Schortens - Sprachkurse und die Hilfe bei der Wohnungssuche sind die Themen, mit denen sich die Schortenser Integrationslotsengemeinschaft heute – fast fünf Jahre nach der Zuweisung einer ersten größeren Zahl an Flüchtlingen und Migranten – am intensivsten beschäftigen. Seit 2015 und bis heute sind 519 Flüchtlinge in Wohnungen in Schortens untergekommen, etliche von ihnen sind auch bereits fortgezogen und leben inzwischen an anderen Orten.
Großes Manko sind nach wie vor die unzureichenden Sprachkenntnisse vieler Flüchtlinge. Oft kommen aber Sprachkurse, die in mehreren Nachbarkommunen angeboten werden, nicht zustande, weil in vielen Kursen nicht die benötigte Teilnehmerzahl erreicht wird. Praktikabler wäre es aus Sicht der Lotsen, wenn nicht das BAMF die Kurse koordinieren würde, sondern wenn die Kurse vor Ort organisiert und mit Teilnehmern aus Nachbarorten aufgefüllt würden.
Bis Ende April 2021 muss die Stadt Schortens nach aktueller Zuweisungsquote noch 42 Personen aufnehmen, hat derzeit aber nur noch eine Wohnraumkapazität für 25 Personen. Das berichtete Schortens’ Ordnungsamtsleiter Thomas Berghof im Ausschuss für Ordnung und Soziales. Ob es bei der Zuweisungsquote bleibt, könne heute angesichts der Entwicklung in Syrien und an der türkisch-griechischen Grenze zurzeit aber keiner vorhersagen.
Wohnungen gekündigt
Der Wohnraumbestand ist hier „nicht mehr so üppig“, sagte Berghof. Die Stadt habe in den vergangenen zwei Jahren wegen zurückgegangener Zuweisungen viele Wohnungen gekündigt, zum Teil auch weil der Landkreis monierte, dass angemietete Wohnungen zu teuer seien und wegen zu langen Leerstands wieder abgegeben werden sollen.
Mit Blick auf die Aufnahme neuer Flüchtlinge könnte die Stadt Schortens bald in die Lage kommen, abermals Wohnraum akquirieren zu müssen, wenn es nicht gleichzeitig auch zu Abwanderungen in andere Orte komme. Sollte sich die Lage in Syrien und in der Türkei weiter verschärfen, so Berghof, dann könnte es in Deutschland zu einem Fiasko kommen. „Und dann wird es mit der Akquise von neuem Wohnraum schwierig“, befürchtet der Ordnungsamtsleiter. Berghofs und auch der Einschätzung anderer Kollegen nach ist die Bereitschaft der Schortenser, im Fall einer neuen Flüchtlingskrise mit Wohnraum zu helfen, deutlich zurückgegangen.
Gisela Sandstede von der Schortenser Integrationslotsengemeinschaft berichtete von Erfolgen und Misserfolgen, von Engagement, aber auch von manch technischen und bürokratischen Hindernissen bei der Unterstützung von Flüchtlingen. Das beginne bei den vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) organisierten Sprachkursen, die mangels ausreichender Teilnehmer oft nicht zustande kommen, und reiche bis zu veralteter Ausstattung mit PCs und zu langsamer Datenleitung im Integrationscafé im „Pferdestall“.
Aktuell sind in der Schortenser Gemeinschaft 30 Lotsen aktiv, die sich bemühten, Sprachkenntnisse zu vermitteln, die Hilfe bei Bewerbungsschreiben und bei der Ausbildungsplatz- und Jobsuche anbieten.
Dolmetscher knapp
Standardprogramm sei zurzeit auch die Wohnungssuche. Viele Flüchtlinge wollen raus aus den Unterkünften, wo sie schon länger mit mehreren zusammenwohnen. „Das ist aber schwierig“, sagt Sandstede und bestätigt die Einschätzung des Ordnungsamtsleiters: „Die Bereitschaft, an Flüchtlinge zu vermieten, ist nicht mehr wirklich groß“, so Sandstede. Das hat auch Gründe: „Denn manche Wohnungen müssen instandgesetzt werden, wenn sie ausziehen.“
Schwierigkeiten haben die Lotsen auch, wenn Familien mit Kindern zu ihnen kommen, weil sie einen Kinderarzt brauchen: Es gibt eine ganze Reihe Ärzte im Umfeld, die nur behandeln, wenn auch ein Dolmetscher dabei ist, berichtete Sandstede. „Das können wir aber auch nicht immer leisten.“
Gut klappe die soziale Integration der Jüngeren: Die seien in den Vereinen, spielten Fußball oder Tischtennis. Die Älteren tun sich hingegen schwer und kapselten sich wieder ab, sobald die Lotsen sie nicht dorthin begleiten.
