Rodenkirchen - Sie bestätigt ihre Klasse Jahr für Jahr. Aber diesmal hat sie sich selbst übertroffen. Die Rodenkircher Flintenschützin Christin Hilmer ist Deutsche Meisterin in der Disziplin Trap – mit einer aufsehenerregenden Leistung. Das ehemalige Mitglied des Nationalkaders traf am Wochenende im Finale auf der Olympia-Schießanlage in Garching-Hochbrück (München) 48 von 50 Scheiben. Selbst die eher zurückhaltende Schützin aus der Gemeinde Stadland spricht von einem sensationellen Ergebnis. „Ich kann es immer noch gar nicht glauben.“
Der Deutsche Schützenbund bezeichnet den Auftritt der Schützin vom Jade Wurftaubenclub Wilhelmshaven auf seiner Internetseite gar als Weltklasse-Leistung. Zum Vergleich: Die Weltrekorde bei den Männern und Frauen für die Zahl der getroffenen Scheiben in einem Finale stehen ebenfalls bei 48 Scheiben. „Als offizielle Einstellung des Weltrekords zählt es zwar nicht, da es nur ein nationaler Wettkampf war“, erklärt Christin Hilmer. „Aber mir wurde von einem Kampfrichter nach dem Finale gesagt, dass es ein neuer deutscher Rekord sei.“
Nach einem enttäuschenden Training hatte sie im Vorkampf mit einer Leistungssteigerung überzeugt. Mit 109 getroffenen Scheiben zog sie trotz der starken Konkurrenz ins Finale an. „Für mich war die Teilnahme am Finale schon ein Erfolg“, sagt sie. „Ich konnte als Sechstplatzierte nichts verlieren, sondern nur gewinnen.“ Deshalb sei sie „vergleichsweise locker und entspannt“ ins Finale gegangen. „Dennoch wollte ich natürlich für meinen Verein eine Medaille sichern.“
Aber dann zeigte sie eine Leistung, die die anwesende deutsche Elite vor Neid erblassen ließ. „Es ist für mich selbst unbegreiflich“, sagt sie. Sie sei absolut fokussiert gewesen und traf zunächst 24 von 25 Scheiben. Dann blieb sie lange fehlerfrei. Ihre letzte Konkurrentin war Sarah Bindrich. Christin Hilmer sagt, dass sie vor den letzten Scheiben zwar gewusst habe, dass sie vorne liege. „Aber mir war nicht klar, dass ich die Goldmedaillen während der letzten fünf Scheiben eigentlich schon sicher hatte.“
Als sie sich bei der 48. Scheibe ihren zweiten Fehler leistete, sei nach den Worten ihres Freundes ein Raunen durch das Publikum gegangen. Aber sie blieb eiskalt und traf die beiden letzten Scheiben. Spätestens jetzt war allen Anwesenden klar: Sie hatten soeben gesehen, wie ein Ausnahmetalent mit chirurgischer Präzision in die internationale Spitzenklasse vorgestoßen war. Christin Hilmer ist überglücklich. „Dieses Finale wird mir als einer meiner schönsten Momente im Schießsport in Erinnerung bleiben.“
