Seefeld - Nach dem Suizid vom vergangenen Freitag ist bei der Verkehrssicherung an der Landgaststätte Seefelder Schaart wieder alles auf Anfang. Ob das Schutz-Provisorium wie geplant aufgestellt wird, ist derzeit völlig offen, sagt Mario Böschen, Leiter der Straßenmeisterei Nordenham, im Gespräch mit der NWZ.
Barriere mit Palisaden
Noch in dieser Woche will er diese Frage mit Bürgermeister Klaus Rübesamen und der Verkehrsbehörde der Kreisverwaltung besprechen. Für Klaus Rübesamen ist die Sache klar: Er will das Provisorium nicht mehr, sondern er setzt auf eine verstärkte Dauerlösung, die aber noch bis zu zwei Jahre auf sich warten lassen kann.
Als Provisorium ist, wie berichtet, eine Barriere aus Recycling-Kunststoff mit Beton-Fundamenten nach dem Muster der Berliner Straße in Nordenham vorgesehen, auf die stählerne rot-weiß Warnbaken geschraubt werden. Diese Warnbaken sehen aus wie Palisaden, stehen direkt vor der Außenwand der Gaststätte und sollen Suizid-Fahrer optisch abschrecken; eine echte Bremse stellen sie dagegen nicht dar.
Und genau damit hat Klaus Rübesamen nach der Suizid-Fahrt vom Freitagnachmittag ein Problem: Was ist, wenn sich der Fahrer von der Warn-Optik nicht abschrecken lässt, sondern mit Höchstgeschwindigkeit drauf zuhält? „Das Objekt würde zersplittern, Teile würden durch die Luft fliegen und könnten Menschen verletzen, die sonst unverletzt geblieben wären“, gibt der Bürgermeister zu bedenken.
Dabei hatte die Verkehrsbehörde der Kreisverwaltung nach den Worten von Mario Böschen erst am vergangenen Donnerstag, also einen Tag vor der jüngsten Suizid-Fahrt, dieser Lösung zugestimmt. Auch Renate Schröder und ihr Lebensgefährte Jürgen Stoffers, die die Gaststätte betreiben, sind einverstanden. Das Material ist bestellt, es soll in dieser Woche bei einem Rodenkircher Handwerksunternehmen eintreffen, das das Provisorium in der nächsten Woche aufbauen will.
„Das ist nicht so einfach möglich“, sagt Mario Böschen. Denn unter der Fläche zwischen dem Schaart und dem Geh- und Radweg der Landesstraße verläuft eine Wasserleitung, so dass auch der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) in die Montage einbezogen werden müsste.
Klaus Rübesamen setzt stattdessen auf die große Lösung. Damit gemeint ist eine Verkehrsinsel auf der Einmündung der Seefelder Straße aus Richtung Moorsee in die Landesstraße Seefelderschaart. Doch das reicht dem Bürgermeister nicht. Er will, dass die Seefelder Straße verschwenkt wird, um Suizid-Fahrer zusätzlich abzubremsen; zudem sollte die Verkehrsinsel mit stabilen Aufbauten versehen werden, weil sie sonst „wie eine Flugrampe“ wirken könnte.
Insel ohne Aufbauten?
Doch eine Verschwenkung der Straße hält Mario Böschen für schwierig; schon für die Lösung mit der Verkehrsinsel, für die die Straße verbreitert werden muss, sei ein hoher Aufwand erforderlich – bis zur Beachtung mehrerer Naturschutzauflagen. Aufbauten auf der Verkehrsinsel seien dagegen überhaupt kein Thema, betont Mario Böschen, denn sie würden Verkehrsteilnehmer gefährden, die nicht in Suizid-Absicht, sondern aus Unachtsamkeit auf die Verkehrsinsel geraten: „Wir können aber nicht viele gefährden, um einzelne vor einem Schaden zu bewahren, den sie sich selbst antun wollen.“
