Stollhamm - Im Gezerre um die alte Schule in Stollhamm ist ein neuer Joker im Spiel. Thorsten Menenga aus Feldhausen möchte das Gebäude kaufen und darin Mietwohnungen einrichten. Der Antrag der aus CDU, FDP und Unabhängigen bestehenden Mehrheitsgruppe im Gemeinderat, die Schule nicht zu verkaufen, sondern sie abzureißen, könnte damit hinfällig sein.
An diesem Donnerstag beschäftigt sich mit dem Thema ab 19 bei einer öffentlichen Sitzung im Rathaussaal in Burhave der Finanzausschuss des Gemeinderats. Auf die Tagesordnung gekommen ist die Sache, weil Karin und Hans Hellwig die Schule kaufen und für ein generationenübergreifendes Wohnen, das sogenannte Cohousing, nutzen möchten. Das Ehepaar aus Eckwarden hat 75 000 Euro für das Gebäude geboten.
Kaum war das Anliegen der Hellwigs öffentlich bekannt, legte die Mehrheitsgruppe ihren Antrag, die Schule abzureißen und die Fläche für die Erschließung von Bauplätzen zu nutzen, vor. Nach Informationen der NWZ befürwortete in der Gruppe durchaus nicht jeder diese Vorgehensweise. Der Antrag sei nicht zuletzt auch deshalb zustande gekommen, weil ansonsten der Fortbestand der Mehrheitsgruppe gefährdet gewesen wäre, heißt es aus Ratskreisen.
Derweil sehen sich Karin und Hans Hellwig nun nicht länger nur mit einem Gegenantrag der Mehrheitsgruppe, sondern auch noch mit einem konkurrierenden Kaufinteressenten konfrontiert – und der will 25 000 Euro mehr auf den Tisch legen. Thorsten Memenga, der in Feldhausen einen Kfz-Betrieb führt, hat bei der Gemeindeverwaltung am Dienstagnachmittag ein Gebot in Höhe von 100 000 Euro abgegeben. Zuvor hatte er sich im Rathaus den Schlüssel für die seit 2012 geschlossene ehemalige Schule abgeholt, um sie zu besichtigen. „Ich bin angenehm überrascht“, sagte er anschließend.
Dass es in der Feriengemeinde einen Mangel an bezahlbarem (Miet-)Wohnraum gibt, ist kein Geheimnis. Der Rat und seine Gremien haben sich mehrfach mit dem Thema auseinandergesetzt. Mit dem Kauf und Umbau des alten Stollhammer Schulgebäudes möchte Thorsten Memenga nun in genau diese Lücke stoßen. Er haben schon länger über den Kauf der Schule nachgedacht, die Sache zwischenzeitlich aber wieder aus den Augen verloren, sagt er. Nun will Thorsten Memenga Nägel mit Köpfen machen.
Die Schule verfügt über eine Wohnung, die vermietet ist, und über eine weitere, die sich laut Thorsten Memenga in wenigen Woche zur Vermietung herrichten ließe. Insgesamt, so die Rechnung des Feldhausers, könnten in dem Gebäude elf Wohnungen mit jeweils um die 100 Quadratmetern entstehen. Zwei davon könnten bis Ende des Jahres fertig sein. Ein Gewerbebetrieb sei auf der Fläche nicht geplant.
Abzuwarten bleibt, wie sich angesichts der neuen Situation die Mehrheitsgruppe aus der Affäre ziehen wird. Immerhin hat sie einen Abriss der Schule beantragt, der auch die Grundlage für die Weiterentwicklung des Stollhammer Ortskerns darstellen soll. Die Unabhängigen haben bereits signalisiert, dass sie unter den gegebenen neuen Umständen den Antrag nicht aufrecht erhalten werden.
Die Vorentscheidung wird am Donnerstag im Finanzausschuss fallen. Den endgültigen Beschluss fasst dann am Mittwoch, 25. März, ab 19 Uhr im Rathaussaal der Gemeinderat.
