Saterland - Früher, da war die Mitgliedschaft bei den Landfrauen fast selbstverständlich. Für Bäuerinnen gab es sonst wenige Möglichkeiten, mal etwas anders zu erleben „als Kinder, Küche und Kuhstall“, sagt Annelen Heyens, 1. Vorsitzende der Landfrauen Saterland. Der Verein bot Abwechslung, Austausch mit anderen Bäuerinnen und Informationen. „Sie haben sich darauf gefreut, da jeden Monat was zu erleben.“ Doch die Zeiten haben sich geändert. Mittlerweile gibt es viel mehr Angebote. Das ist einer der Gründe, so vermutet Heyens, dass es bei den Landfrauen an Nachwuchs mangelt – es fehlt die Zeit. Tagsüber wird gearbeitet, abends geht es zum Sport und um die Kinder muss sich auch jemand kümmern.
Jede Frau ist willkommen
Aber es gibt auch andere Gründe. „Viele denken, dass man einen Bezug zur Landwirtschaft haben muss.“ Das ist jedoch nicht der Fall. Jede Frau, die möchte, kann Mitglied werden – oder erst ein oder zwei oder auch drei Mal vorbeischauen. „Man muss nicht gleich eintreten“, betont Heyens.
Der Verein der Landfrauen Saterland wurde 1966 gegründet. Momentan hat der Verein rund 250 Mitglieder. Etwa einmal im Monat – im Sommer etwas seltener – treffen sich die Landfrauen.
Bei den Treffen gibt es regelmäßige Vorträge zu verschiedenen Themen. Im Sommer sind Fahrten oder Fahrradtouren geplant, im Oktober eine Fahrt zur infa-Messe nach Hannover.
Im März steht der nächste Vortrag auf dem Programm. Pastorin Elske Oltmanns aus dem ostfriesischen Bagband ist am Dienstag, 17. März, um 19 Uhr zu Gast im Bonifatiushaus in Scharrel. Oltmanns ist in der DDR geboren und aufgewachsen. Bei ihrem Vortrag spricht die Pastorin darüber, wie sie die Zeit in der DDR erlebt hat, über die Entbehrungen in dem Staat, und über Spionage.
Wenn sie Frauen darauf anspricht, weshalb sie nicht Mitglied im Verein sind, heißt es oft: „Ich kenne da niemanden, ich kann da nicht alleine hin.“ Dass sich Frauen nicht alleine zum Treffen trauen, hat Heyens schon oft gehört. „Man muss versuchen, den Leuten die Scheu zu nehmen.“
Um Nachwuchs zu finden, hat der Vorstand eine Zeit lang mit verschiedenen Aktionen versucht, gezielt junge Frauen anzusprechen. Zum Beispiel mit Schnupperabenden, zu denen Mitglieder andere Frauen mitbrachten. Einen langfristigen Mitgliederzuwachs gab es dadurch nicht. Und: „Wir müssen uns auf die Mitglieder konzentrieren, die wir haben.“ Die möchte der Verein schließlich nicht verlieren. „Es ist ein schmaler Grat – wie wirst du allen Leuten gerecht?“
Verein steht noch gut da
Das führt dazu, dass das Programm stets abwechslungsreich ist. „Wir bieten immer wieder etwas Neues. Das müssen wir auch, sonst kommen die Leute nicht.“ Ein Beispiel: Für diesen Monat hatte der Vorstand Mitarbeiterinnen von Fehnbuch aus Rhauderfehn eingeladen Bücher vorzustellen. Bei Wein, Käse und Baguette konnten die Landfrauen nach neuer Lektüre stöbern.
Noch hat der Verein recht viele Mitglieder. Rund 250 Frauen gehören dazu, rund 100 davon sind aktiv dabei. Der Nachwuchsmangel macht sich, zumindest bei den Zahlen, noch nicht so stark bemerkbar. Doch an einigen Stellen ist der fehlende Nachwuchs schon zu spüren – besonders im Vorstand. So hat etwa die Schriftführerin Birgit von Grönheim seit einiger Zeit noch zusätzlich den Posten der Kassenwartin inne. „Sie macht unheimlich viel, das finde ich wirklich toll“, sagt Heyens. Doch es sei nicht zu verkennen, wenn jemand beide Ämter bekleiden muss.
Heyens selbst ist seit 14 Jahren bei den Landfrauen, seit zwölf im Vorstand. Sie würde den Posten gern für eine andere Frau freimachen, aber auch hier fehlen die Nachfolgerinnen.
Doch warum sollten Frauen Mitglied werden? Da gibt es ganz verschiedene Gründe: Die Landfrauen bieten Geselligkeit, aber auch Infos rund um Ernährung, Gesundheit und Literatur. Bei den Vorträgen geht es um verschiedenste Themen, von lebendiger Körpersprache, bis hin zu Honigproduktion. Und man kann auch „einfach mal lecker essen und trinken“ – dafür ist bei den Treffen stets gesorgt. Wer Interesse hat, bei den Landfrauen mitzumachen oder sich informieren möchte, kann vorbeikommen oder sich an Annelen Heyens wenden:
