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Schortenser In Sorge: Flüssiggasleitung soll mitten durch ihren Garten verlaufen

16.11.2019

Schortens Der Resthof von Sabine und Frank Hillmann ist nicht so leicht zu finden. Man muss auf der Sillensteder Straße kurz hinter dem Ortsausgang von Grafschaft rechts abbiegen und fährt erst mal eine Weile auf immer schlechter werdender kurvenreicher Straße weit ins Land hinein. Links und rechts nur Grünland, auf dem die Kühe weiden. Irgendwann kommt man ins Paradies. Leute mit Feldstechern, Messgeräten, Kamera und amtlichen Schreiben waren vor kurzem unangemeldet dort und haben sich umgesehen, Fotos gemacht, Bodenproben genommen und das Gelände vermessen. Seitdem sind die Hillmanns in Sorge.

„Wegshörn 1“ steht auf dem handgeschnitzten Schild am Tor vor einem großen urwüchsigen Garten voller alter Obstbäume, Stauden, Kräuterbeete, angrenzender Pferdekoppel, Storchennest und einem schilfbewachsenen Gewässer. Hier, ganz weit draußen zwischen Grafschaft, Sillenstede und Fedderwarden und 60 Meter von dem Industriestammgleis zum Hafen entfernt wohnen die Hillmanns und fürchten, dass es bald vorbei ist mit ihrem Paradies auf zweieinhalb Hektar. Sie befürchten dass Bagger und Baugeräte in ihr Biotop eingreifen, die Streuobstwiese beseitigen und seltene Wildvogelarten, Rehe, Frösche und Feldhasen vertreiben.

Noch kein Antrag

Am 28. Juni fand die Antragskonferenz für das notwendige Planfeststellungsverfahren statt. Dabei tauschten sich die Träger öffentlicher Belange, Behörden und die anerkannten Naturschutzvereinigungen unter Moderation des LBEG zum Umfang der Umweltverträglichkeitsprüfung und den Inhalten des dafür notwendigen Berichts aus.

Entscheidungen wurden bei der Antragskonferenz nicht getroffen, so Vollmar. Das Planfeststellungsverfahren würde selbstverständlich mit Öffentlichkeitsbeteiligung stattfinden. Bürgerinnen und Bürger haben damit die Möglichkeit, Einwendungen gegen das Vorhaben einzureichen. Die Einwendungsfristen werden öffentlich bekannt gemacht. „Da dem Landesamt derzeit kein Antrag vorliegt, ist auch nicht zu befürchten, dass Bürger mögliche Fristen für Einwendungen versäumen.“

Neue Gaspipeline

Der Düsseldorfer Energieversorger Uniper, ei­ner der größten europäischen Stromerzeuger und Kraftwerksbetreiber in Wilhelmshaven, will hier neben der Bahnlinie eine neue Erdgaspipeline bauen. Und diese Leitung läuft, so die derzeitige Planung, durch den Garten von Sabine und Frank Hillmann. Insgesamt ist die Pipeline vom Hafen bis nach Etzel rund 30 Kilometer lang.

„Wir fühlen uns vollkommen überrumpelt und überfahren“, sagt Sabine Hillmann. Denn von dem Bauprojekt habe sie Näheres erst auf Nachfrage bei den Behörden und später auch von Uniper erfahren. So zum Beispiel, dass für die Baustelle der Gaspipeline neben der Bahnstrecke ein Korridor von rund 40 Metern benötigt wird. „Und wir sind hier nur 60 Meter von der Bahnlinie weg“, sagt Frank Hillmann.

Alles, was auf dem 40 Meter breiten Korridor wächst, müsste für den Leitungsbau erst einmal weichen. Ist die Leitung dann eines Tages in der Erde, dürften sie dauerhaft einen zehn Meter breiten Streifen ihres Anwesens nicht mehr überbauen. Hillmanns kritisieren, dass sie bisher nicht angehört wurden und dass sie mögliche Widerspruchsfristen versäumen. Denn ihr Paradies einfach so aufgeben, das wollen sie nicht.

Seit wenigen Wochen werden abschließende Kartierungen und Nachvermessungen zur gesetzlich vorgeschriebene Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) vorgenommen. Über die Erkundungsmaßnahmen vor Ort seien sie erstmals informiert worden, nachdem sie bereits unbekannte Personen mit Arbeitsgeräten auf ihrem Grundstück angesprochen hatten, sagt Sabine Hillmann.

Uniper teilt dazu mit, dass sämtliche betroffene Anwohner und Gemeinden fristgerecht informiert worden seien; auch darüber, dass Grundstücke oder Weideland betreten werden. Die Ergebnisse der Umweltverträglichkeitsprüfung werden voraussichtlich im zweiten Quartal 2020 öffentlich ausgelegt. Dann bestehe ausreichend Zeit, Fragen zu dem Bauvorhaben zu stellen oder Bedenken mitzuteilen. Kommende Woche soll es zu dem Thema bereits eine Informationsveranstaltung geben.

Nach Auskunft des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Hannover plant Uniper, die Leitung Ende 2022 in Betrieb zu nehmen. „Derzeit liegt uns aber noch kein Antrag für das geplante Vorhaben vor“, so LBEG-Sprecher Björn Vollmar. Daher könne sich seine Behörde aktuell auch noch nicht zu einem möglichen Leitungsverlauf äußern.

Infoabend angesetzt

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Generell ist es bei der Planung von Leitungen oder Straßen immer sinnvoll, wenn sich die Unternehmen mit den von den Vorhaben betroffenen Bürgern bereits vor Antragstellung einigen, darauf wirkt das LBEG in den Vorbesprechungen zu Verfahren regelmäßig hin. Das soll mit dem Infoabend von Uniper in Kürze so geschehen.

Beruhigen kann das die Hillmanns nicht. „Dass wir möglicherweise unser Biotop opfern sollen, damit hier Frackinggas aus den USA durchströmen kann, ist schon skandalös“, sagt Sabine Hillmann. Gegen die Vermessungen und Untersuchungen können sie sich nicht wehren. Wie es weitergeht, ist zurzeit noch unklar. „Das Verfahren belastet uns sehr“, sagen Frank und Sabine Hillmann. „Der mögliche Verlust der Heimat macht uns große Sorgen.“ Dass das überhaupt so möglich ist, können die Hillmanns nicht verstehen: „So geht man doch mit den Menschen nicht um.“

Oliver Braun Redakteur / Redaktion Jever
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