiter Andreas Weber. Man behalte die Situation in Italien im Blick, bis zur Reise seien es ja aber noch knappe sechs Wochen, so Weber weiter.

Anders sieht die Situation beispielsweise am Artland Gymnasium in Quakenbrück aus, erläuterte der beauftragte Reiseunternehmer Hans Höffmann aus Vechta. Da sei Anfang März aufgrund der Rom-Fahrt ein Gespräch zwischen dem Reiseveranstalter, Eltern und Lehrern geplant. „Die Sorge ist da und ja auch berechtigt. Wenn das Virus noch in Italien wütet, können wir da nicht hinfahren.“

Auch wenn schon alle Vorbereitungen getroffen seien – Lastwagen sind schon da, erste Zelte stehen. „Wir warten ab und sind am Ball“, sagte Unternehmer Höffmann, der in nächster Zeit viele Schulreisen nach Rom plant. Viele Kunden – egal wohin sie reisen wollten – seien momentan verunsichert. Eine China-Reise wurde vom Vechtaer Reiseunternehmen bereits abgesagt.

Was sagt ein Apotheker?

„Wir verhalten uns ähnlich wie bei einer Grippewelle. Sicherheitsabstand, Hände desinfizieren und wenig anfassen“, sagt Apotheker Johannes Meis von der gleichnamigen Apotheke am Krankenhaus. „Nicht jeden umarmen und keinen Handschlag zur Begrüßung“, gibt Meis als Tipp. Auch der Sicherheitsabstand zwischen Kunden und Apotheker sei wichtig.

„Im Unterschied zu einer Grippe gibt es beim Corona-Virus keinen Impfstoff. Das beunruhigt die Menschen“, meint der Apotheker. Auch die Versorgung in der Quarantäne sei beunruhigend. Gefährlich sei das Corona-Virus besonders für ältere Patienten, weniger für gesunde, junge Menschen. Probleme könnte es noch bei der Versorgung von Desinfektionsmitteln geben. „Derzeit haben wir noch genügend Desinfektionsmittel da, aber die Nachfrage ist sehr groß“, berichtet der Apotheker.

Mareike Fangmann
Mareike Fangmann Redaktion Münsterland
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