Rastede/Stans - Fährt man bei dem Rasteder Flugzeugbau-Ausrüster Broetje-Automation vor, fallen meist die Flaggen auf, die vor dem Eingang aufgezogen wurden: Sie zeigen an, aus welchen Staaten gerade Gäste zu Besuch sind. Man ist ja quasi mit allen großen Flugzeugbauern im Geschäft. 2019 sah man des Öfteren die rot-weiße Schweizerfahne im Wind: Geschäftspartner des Flugzeugbauers Pilatus waren in Rastede.
Das hatte gute Gründe: In Rastede ist eine neue Produktionsanlage entwickelt worden, die nun vor Ort in Stans (Schweiz) installiert wurde: ein vollautomatisches Bohr- und Niet-System. Dieses wird eine zentrale Rolle im Produktionshochlauf für den neu entwickelten, besonders vielseitigen Business-Jet „PC-24“ auf einer topmodernen Fertigungslinie spielen.
Nun stand die offizielle Übergabe an. Lutz Neugebauer aus Varel, Geschäftsführer von Broetje-Automation, dankte Pilatus-Chef Markus Bucher für das Vertrauen. Dies ist im sicherheitssensiblen Flugzeugbau besonders wichtig.
Der Roboter aus Rastede, eine C-Bügel-Nietmaschine, sei der „Star der Halle“, schwärmte Pilatus-Fabrikationschef Roman Emmenegger gegenüber unserer Zeitung. „Damit kann nicht nur der manuelle Nietprozess automatisiert werden. Der Fügeprozess wird auch wesentlich effizienter und qualitativ besser.“ Gemeint ist das Einfügen der Nieten in die entsprechenden Löcher in Teilen der Flugzeugstruktur. „Zudem kann die Lärmbelästigung für die Mitarbeitenden massiv reduziert werden“, freute sich Emmenegger.
Die flexibel einsetzbare Technik aus Rastede, so ist zu hören, trug dazu bei, dass sich Pilatus klar zur Zukunft des Flugzeugbaus im Hochlohnland Schweiz bekannte. Automation und Reduzierung der kostenintensiven Handarbeit spielen dabei eine Schlüsselrolle.
Bald will Pilatus, das bisher für zuverlässige Propellerflugzeuge (auch zu Trainingszwecken) bekannt ist, in einer neu ausgerüsteten Halle den neuen Business-Jet im großen Stil montieren. „Im kommenden Jahr werden wir 50 PC-24 produzieren“, hieß es auf Nachfrage in der Geschäftsführung. Insgesamt liefert man pro Jahr etwa 150 Flugzeuge aus. Pilatus erzielt mit rund 2300 Beschäftigten einen Umsatz von etwa einer Milliarde Franken (rund 900 Mio. Euro).
Pilatus gehört damit eher zu den kleineren Flugzeugbauern, die auf Automatisierungstechnologie von Broetje-Automation aus Rastede (etwa 740 Mitarbeiter/zuletzt rund 160 Millionen Euro Umsatz) setzen. Die Kunden sind rund um den Globus zu finden. Neugebauer sagt gern mal: „Wenn man heute irgendwo auf der Welt in ein großes Passagierflugzeug steigt, dann wurde der Rumpf hundertprozentig auch auf Anlagen von Broetje-Automation gebaut.“ Egal, ob bei Boeing, Airbus (zum Beispiel am PAG-Standort Nordenham) oder anderen, neuerdings selbst in China oder Russland.
In Rastede lässt man durchblicken, dass das Projekt mit den Partnern in der Schweiz technologisch besonders interessant ist. Seit der Design-Phase wurde eng zusammengearbeitet. Ergebnis: Die Anlage setzt Maßstäbe in der Vielseitigkeit. Sie biete eine „deutlich erhöhte Auslastungsflexibilität“. Es könnten unterschiedlichste Struktur-Baugruppen der „PC-24“ flexibel montiert werden. Dies sei in der Zusammenarbeit von Pilatus und Broetje-Automation optimiert worden.
Der Preis blieb Geheimsache. Er dürfte aber dazu beitragen, dass der Auslandsanteil bei Broetje-Automation eher noch weiter steigt. Er hat bereits 70 Prozent erreicht.
