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Olaf Helwig Aus Schwei Ein Mann und seine geflügelte Kamera

Schwei - Der schwarze Punkt am makellos blauen Himmel surrt monoton. Unten steht Olaf Helwig und dirigiert das kleine unbemannte Luftfahrzeug mit dem Joystick seiner Fernbedienung. Auf dem Bildschirm des kleinen grauen Kunststoffkastens sieht er sich selbst aus der Vogelperspektive.

Der surrende schwarze Punkt ist seit fast zwei Jahren das Lieblingsspielzeug von Olaf Helwig: eine Drohne mit vier kleinen Flügeln und einer Kamera. Auf dem Bild ist der Schweier bloß als Punkt zu erkennen, denn die Kamera hat keinen Zoom. „Nur einen Weitwinkel, das war‘s“, sagt der 48-Jährige. Ihn stört‘s nicht.

Im Gegenteil: Trotz zunehmender Nutzungseinschränkungen, denen er sich gern unterwirft, ist Helwig von dem kleinen Fluggerät, dessen Fähigkeiten und Zukunftsperspektiven begeistert.

Eigenes Haus von oben

Er sieht sich noch das Gerät eines japanischen Herstellers auspacken. Flügel anbauen, Kompass ausrichten – und schon war das 1,7 Kilogramm leichte Teil „ready to fly“, wie Olaf Helwig sagt. Das war im Oktober 2016. Die Drohne erhob sich in den Himmel, Olaf Helwig sah sein Haus am Pastorenweg von oben und dann sein Heimatdorf aus der Vogelperspektive. Seitdem ist er begeisterter Landschaftsfilmer.

Filmen ist schon seit Jahrzehnten Olaf Helwigs Hobby. Er hat es von seinem Vater übernommen. Der filmte mit Normal-8, dann mit Super-8 und schließlich mit VHS-Videokassetten. 1992 drehte Olaf Helwig seine ersten eigenen Videos auf der Fregatte „Rheinland-Pfalz“, wo er seinen Wehrdienst ableistete. Das Schiff war medientechnisch bestens ausgestattet: Es hatte ein topmodernes Schnittpult. In späteren Jahren filmte der Eon-Mitarbeiter seine Kinder: Dokumente einer Zeit, die nicht wiederkommt, die er aber am Bildschirm nacherleben kann.

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Nach der Abschaltung des Kernkraftwerks Unterweser wechselte Olaf Helwig zum Kohlekraftwerk in Wilhelmshaven, wo er für Ver- und Entsorgung von der Kohle bis zum Ammoniak für den Katalysator zuständig ist. Hier fixten ihn Kollegen mit der Drohnenfliegerei an und auf ihre Empfehlung hin kaufte er das japanische Produkt.

Ihn überzeugten auch die 4k-Kamera, die höchste Auflösung bietet, und der Preis: „Kleinere Drohnen kosteten wesentlich mehr.“ Außerdem hat die Fernbedienung einen Bildschirm: „Das fand ich damals ziemlich nice.“ Heute steuert man Drohnen vom Smartphone aus.

In dem Jahr, in dem er das Flugobjekt kaufte, waren schätzungsweise 400.000 Drohnen im deutschen Luftraum unterwegs. Eine Registrierungspflicht gab und gibt es nicht, bald aber einige Vorschriften des Bundesverkehrsministeriums. So gilt für Drohnen unter zwei Kilogramm eine Kennzeichnungspflicht, während ein Kenntnisnachweis nicht verlangt wird – aber nur, wenn 100 Meter Flughöhe nicht überschritten wird.

Die Kennzeichnungspflicht erfüllt Olaf Helwig mit einer feuerfesten Plakette auf der Unterseite seiner Drohne, auf der er seinen Name samt Anschrift notiert hat. Zudem hat er online einen Wissenstest absolviert, den eine Lufthansa-Tochter anbietet.

Auch alle anderen Vorschriften hält der Schweier, der dem Rat für die Wählergemeinschaft Pro Stadland (WPS) angehört, peinlich genau ein, wie er betont: „Ich möchte nicht, dass unvorsichtige Drohnenpiloten weitere Einschränkungen provozieren.“

So filmt er Menschen – etwa beim Hafenfest in Absersiel – nur aus respektvollem Abstand, und den Bollenhagenwald würde er nicht mehr überfliegen, weil Naturschutzgebiete mittlerweile für Drohnenpiloten tabu sind. Dabei hat er noch nie erlebt, dass es Tiere irritiert, wenn er sie überfliegt.

Im Auftrag von Kaars

Doch trotz aller Einschränkungen bleibt genug, was er aus der Vogelperspektive filmen kann: die Flügel der Moorseer Mühle, das Schöpfwerk Strohausen und Schweierfeld, wo demnächst ein Gewerbegebiet entsteht. Im Auftrag des Jader Bürgermeisters Henning Kaars hat er die Ölstraße und die Kaskade in Diekmannshausen überflogen, für seinen Arbeitgeber das Kohlekraftwerk in Wilhelmshaven.

Noch viel mehr wäre mit Drohnen möglich, ist Olaf Helwig überzeugt: So könnte das Flugobjekt den Schornstein des Kraftwerks filmen und dem Unternehmen die Kosten für einen Industriekletterer sparen. Eine Drohne könnte für die DLRG Menschen in Seenot finden und eine Wärmebildkamera könnte für die Feuerwehr Vermisste suchen und Hausbesitzern Hinweise auf Kältebrücken im Dach liefern.

Nächstes Jahr will Olaf Helwig mit in die Partnergemeinde Petit Caux fahren und dort die Klosterinsel Mont-Saint-Michel umfliegen, die die Gruppe besuchen will. „Aber vielleicht ist das schon verboten“, fürchtet er.

Henning Bielefeld
Henning Bielefeld Redaktion Nordenham (Stv. Leitung), Redaktion Stadland
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