Petersfeld/Altenoythe/Barßel - Es ist Dienstagmorgen. Ich bin auf dem Weg in die Redaktion in Friesoythe. Auf der B 72 höhe Petersfeld fahre ich an einem Verkehrsschild vorbei. Zusehen: Der Hinweis auf eine Ampel sowie direkt darunter eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 km/h. Das Auto vor mir bremst ab. Soweit alles klar.
Nach der Ampel will ich allerdings wieder auf 100 km/h beschleunigen, doch mein Vordermann tut mir diesen gefallen nicht. Er bleibt bei 70. Ich ärgere mich und überhole bei der nächsten Gelegenheit. Einige tun es mir gleich, andere bleiben dahinter.
Am Abend dann dasselbe Spiel an derselben Stelle, nur diesmal in die andere Richtung. Ich überhole wieder. Während der Fahrt nach Hause stelle ich mir die Frage: „Hab ich jetzt richtig gehandelt? Es ist doch wieder 100 erlaubt, auch wenn danach kein Aufhebungsschild folgt, oder? Schließlich hab ich mich an anderen Stellen genauso verhalten.“ Das Thema lässt mir aber keine Ruhe. Ich suche im Internet nach Antworten – aber Fehlanzeige. Auch in den Foren herrscht Uneinigkeit.
Am darauffolgenden Tag will ich es endlich wissen. Ich rufe bei der Fahrschule Mammen in Altenoythe an – die müssen es ja wissen, denk ich mir. „Das Verkehrszeichen 70 km/h im Zusammenhang mit dem Verkehrszeichen Vorsicht Ampel zeigt ein Streckenverbot bis zur Ampelanlage an. Nach der Ampel ist der Bezug zum Ampelzeichen erloschen. Somit gelten dann aus meiner Sicht wieder die 100 km/h“, sagt Dirk Mammen, der es so auch seinen Fahrschülern beibringt. Schließlich würde man den nachfolgenden Verkehr, der ebenfalls auf die Straße abbiegt und das vorherige 70er-Schild nicht sehen kann, behindern. Das bestätigt auch die Polizei Friesoythe. „Die Geschwindigkeitsbegrenzung gilt nur für diesen Gefahrenbereich“, heißt es. Frage beantwortet. Die Verwirrung könne er aber verstehen, sagt Mammen.
Schon mal gesehen?
Aber es gibt auch andere Verkehrsschilder, die entweder für Irritationen sorgen können, hier im Nordkreis selten bis gar nicht vorkommen oder auch einfach nur skurril sind. Michael Niemeyer von der Fahrschule Niemeyer aus Barßel hat sich fünf Schilder einmal rausgesucht.
Von regen Flugbetrieb kann man im Nordkreis ja nicht gerade sprechen. Deswegen hat Niemeyer dieses, in unseren Gefilden auch eher unbekanntere Schild ausgewählt. Was vielleicht auch daran liegt, dass es seit 2009 sowieso stückweise aus dem Straßenbild verschwindet. Die Begründung: Zwischen Verkehrsteilnehmer und Flugzeug bestehe schließlich kein direktes Konfliktpotenzial.
Wenn Sie nicht gerade häufiger auf der A 9 zwischen München und Ingolstadt unterwegs sind, dann haben Sie dieses Verkehrsschild sicherlich noch nicht gesehen. Seit 2017 stehen diese schwarz-weißen und rund 70 Zentimeter breiten Schilder an der Autobahn für automatisierte Fahrzeuge. Als Orientierungspunkte sollen die Schilder computergesteuerten Autos zusammen mit einer zentimetergenauen Karte und Sensoren helfen, ihre Position auf den Punkt zu bestimmen. Für menschliche Fahrer sind diese neuen Schilder jedoch ohne Bedeutung.
Ein rotes Dreieck mit einem Kreuz in der Mitte auf weißem Grund: „Vielen gar nicht bekannt“, meint der Fahrlehrer. Das Verkehrszeichen ist ein Hinweis auf eine Kreuzung oder Einmündung. Es bedeutet, dass hier „rechts vor links“ zu beachten ist. Es steht meistens an schwer einsehbaren Kreuzungen oder Einmündungen.
Sorgt für Irritation
Irritierend findet Niemeyer dieses Schild. Zusehen ist ein Hinweis auf den Beginn eines eingeschränkten Haltverbotes für eine Zone. Normalerweise ist hier das Halten (unter drei Minuten) erlaubt. Man kann also ein- und aussteigen oder be- und entladen. Allerdings darf man mit einer Parkscheibe zwei Stunden lang parken. Eine klare Aussage ist etwas anderes.
Skurriles Verkehrsschild
Vorsicht Wildwechsel! Dieses Schild sollte jedem bekannt sein. Ein Warnschild, das allerdings auf Hühner hinweist, ist dann doch eher etwas besonderes, findet der Fahrlehrer. Bei diesem Schild handelt es sich zwar um kein offizielles Verkehrszeichen – für Erheiterung sorgt es dennoch. Eine Privatperson habe das Schild aufgestellt, um auf seine Hühner hinzuweisen, die dort auch über die Straße laufen würden, erzählt Niemeyer.
