Portsloge - Dauerkino ist seit einigen Wochen im lutherischen Nikolai-Kindergarten Portsloge angesagt. Die Filmstars sind Blaumeisen – „die sind total niedlich“, schwärmen die Kinder. Alle 84 Mädchen und Jungen der vier Gruppen schauen immer wieder gebannt auf einen Bildschirm, auf den eine Webcam rund um die Uhr das Geschehen in einem Nistkasten im Garten der Kita überträgt. Der Bildschirm hängt im Eingangsbereich des Gebäudes. „Wir sind bei allem live dabei“, freut sich Kita-Leiterin Karin Quade-Matthes.
Ein Dutzend Eier hatte das Weibchen gelegt, die jungen Vögel sind bereits geschlüpft. Die Blaumeisen haben viel Arbeit, um ihre große Familie satt zu bekommen. Das Männchen fliegt immer wieder aus, um Futter zu suchen: „Ich wünsche mir, dass der Vogelpapa länger dableibt. Der bringt immer nur das Futter vorbei und verschwindet dann wieder“, sagte ein Kindergartenkind.
Im März hatte das geflügelte Paar den Nistkasten bereits inspiziert. Mit Zweigen, Moos und Federn wurde ein Nest gebaut. „Dann kamen die Kohlmeisen“, berichtet Karin Quade-Matthes. Die warfen alles Nistmaterial wieder aus dem Kasten und stritten sich mit den Blaumeisen um die tierische Wohnung. Letztendlich setzten sich die Kleineren durch – die Blaumeisen. Dann ging alles ganz schnell: „Das Weibchen legte zwölf Tage hintereinander jeden Tag ein Ei“, erinnert sich die Leiterin.
Blaumeisen heißen so, weil sie eine blaue Färbung an Kopf, Flügel und Schwanzfeder haben. Die Singvögel sind jeweils etwa 11,5 Zentimeter groß und damit kleiner als Kohlmeisen, die 13 bis 15 Zentimeter erreichen. In Deutschland brüten nach Angaben des Naturschutzbundes rund 2,85 bis 4,25 Millionen Paare im Jahr. Blaumeisen bevorzugen weitgehend geschlossene Nisthöhlen. Wer diesen Tieren im Garten einen optimalen Nistkasten anbieten will, sollte ein Einflugloch mit einem Durchmesser von 2,6 bis 2,8 Zentimeter berücksichtigen.
Solche Nistkästen kann jeder selbst bauen. Auf der Seite des Nabu findet man dafür eine Anleitung.
Meisen gibt es in verschiedenen Unterarten. Neben der Blaumeise ist die Kohlmeise am häufigsten. Andere Arten sind die Haubenmeise, Tannenmeise, Weidenmeise oder Sumpfmeise.
Ein ausführliches Porträt der Blaumeise gibt es ebenfalls beim Nabu. „Tscherretetet“ und „tii tii“, so klingt diese Vogelart. Nachzuhören sind die Originalgeräusche ebenfalls auf der Seite des Porträts.
Jeden Tag Eier zählen
Für die Kinder gab es deshalb viel auf dem großen Monitor im Eingangsbereich zu sehen. Kaum im Kindergarten, stürzten die Mädchen und Jungen schon morgens zum Bildschirm und zählten die Eier.
„Das Coolste ist, dass man die Eier sehen konnte“, sagt Juna. Die Fünfjährige ist ein Fan der Tiere geworden. „Ich hab gesehen, wie ein Küken geschlüpft ist. Das hat einfach von innen die Schale aufgepikst.“ Das fand Juna ziemlich beeindruckend.
Nicht nur die Kita-Kinder, sondern auch die Erzieherinnen erfuhren vieles über Blaumeisen. So wissen sie nun, dass die Vögel rund 15 Tage brüten und wie arbeitsintensiv die Aufzucht der Jungen ist.
„Der Nistkasten hängt hier schon seit drei Jahren. Dieses Jahr ist jedoch erstmals ein Vogelpaar eingezogen“, so die Leiterin. Vor einigen Jahren hatte Karin Quade-Matthes gelesen, dass man eine Live-Webcam an einem Nistkasten installieren kann und den Förderverein des Kindergartens kontaktiert. Björn Rose, der Vorsitzende des Fördervereins, war gleich begeistert und half bei der Montage des Monitors und der Webcam. Seitdem wird das Projekt durch den Förderverein finanziert
Doch die ersten zwei Jahre blieb der Nistkasten leer. „Wir hatten die Hoffnung schon fast aufgegeben“, so Quade-Matthes.
Dieses Jahr war dann alles anders: Bei den ersten Übertragungen sah man nicht nur etwas, auch Geräusche waren zu hören. Das Blaumeisen-Männchen tackerte immer wieder mit dem Schnabel von innen gegen die Wände. Wohl um sein Revier zu markieren, berichtet Quade-Matthes. Gespeichert werden die Aufnahmen übrigens nicht, man kann das Geschehen nur live verfolgen.
Sachbücher über Meisen
Noch bis diesen Sonntag, 13. Mai, lädt der Nabu bundesweit zur Mitmachaktion „Stunde der Gartenvögel“ ein. Die Aktion läuft seit Freitag.
So kann man sich beteiligen: Man setzt sich an ein ruhiges Plätzchen in der Natur, egal ob in einen Garten, in einen Park oder auf einen Balkon. Eine Stunde lang werden alle Vögel gezählt, die man sieht. Entsprechende Teilnahmebögen und Zählhilfen sind im Internet unter www.stundedergartenvoegel.de zu finden.
Bis 21.Mai können die Ergebnisse per Post, online oder über eine Telefonhotline (08 00/11 57 115, 10 bis 18 Uhr) gemeldet werden.
Inspiriert durch das tierische Kino beschäftigen sich alle im Kindergarten intensiv mit Blaumeisen. „Wir haben erfahren, dass die Meisenmutter erst alle Eier legt und dann anfängt zu brüten“, sagt die Leiterin. Mit den Kindern würden jetzt Sachbücher, speziell über Meisen, gelesen. „Mein Lieblingsbuch heißt ,Im Vogelnest’“, sagt ein Mädchen und zeigt das Buch.
Doch am meisten lernten die Kinder durch beobachten. So niedlich die Vögel für die Kinder auch sind, Namen haben die Meisen nicht bekommen. Bleibt abzuwarten, wie lange es dauert, bis der Vogelnachwuchs durch den Garten fliegt.
