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Disco-Serie: „na Sowas“ In Sedelsberg Wo früher gerockt wurde steht heute ein Wohnhaus

Sedelsberg - „Na Sowas“ – Während fast ganz Deutschland bei diesen beiden Worten in den 1980er Jahren an Thomas Gottschalk und seine zur damaligen Zeit innovativen Talk- und Musikshow im ZDF dachte, hießen für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen hier in der Region die beiden Worte nur eines: Party!

Die Diskothek „Na Sowas“ in Sedelsberg war einer der beliebtesten Tanzlokale im Oldenburger Land. 1984 ins Leben gerufen, war das „Na sowas“ zehn Jahre lang Garant für Spaß, Freunde treffen und gute Musik. Mehrmals in der Woche platzte der Schuppen an der Hauptstraße 12 aus allen Nähten.

Die Musik

Diskotheken definieren sich in erster Linie durch die Musik, die gespielt wird. Den Sedelsberger Club einzuordnen, fällt da nicht ganz leicht. Gestartet waren die Betreiber mit dem Anspruch, den New-Wave-Stil zu etablieren. Alles andere als einfach. Schließlich reden wir hier von Punk mit extremem elektronischen Einfluss bis hin zu seichtem Synthie-Pop. Von der Band „Devo“ über „Einstürzende Neubauten“ bis hin zu „Duran Duran“. Es wurde viel experimentiert. Vieles klang sehr speziell.

Vielleicht ein wenig zu speziell, um ein Tanzlokal Woche für Woche gefüllt zu bekommen. Mit der Zeit wurde die Musik zumindest deutlich rockiger. Klar, Rock geht immer. Rock ist Headbangen auf der Tanzfläche, Rock ist aber auch am Tresen stehen und mit dem Fuß tippeln. Wer geradlinigen Rock hören wollte, war in Sedelsberg genau richtig. Und das wollten einige.

Dass das „Na Sowas“ eine unheimlich breite Masse anlockte, konnte man am besten auf der leicht im Boden abgesenkten Tanzfläche, die sich zentral in der Disco befand und von allen Seiten gut einsehbar war, beobachten. Marillion, AC/DC, Metallica, Rolling Stones, Queen, Guns n’roses – die Tanzfläche war voll. Michael Jackson, Genesis, U2, Sinéad O’Connor – die Tanzfläche war voll. Und auch wenn von den Scorpions nicht „Rock You Like A Hurricane“, sondern „Wind Of Chance“ oder von Genesis nicht „Jesus He Knows Me“, sondern „I Can’t Dance“ gespielt wurde – die Tanzfläche war voll. Und selbst wenn Pur fragte, wo denn all die Indianer hin sind – die Tanzfläche war voll.

Der Anfang

Die Neueröffnung fand natürlich an einem Samstag statt. Es war der 8. Dezember 1984. Obwohl, ganz neu war die Diskothek in Sedelsberg nicht. Vier Wochen zuvor hieß die Disco noch „Pferdestall“ und nebenan befand sich die Gaststätte Bader. Der Besitzer der Immobilie verpasste dem Gebäude von innen aber ein komplett neues Aussehen. Weg vom Rustikalen, hin zur Moderne mit hellen Farben.

Die Einrichtung des alten „Pferdestall“ wurde komplett entfernt und der große Raum neu gestaltet. Unter anderem mit der Tanzfläche in der Mitte und einer 40 Meter langen Theke. Der Eingang zur Gastronomie befand sich jetzt im Zwischenbau zwischen den zwei Gebäuden. Neben der Disco gab es auch eine Teestube mit Eisbar und eine Kneipe.

Rund 800 Gäste konnten im „Na Sowas“ feiern. Und zwar mittwochs, freitags, samstags und sonntags. Zehn Jahre lang war die Disco ein beliebter Anlaufpunkt für die jüngere Generation. Nach einem Jahrzehnt war es an der Zeit, die Räume umzugestalten. Doch dieser Umbau sollte sich als schicksalhaft erweisen.

Das Ende

Die Diskothek war im Sommer 1994 bereits einige Zeit wegen der Bauarbeiten geschlossen. Dann in der Nacht vom 14. auf den 15. Juni, 0.25 Uhr, heulten plötzlich die Sirenen der Feuerwehren in Scharrel und Ramsloh. Das Ziel der Kameraden: Hauptstraße 12 in Sedelsberg. Als die Feuerwehrleute am Einsatzort ankamen, stand die Disco bereits hell in Flammen. Viel retten konnten sie nicht. Das Gebäude brannte komplett aus. Geschätzter Schaden: rund 350 000 Euro.

Erste Gerüchte über Brandstiftung machten die Runde. Ein scheinbar üblicher Reflex, wenn Gaststätten oder Diskotheken abbrennen. Die Ermittlungen der Polizei hatten aber eindeutig ergeben, dass es sich um einen technischen Defekt gehandelt habe.

Eigentlich sollte im Oktober 1994 die Wiedereröffnung gefeiert werden. Doch nach dem Feuer wurde das „Na Sowas“ nie wieder aufgebaut.

An gleicher Stelle wurde später ein Altenheim in Betrieb genommen. Nicht wenige Disco-Stammgäste stellten sich vor, später einmal ihren Lebenskreis an dem Ort zu schließen, wo sie vermutlich die geilste Zeit ihres Lebens hatten. Daraus wird aber nichts. Das Altenheim ist wieder zu. Heute ist es ein normales Mehrparteienwohnhaus. Ob die heutigen Bewohner wohl ahnen, auf welch „heiligen Boden“ sie wohnen?

Carsten Bickschlag
Carsten Bickschlag Redaktion Münsterland (Leitung Cloppenburg/Friesoythe)
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