Strücklingen - Langsam kehrt bei uns der Sommer ein. Nicht nur die Temperaturen steigen, auch die Sonnenstunden nehmen immer mehr zu. Und was wäre ein Sommer, ohne nicht mindestens einmal den Grill angeschmissen zu haben. Doch welcher Grill eignet sich für wen am besten, muss es unbedingt ein Smoker sein und welche Trends sind dieses Jahr angesagt? Erlebnispädagoge und Betreiber der PP13 Erlebniswelt in Strücklingen, Peter Herrmann, sammelt schon seit seiner Jugend Erfahrungen rund um den Grill und hat auf all diese Fragen eine Antwort.
Das Problem Balkon
Wer statt Garten einen Balkon hat, kennt es wahrscheinlich: Grillen mit Holzkohle, das ist ein No-Go. Hier wird oftmals auf einen Gas- oder Elektrogrill ausgewichen, was der Erlebnispädagoge auch unbedingt empfiehlt. Doch wer auf keinen Fall auf Holzkohle verzichten will, dem rät der Erlebnispädagoge zu einem dänischen Grill, Copp genannt: „Der raucht nur zehn Minuten, dann ist er durch.“
Für diejenigen, bei denen sich die Rauch-Frage nicht stellt und unbedingt einen Smoker haben wollen, die sollten auf eine ganz bestimmte Sache achten: die Wandstärke. „Sechs Millimeter ist Minimum“, weiß Herrmann, sonst würde zu viel Hitze verloren gehen und man ärgere sich am Ende nur.
Allerdings gibt es heutzutage auch allerlei Spezialgeräte, mit denen jeder einfache Kugelgrill zum Smoker oder sogar zur Räucherkammer wird. „Was ich mir aber nicht mehr vorstellen kann, ist ein Grill ohne Deckel“, sagt der Erlebnispädagoge, denn nur mit einem Deckel wären indirektes Grillen, low and slow oder „alles was mit Rauch zu tun hat“, möglich.
Für die Umwelt
Wovon der Erlebnispädagoge begeistert ist, sind die sogenannten Raketenöfen, eine Art Outdoor-Ofen. Sie arbeiten nach dem Holzvergaser-Prinzip: Die Zuluft gelangt unterhalb der Holzauflage in den Brennraum und entweicht ganz oben. „Dadurch raucht es nicht so viel“, weiß Herrmann.
Drei bis vier Zeitungsbögen reichen zum Anfeuern. Zudem benötigt es nur wenig Holz, was zum Trend, mehr auf die Umwelt zu achten, passt, wie Herrmann findet. Topf, Pfanne oder Dutch Oven oben drauf und schon kann das Anbraten beginnen. Er selbst kocht mit dem Ofen selbst ganze Tintenfische.
Ein Utensil vergessen
Wenn es ans Grillen geht, sollte auf ein Utensil unbedingt verzichtet werden, findet Hermann – und zwar auf den Wendehaken. „Wenn Fleisch gegrillt wird, dringen die Fleischsäfte nach innen, wenn ich dann darein pikse, geht Flüssigkeit nach außen.“ Das Ergebnis ist, dass das Fleisch dadurch trocken und zäh wird.
Ein Fehler, der ebenfalls oft gemacht wird, ist es, das Fleisch immer wieder zu wenden. Dabei sollte es nur einmal gewendet werden. Sich „Zeit lassen“ ist hier das Stichwort. Herrmann empfiehlt, es nur einmal zu drehen und nach dem Grillen eine Zeit ruhen zu lassen, bevor es angeschnitten wird. Dadurch bleibt das Fleisch schön saftig.
Trends und Alternativen
Wer gerne neue Trends ausprobiert, der sollte sich an Rollbratenrezepte versuchen, denn „bei uns sind gerade Hackfleischsachen ganz groß im Kommen“, sagt Herrmann und hat auch direkt ein Beispiel parat: die „Bacon-Bomb“. Dazu wird zuerst Bacon entweder nebeneinander oder wie eine Matte geflochten ausgelegt und darauf Hackfleisch ausgelegt, das je nach Geschmack zuvor gewürzt wurde. In das Hack wird eine Mulde gedrückt. Hier kommt dann Käse mit zum Beispiel Chiliflocken in Olivenöl hinein. Zum Schluss wird alles zu einer Rolle aufgerollt, so dass der Bacon das Hack umschließt, und auf den Grill gelegt.
Für Vegetarier empfiehlt der Erlebnispädagoge Pimentos, die würden super gehen, ebenso wie Frühlingszwiebeln: „einfach marinieren und auf den Grill“. Ein ganz heißer Tipp von Herrmann ist Blauschimmelkäse. Der würde mit einer Reismischung, Kräutern und Gewürzen in einer Paprika sehr gut schmecken. Damit das Gemüse auch sicher auf dem Grill liegt, nutzt Herrmann Silikonunterlagen. „Die gibt es zum Beispiel im Baumarkt, kann man sich ganz einfach zurechtschneiden.“ Und wer auch mal seine eigene Kräuterbutter herstellen möchte, der sollte dafür mal Frühlingsunkraut wie Brennnessel ausprobieren.
Die richtige Würze
Es gibt viele verschiedene Rezepte für die richtige Marinade zum Fleisch. Herrmann hat ein Grundrezept, womit er unter anderem Rindfleisch zubereitet. „Fünf Standartzutaten und dann guck ich, was ich machen will und denke weiter.“ Dazu gehören brauner Zucker, Paprika, Senfsaat, schwarzer Pfeffer und rote Pfeffersamen. Dieses Rezept ist dann beliebig erweiterbar, wie der Erlebnispädagoge sagt. Soll es zum Beispiel etwas herber schmecken, kommt Koriander hinzu, für mehr Süße Melasse.
Aber nicht gleich alles würzen und marinieren. Bei Rumpsteak zum Beispiel empfiehlt es sich, erst nach dem Grillen zu würzen, „denn sonst verbrennen die Gewürze nur unnötig“, sagt Herrmann.
Auf Gesundheit achten
Wer lieber im Park oder am Strand seinen Grill aufstellen möchte, sollte bei dem Transport des Fleisches vorsichtig sein. Gerade bei Geflügel ist das Risiko von Salmonellen hoch. „Das Fleisch nicht nur vom Kühlschrank in die Kühlbox packen, es müssen auch Kühlpacks dabei sein, damit die Temperatur lange erhalten bleibt“, erklärt der Experte. Denn steigt die Temperatur vom Fleisch über zehn Grad, fangen die Probleme an, ab 15 Grad beginne die „Vermehrungsphase“ von Bakterien wie Salmonellen. Deshalb rät Herrmann, die Temperatur beim Transport unter zehn Grad zu halten.
Ebenfalls empfiehlt der Erlebnispädagoge, das Fleisch nicht aus der Kühlbox direkt auf den Grill zu legen, sondern es kurz, aber bewusst liegen zu lassen, damit es die Raumtemperatur erreicht. Sonst dauert es viel länger, bis beim Grillen die Wärme nach Innen ins Fleisch dringt. Wer bei Geflügel auf Nummer sicher gehen will, dem empfiehlt Herrmann, es vorher zu garen: „Dann sind die Salmonellen abgetötet“.
Getränke und Nachtisch
Ein Weizenbier oder ein einfaches Pils geht, nach Meinung von Herrmann, sehr gut zum Grillen. Doch auch Wein ist ein Dauerbrenner, hier kommt es aber darauf an, was gegrillt wird. „Ein Glas Rotwein ist bei Spare Rips deplatziert“, dies passe eher zu Rind oder Lamm. Andersrum ist es mit Weißwein. Zum Sommer passt zudem auch ein Holundersekt. Herrmann hat dafür einen aus Holunderblüten, Zitronen, Weinessig und Zucker hergestellt.
Wer es nach einem deftigen Stück Fleisch noch süß mag, der ist mit einer Banane und Schokolade gut bedient, sagt Herrmann: „Die kürzeste Schale abziehen, dann mit einem Messer das Innere der Banane ein bisschen mehr als zur Hälfte aufschneiden und Schokolade reingeben.“ Dabei ist es egal, ob es Kinderschokolade, Nutella oder sonst etwas ist. „Letztes Mal habe ich After Eight genommen“, sagt Herrmann.
Ganz einfach Säubern
Wenn dann das letzte Stück Fleisch oder Gemüse gegrillt ist, kommt das wohl unbeliebtestes Thema: den Grillrost säubern. Doch aufgepasst, es kann schnell und vor allem ganz einfach sein. Entweder das Feuer im Grill noch einmal ordentlich „hochjubeln“, wie Herrmann sagt. Dann ist alles vom Rost ausgebrannt und kann ganz einfach abgebürstet werden. „Ansonsten den Rost abends ins Gras legen, durch den Tau weicht alles auf und am nächsten Tag einfach abwischen.“
Wer mehr über das Thema Grillen vom Erlebnispädagogen erfahren möchte oder Ideen sucht, kann sich die Instagram-Seite von Herrmann ansehen.
