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Nwz-Serie „einmal Fahren Mit“ In Specken So fährt sich die Hängematte auf Rädern

Chelsy Haß

Specken - „Die Leute gucken. Wir werden oft auf unsere Fahrräder angesprochen, ganz egal wo wir sind“, sagt Otto Renken. Recht hat er, denke ich, als ich im Bad Zwischenahner Ortsteil Specken meine allererste Runde mit dem etwas merkwürdig aussehenden Pedersen-Rad fahre. Der Lenker ist stark geschwungen, der Rahmen ist hoch und besteht aus mehreren zu Dreiecken zusammengesetzten filigranen Rohren. Der Sattel wird von Gurten und Federn gehalten, die mich bei jedem Tritt sachte hin- und herschwingen lassen – als würde ich auf einer Hängematte sitzen.

Hoher Rahmen ist der Knackpunkt

Ich besuche heute Otto Renken, der vor seinem Ruhestand als Redakteur für die NWZ gearbeitet hat. Er erzählt mir mehr über das ungewöhnliche Fahrrad, das seine absolute Leidenschaft ist. „Auf den ersten Blick sieht es selbst gebaut aus. Es steckt aber viel Ingenieurskunst in dem Rad“, erklärt der 68-Jährige. Besonders der Fahrkomfort mache das Pedersen so einzigartig. Knackpunkt dabei sind der hohe Rahmen, der den Radfahrer besonders aufrecht sitzen lässt, und der Sattel, der wie eine Hängematte konstruiert ist. Dadurch soll das Pedersen-Rad sehr rückenfreundlich sein, wie Renken mir erklärt.

Das Steckt hinter dem Pedersen-Rad

Der dänische Ingenieur Mikael Pedersen (1855-1929) entwickelte das Fahrrad um 1890, weil er mit dem Sitzkomfort damaliger Fahrräder nicht zufrieden war. In Großbritannien meldete er es 1893 zum Patent an. Das deutsche Patent stammt von 1894.

1978 verliebte sich der Däne Jesper Sölling in das Pedersen-Rad, und begann es nachzubauen. In den ersten 15 Jahren wurde das Pedersen-Rad im Kopenhagener Freistaat Christiania gefertigt. Mittlerweile wird es unter anderem im dänischen Ebeltoft gebaut.

Pedersen-Räder werden in der Regel individuell nach Kundenwunsch gefertigt. Somit gleicht kein Fahrrad dem anderen.

Der Rahmen besteht aus 14 dünnen Rohren, die so angeordnet sind, dass sie 21 Dreiecke bilden. In Handarbeit wird er an 57 Stellen verlötet.

Auch ich komme auf den Geschmack, denn auf dem Pedersen-Rad sitzt es sich tatsächlich außerordentlich gemütlich. Unebenheiten im Boden werden perfekt abgefedert – auf so einem Fahrrad könnte ich öfter fahren. Das ist es auch, was Otto Renken an seinen Pedersen so schätzt.

Dänisches Patent

Entwickelt wurde das Fahrrad vom dänischen Ingenieur Mikael Pedersen, der sein Patent 1893 anmeldete. Nach dem Ersten Weltkrieg geriet es jedoch fast gänzlich in Vergessenheit, wie Renken weiß: „Es gab einfach kein Geld, um solch ein komplexes Fahrrad herzustellen.“ Erst 1978 entdeckte der Däne Jesper Sölling die außergewöhnliche Konstruktion und begann damit, das Rad im Kopenhagener Freistaat Christiania zu produzieren. Er gründete eine Firma mit dem Oldenburger Manfred („Kalle“) Kalkhoff, der der Cloppenburger Fahrrad-Dynastie Kalkhoff angehörte, und brachte das Pedersen wieder auf die Straße – vor allem auch auf die Straßen im Nordwesten. Noch heute werden die Räder per Hand gefertigt, wie Otto Renken weiß.

Familienleidenschaft

„Das Pedersen gehört einfach zur Familie“, sagt der 68-Jährige. Stolz ist er auf ein ganz besonderes Fahrrad. So absolvierte Otto Renkens Sohn 1999 ein Praktikum bei Sölling. Zurück kam er mit einem Pedersen, das er für seinen Vater gebaut hatte. Mittlerweile besitzt Renken vier solcher Räder. Auch seine Frau, sein Sohn und seine Tochter haben eins. „Auf dem Rad hat man einen guten Überblick. Es fühlt sich fast so an, als würde man erhaben vor sich hinschweben“, sagt Traute Renken.

„Vor allem durch Kalle Kalkhoff, der die Räder auch in Oldenburg verkaufte, gehört das Pedersen in die Region“, sagt der 68-Jährige. Vor 19 Jahren organisierte Otto Renken das erste Pedersentreffen in Bad Zwischenahn. Ungefähr zur gleichen Zeit rief er die Gruppe „Pedersenfreunde“ ins Leben. Seitdem treffen sich die Liebhaber der besonderen Räder einmal im Jahr. „Da haben wir immer so um die 100 Teilnehmer, die aus den verschiedensten Gegenden kommen“, weiß Renken. So seien auch Pedersenfreunde aus England, den Niederlanden und Belgien darunter. „Durch die simple Idee eines Dänen, ein gemütliches Fahrrad zu bauen, sind viele Freundschaften entstanden“, sagt Renken.

Einzigartiges Fahrgefühl

Ob auch ich bald in Besitz eines solchen Pedersen-Rads sein werde, kann ich noch nicht sagen. Ich denke zumindest darüber nach. Denn das Fahrgefühl ist wirklich einzigartig. Und wer würde nicht auch gerne mit einer Hängematte auf zwei Rädern durchs Ammerland fahren?

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