Rastede - Die ab 2020 geltende Kassenbon-Pflicht stößt in Rastede auf Kritik. Es handele sich dabei um „eine reine Verschwendung wertvoller Ressourcen“, sagt Hilmar Ukena, kaufmännischer Leiter der Bäckerei Müller & Egerer, deren Zentrale sich im Gewerbegebiet „An der Brücke“ in Leuchtenburg befindet.
Bei bis zu 35 000 Kundenkontakten pro Tag würde die neue Pflicht einen Ausdruck von mehr als einer Million Kassenbons pro Monat mit einer durchschnittlichen Länge von etwa 25 bis 30 Zentimetern bedeuten. Müller & Egerer betreibt im Oldenburger Land und in Bremen rund 60 Filialen.
Die Kassenbon-Pflicht ist Teil einer neuen Verordnung, die Steuerbetrug erschweren soll. Geschäfte müssen vom 1. Januar an ihren Kunden verpflichtend einen Kassenbeleg ausdrucken. Den Finanzbehörden soll damit die Prüfung erleichtert werden. Die Kassenbon-Pflicht stößt nicht nur bei Bäckern, sondern auch im Einzelhandel und in der Gastronomie auf Kritik.
Hoher Papierverbrauch
Uwe Albertzard, Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins Rastede, sieht die neue Pflicht ebenfalls skeptisch. In seinem Gartencenter sei es zwar nicht ungewöhnlich, dass jeder Kunde einen Kassenzettel erhalte. „Ob das aber bei jedem kleinen Cent-Betrag sein muss, darf bezweifelt werden“, meint Albertzard. Aufwand und Kosten seien für die Geschäfte sehr hoch, obendrein werde wahnsinnig viel Papier verbraucht.
„Grundsätzlich sehen wir alle Bemühungen und Maßnahmen der Finanzbehörden, die zu einer höheren Steuerehrlichkeit führen, als wichtig und richtig an“, ergänzt Hilmar Ukena von Müller & Egerer. Und die technische Umrüstung im Hause sei dabei noch das geringste Problem. Es gelte vielmehr, sich die Konsequenzen vor Augen zu führen.
Neben der Verschwendung von wertvollen Ressourcen „würden nicht unerhebliche, zusätzliche Kosten für diesen Mehrverbrauch an Papier entstehen“, erläutert Ukena. Das Papier der Kassen sei ein Spezialpapier und habe eine thermosensitive Schicht.
„Im Hause Müller & Egerer setzen wir auf Nachhaltigkeit und schonenden Umgang mit Ressourcen“, betont der kaufmännische Leiter. So bemühe sich das Unternehmen, den Verpackungsanteil so CO
In der Auslieferung zwischen Backstube und Filiale würden zudem – wenn möglich – Mehrweggefäße eingesetzt. „Unsere umweltfreundlichen Bemühungen stehen damit im Gegensatz zum Entwurf der Belegausgabepflicht“, sagt Ukena.
Derzeit würden die Kunden auf Nachfrage ihren Bon ausgedruckt erhalten. Das habe sich bis heute als praktikable Lösung herausgestellt. Jetzt stelle sich die Frage, was mit dem „Zwangs“-Bon passiert.
„Nicht selten wird dieser unmittelbar nach dem Kauf zerknüllt und weg geworfen“, meint Ukena. Im besten Fall in die richtige Wertstofftonne, im schlimmsten Fall sorglos irgendwo anders hin.
Digitale Lösung prüfen
Aufgrund der Ankündigungen der Finanzbehörden beschäftige sich die Bäckerei Müller & Egerer zurzeit auch mit den Möglichkeiten, den Bon beispielsweise direkt auf das Handy zu übertragen. Es gebe bereits Anbieter, die eine entsprechende Möglichkeit hierfür entwickeln. Allerdings stecke das Ganze noch in den Anfängen. „Auch ist das Thema Datenschutz hierbei aus unserer Sicht noch nicht ausreichend geklärt“, sagt Ukena.
