Sarve - Vor genau 30 Jahren, am 19. Februar 1979, wurde Rüdiger Wemken geboren. Nur gut, dass seine Mutter Ingrid ins Kreiskrankenhaus Nordenham gefahren war, denn Rüdiger musste mit einem Kaiserschnitt auf die Welt geholt werden. Um ein Haar wäre Ingrid Wemken zu Hause auf dem Bauernhof am Abbehauser Wischweg in Sarve geblieben, der vollkommen eingeschneit war.
Ingrid Wemken erinnert sich an diese Zeit, als wäre es gestern gewesen. Am 13. Februar morgens um 10 Uhr klingelte das Telefon. Am anderen Ende der Leitung war Bürgermeisterin Margitta Terborg. Sie wusste, dass die damals 23-jährige Ingrid Wemken hochschwanger war; das Kind hätte schon am 10. Februar kommen sollen.
Bürgermeisterin schickt Bundeswehr-Konvoi
Frau Terborg sagte mir, dass sie keine Verantwortung mehr für meine Situation übernehmen könne und dass ein Bundeswehr-Konvoi aus Brake unterwegs sei, erinnert sich Ingrid Wemken. Sie sagte: Machen Sie Ihre Tasche fertig.
Die drei schweren Fahrzeuge mussten sich einen Weg durch die meterhohen Schneeverwehungen bahnen, während der eisige Ostwind die Flocken vor sich her trieb. Unterwegs nahmen sie in Abbehausen Dr. Joachim Bethge und Ingrid Wemkens Schwiegermutter Hanna an Bord, die in Sarve den Haushalt regeln wollte. Gegen 8 Uhr abends bogen die Fahrzeuge in die Seitenstraße des Wischweges ein, an der der Bauernhof liegt. Unter den Schneemassen übersahen sie eine kleine Biegung und rutschten in den Graben. Glücklicherweise war niemand verletzt worden. Die Helfer gingen zu Fuß weiter, stapften durch Wemkens verschneiten Garten und brachten eine Trage für die Hochschwangere mit. Am Telefon holten sie Hilfe.
Raupe macht den Weg frei
Das Transportunternehmen Stührenberg rückte mit einer Raupe an und machte den Weg erneut frei diesmal für den Landrover von der Tankstelle Besch in Ellwürden, mit dem Ingrid Wemken gegen Mitternacht ins Kreiskrankenhaus Nordenham gebracht wurde. Dort alarmierte die Zentrale einen Gynäkologen, der eigentlich frei hatte. Er musste einen Teil seines Weges zu Fuß zurücklegen, weil er unterwegs mit seinem Auto auf dem rutschigen Schnee verunglückt war.
Erst am 19. Februar, kurz nach Mitternacht, kam Rüdiger zur Welt. In der Zwischenzeit hatte sein Vater Rolf zu Hause so ziemlich jedes verfügbare Behältnis mit Milch gefüllt, weil der Tankwagen der Molkerei nicht mehr kam. Er und seine Mutter lebten von den Vorräten, die Ingrid Wemken eingefroren hatte.
Am 4. März kehrten Mutter und Kind zurück; immer noch lag hoher Schnee. Und bis heute friert Ingrid Wemken jeden Winter Vorräte ein, die für eine Woche reichen.
