Seefeld - Der Suizid an der Landgaststätte Seefelder Schaart am Freitagnachmittag war nicht der erste, aber der mit dem weitaus höchsten Schaden am Gebäude. Doch davon lassen sich die Eigentümerin Renate Schröder und ihr Lebensgefährte Jürgen Stoffers nicht entmutigen. „Wir machen weiter“, betonte Renate Schröder im Gespräch mit der NWZ. „Alle gebuchten Veranstaltungen finden statt.“
Kunden sind verunsichert
Polizei und Rettungskräfte werten den Unfall als Suizid. Es ist der zweite Suizid innerhalb von fünf Monaten und der fünfte Versuch innerhalb weniger Jahre. Diesmal hatte der Fahrer genau die Stelle neben dem beim jüngsten Suizid am 1. Oktober beschädigten Teil der Mauer erwischt.
Nach dem schweren Unfall seien viele Kunden verunsichert. „Wir bekommen immer wieder Anrufe; die Leute fragen, ob ihre Veranstaltung noch stattfindet“, schildert Renate Schröder.
Wie hoch der Schaden genau ist, steht noch nicht fest. Für Montag erwartete Renate Schröder den Besuch eines Statikers, der sich den beschädigten Trakt ansehen wollte. In diesem Trakt liegt ein Clubraum, gleich nebenan die Gaststube und die Kegelbahn. Der weitaus größte Teil des Komplexes, etwa der Saal und die kleineren Gesellschaftsräume, seien nicht beschädigt worden.
Der betroffene Trakt soll möglichst bald wiederhergestellt werden, kündigte die Wirtin an.
Allerdings bleibt es bei ihrem Vorhaben, die Gaststätte nur noch bis zum 31. Dezember dieses Jahres zu betreiben. „Ich bin jetzt 80 Jahre alt, arbeite seit 65 Jahren im Schaart und möchte langsam ans Aufhören denken“, sagt die Eigentümerin.
Sie hatte die Landgaststätte von ihren Eltern Paul und Käthe Nieswandt übernommen und war in die Aufgabe hineingewachsen. 1964 starb ihr Vater; nach dem Tod ihrer Mutter 1980 wurde sie Eigentümerin und Betreiberin. „Wir haben uns einen Namen gemacht“, betont Renate Schröder, „die Gaststätte ist ein Selbstläufer.“
Das gesamte Interieur der Gaststätte ist gepflegt und auf einem sehr guten Stand. „Unsere Küche ist perfekt. Ein Nachfolger kann ohne Zeitverzug sofort anfangen.“
Dennoch gibt es bisher keinen Interessenten für eine Übernahme. Renate Schröder hat sich in dieser Frage schon an die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer (IHK) gewandt, die mit Rat und Tat zur Seite stehe. So seien Annoncen für Fachzeitschriften entworfen worden, mit denen überregional nach einem neuen Eigentümer für die gut geführte traditionsreiche Gaststätte gesucht werden soll.
„Gaststätte erhalten“
„Wir sind gern bereit, unsere Nachfolger einzuarbeiten“, ergänzt die Eigentümerin. „Uns ist sehr daran gelegen, dass diese Gaststätte für Seefeld und die Seefelder erhalten bleibt.“ Das Seefelder Schaart ist mittlerweile die einzige verbliebene Gaststätte im Ort.
Während Jürgen Stoffers zusammen mit einem Koch die Küche betreibt, berät Renate Schröder ihre Kunden in der Gestaltung der geplanten Feier. „Ich weiß schon, wie der Hase läuft“, lässt es die Wirtin nicht an Selbstbewusstsein fehlen.
Doch es bleibt dabei: Silvester ist Schluss. Und: Eine Vermietung komme nicht in Frage, nur ein Verkauf. Sollte der Gastbetrieb keine Zukunft haben, würden in dem Gebäude Wohnungen entstehen.
Wir berichten nur in Ausnahmefällen über Suizide. Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, oder jemanden kennen, der suizidgefährdet ist, suchen Sie Hilfe.
Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800/1110111 und 0800/1110222. Auch ein Kontakt per Chat und E-Mail ist möglich: www.telefonseelsorge.de // https://robert-enke-stiftung.de
