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nordwest-zeitung

Historie Traurige Nachricht kam per Feldpost

Sedelsberg - „Es ist das einzige Foto, was ich von meinem Großvater habe“, sagt Eduard Lindemann aus Sedelsberg und zeigt ein altes Bild, auf dem Franz Hawighorst mit Pickelhaube und Gewehr zu sehen ist. Rechts neben seinen Füßen steht auf einem Stein „2. Feldzug 1914/15“.

Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) ist es durchaus üblich gewesen, von der Front Feldpostbriefe in die Heimat zu schicken. Das tat auch Franz Hawighorst. Eduard Lindemann zeigt eine Kopie des Briefes aus dem Nachlass seiner Mutter. „Der Brief war an seine Schwägerin Agnes Tepe adressiert“, sagt der 66-Jährige. Jedoch nur, wer Sütterlin – eine altdeutsche Schrift – beherrscht, kann ihn lesen.

Glücklicherweise hat Eduard Lindemanns Onkel Johannes Hawighorst ihn übersetzt. Zwei Feldpostbriefe von 1918 habe sein Onkel beim Umbau seines Hauses in Osnabrück auf dem Dachboden gefunden, sagt Eduard Lindemann: den Brief seines Großvaters und einen seines Urgroßvaters an dessen Schwiegersohn Joseph Tepe. Letzten hat sein mittlerweile verstorbener Onkel jedoch nicht übersetzt. Kopien beider Briefe hat der Onkel unter anderem der Mutter von Eduard Lindemann seinerzeit gegeben.

1944 einberufen

Kurz nachdem der Urgroßvater seinen Brief an seinen Schwiegersohn geschrieben hatte (Februar 1918), fiel Joseph Tepe, der Mann von Agnes Tepe, die die Schwester von Franz Hawighorsts Frau Maria war, im Ersten Weltkrieg. Und das an der Seite von Eduard Lindemanns Großvater. Einberufen wurde der in Hollage (Osnabrück) lebende Großvater als Soldat 1914 – kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs. Er hatte insgesamt neun Kinder mit seiner Frau Maria. Drei davon, unter anderem Eduard Lindemanns Mutter sowie sein Onkel wurden erst 1918 geboren. „Irgendwann“, erzählt der 66-Jährige, „wurde auch sein Schwager Joseph Tepe eingezogen.“ Er wohnte ebenfalls in Hollage. Beide kämpften damals in Frankreich, aber in verschiedenen Frontabschnitten.

Johannes Hawighorst hat aber nicht nur den Brief übersetzt, sondern auch Anmerkungen dazu gemacht. So schilderte er, dass sein Vater Franz Hawighorst an Lungentuberkulose erkrankte: „Ausgehungert in dem Grabenkrieg vor Verdun setzte blutende Lungentuberkulose 1916 dem Fronteinsatz ein Ende.“

Im Lazarett getroffen

Franz Hawighorst kam in ein Lazarett auf einer Nordseeinsel. Dort wurde die „derzeit nicht heilbare Krankheit“, wie es in Johannes Hawighorsts Anmerkungen steht, behandelt. Und wie es der Zufall so will, traf er dort seinen versehrten Schwager Joseph Tepe wieder. „Zur Schlussoffensive 1918 mussten wehrfähige Kriegskranke und Kriegsversehrte nochmals an die Front“, schreibt Johannes Hawighorst weiter. Das betraf sowohl Franz Hawighorst als auch etwas später seinen Schwager.

Der Brief von Franz Hawighorst (Rechtschreibung angepasst)

Liebe Schwägerin Agnes, es fällt mir ungeheuer schwer, dir, liebe Schwägerin, diesen Brief zu schreiben. Aber ich fühle es. Es ist meine Pflicht, die ich Dir und Joseph gegenüber habe, dass ich dieses mitteilen muss. Ich weiß es ja zwar, dass es dir den größten Schmerz bereiten wird. Aber ich hoffe, dass der liebe Gott, von dem wir das Gute empfangen und auch das Schmerzliche in Ergebung anerkennen sollen, Dir die Kraft geben wird, auch das Schwerste zu ertragen. Denn der liebe Gott schickt uns keine Leiden, ohne uns auch die Kraft zu geben, sie zu ertragen. Gestern gegen Mittag ist ein Unglück passiert. Durch einen Granatensplitter getroffen, in der rechten Seite, ist Joseph ganz plötzlich von meiner Seite gerissen worden. Er starb plötzlich, doch nicht unvorbereitet. Vor 14 Tagen sind wir noch zusammen zu den kl. Sakramenten gewesen. Es sei unser Trost, ihn dort oben glücklich zu wissen. Er war am Morgen noch so gut zufrieden und wir haben uns noch über die liebe Heimat unterhalten. Die kleinen Kinder lagen ihm ganz besonders am Herzen, ich sende Dir nun hiermit seine letzten Grüße. Von seinem Tode hat er nichts gemerkt. Auch mir war es nur mehr vergönnt, ihm die schon erkaltete Hand zu drücken.

Liebe Agnes, auch wir werden dem lieben Joseph bald alle folgen müssen, denn dieses elende Erdenleben, in diesem Jammertale, dauert nicht lange, und ist doch nichts wert. Wohl dem, der überwunden hat. Der Liebe Gott wird ihm ein gnädiger Richter gewesen sein, denn er hat seine Pflicht bis zum Letzten getreu erfüllt. Mehr kann ich Dir, liebe Agnes, nicht mitteilen, nur um eines bitte ich Dich, sei nicht untröstlich, sondern suche Deinen im Gebete. Richte Dich auf und sei stark. Lass Dich nicht niederdrücken vom Schmerz, sondern setze Dein Vertrauen auf Gott, der wird auch Euch führen wie es gut sein wird. Nun zum Schlusse mein herzliches Beileid und Dir die besten Grüße

Dein Schwager Franz Hawighorst, Im Felde, den Karfreitag 1918

Wie Joseph Tepe starb

1918 trafen sich dann beide erneut wieder – „diesmal im Schützengraben in Frankreich“, sagt Eduard Lindemann. Und genau dort passierte dann das Unglück (siehe auch Infobox). An Karfreitag schrieb Franz Hawighorst einen Brief an Joseph Tepes Frau Agnes. In diesem erzählt er ihr einfühlsam, wie Joseph Tepe an seiner Seite gestorben ist. „Gestern gegen Mittag ist ein Unglück passiert. Durch einen Granatensplitter getroffen, in der rechten Seite, ist Joseph ganz plötzlich von meiner Seite gerissen worden“, schrieb er.

Und weiter: „Er war am Morgen noch so gut zufrieden und wir haben uns noch über die liebe Heimat unterhalten. Die kleinen Kinder lagen ihm ganz besonders am Herzen, ich sende Dir nun hiermit seine letzten Grüße. Von seinem Tode hat er nichts gemerkt. Auch mir war es nur mehr vergönnt, ihm die schon erkaltete Hand zu drücken.“

Zweiten Brief übersetzen

„Richte Dich auf und sei stark“, gab Franz Hawighorst seiner Schwägerin mit auf den Weg. „Lass Dich nicht niederdrücken vom Schmerz, sondern setze Dein Vertrauen auf Gott, der wird auch Euch führen wie es gut sein wird.“

Während Joseph Tepe also bereits im Ersten Weltkrieg fiel, kehrte Eduard Lindemanns Großvater als Kriegsinvalide zurück und starb später am 21. Februar 1933 an seiner Lungentuberkulose.

„Joseph hatte zwei oder drei Kinder“, sagt Eduard Lindemann. Ein Sohn, Heinrich Tepe, war Rechtsanwalt und Notar in Friesoythe. Und auch er habe zwei Kinder. So ist sein Sohn Heinrich W. Tepe Zahnarzt in Friesoythe.

Jetzt will Eduard Lindemann auch den zweiten Brief von seinem Urgroßvater, den Großvater seiner Mutter, an dessen Schwiegersohn Joseph Tepe übersetzen lassen. Dies können Sie dann in einem zweiten Teil der Geschichte lesen.

Tanja Mikulski
Tanja Mikulski Redaktion Münsterland
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