Rastede - Ein halbes Jahr nach der Verabschiedung des langjährigen Schulleiters Gerd Kip hat seine Nachfolgerin an der Kooperativen Gesamtschule in Rastede zum 1. Februar ihre Arbeit aufgenommen. Claudia Berger, die mehr als 20 Jahre Oberstufenkoordinatorin war, übernimmt die Leitung von Rastedes größter Schule. Nach Hans-Günter Speetzen und Gerd Kip steht damit erstmals eine Frau an der Spitze der 1976 gegründeten Schule.

„Ich habe mich hier schon immer sehr wohlgefühlt und auch für die Schule verantwortlich gefühlt“, erzählt Claudia Berger. Besonders wichtig ist der 59-Jährigen deshalb auch, wie es mit der KGS weitergeht. Dabei hat sie insbesondere die Planung für einen weiteren Anbau im Blick, der den maroden Flachdachtrakt an der Wilhelmstraße ersetzen soll. Weitere wichtige Themen seien die Inklusion und die Digitalisierung.

Claudia Berger studierte in Oldenburg Chemie und Mathematik auf Gymnasiallehramt. Ihr Examen machte sie im Dezember 1986. Für den Eintritt in den Schuldienst seien das „schwierige Zeiten“ gewesen, erinnert sie sich. Damals gab es einen Einstellungsstopp für Lehrer.

Erst Anfang 1991 bekam sie eine Stelle in Bremen, im Sommer desselben Jahres wechselte sie dann an die KGS. „Und hier bin ich geblieben“, sagt Claudia Berger, die aus Mönchengladbach stammt und in Rastede sesshaft wurde.

Ihr Amtsantritt als neue Schulleiterin fällt in eine besondere Zeit. „Zum ersten Mal in der Geschichte unserer Schule werden wir keinen Abiturjahrgang haben“, erzählt Claudia Berger. Der Grund: In Niedersachsen wird das Abitur wieder nach 13, nicht mehr nach zwölf Jahren abgelegt.

Bei aller Freude auf die neue Stelle: Eines bedauert Claudia Berger an ihrer Aufgabe als Schulleiterin. „Das Liebste ist für mich das Unterrichten, deshalb bin ich Lehrerin geworden“, sagt sie. Zum Unterrichten wird Claudia Berger künftig nur noch wenig kommen. Zwei Stunden seien vorgeschrieben, vier werde sie in diesem Halbjahr geben.

Stattdessen wird sie sich stärker um die Anliegen von Lehrern, Schülern und Eltern kümmern. Eine Schule wie die KGS mit 1868 Schülern und 180 Lehrern ist da durchaus mit einem mittelgroßen Unternehmen vergleichbar. „Personalangelegenheiten der Lehrkräfte machen einen Großteil der  Arbeit aus“, sagt sie. Das liegt auch daran, dass nach der Auflösung der Bezirksregierung diese Aufgaben auf die Schulen verlagert wurden.

Bei der Ausrichtung der KGS sei es ihr als neuer Schulleiterin wichtig, die Schüler mit ihren individuellen Fähigkeiten zu fördern und sie zu weltoffenen, wissbegierigen und verantwortungsvollen Menschen zu entwickeln.

Zur Veranschaulichung greift Claudia Berger dabei auf ein Glas Honig der von Schülern betriebenen Imkerei zurück. Bei der Produktion von Honig müsse man ebenfalls Verantwortung übernehmen, damit am Ende ein nahrhaftes Produkt herauskommt. Dem Bienenvolk geht es dabei mal besser und mal schlechter. Damit es besser geht, müsse es lernen, gründlicher und sorgfältiger zu arbeiten.

Gerade beim Thema Verantwortungsbewusstsein will Claudia Berger neue Möglichkeiten aufzeigen. „Wir müssen Unterrichtsformen finden, damit Schüler mehr Verantwortung für den eigenen Lernprozess übernehmen“, sagt sie.

Eine Chance sieht die neue Schulleiterin schließlich darin, dass das Abitur künftig wieder nach 13 Jahren gemacht wird. Durch die Verkürzung der Schulzeit sei die an einer Kooperativen Gesamtschule so wichtige Verzahnung zwischen den Schulzweigen gekappt worden. „Jetzt kann das K in KGS wieder mit mehr Substanz gefüllt werden.“

Frank Jacob
Frank Jacob Redaktion Rastede, Redaktion Wiefelstede