Frau Ovelgönne-Jansen, 2017 ermittelte die Redaktion des Duden, dass das aktuelle Deutsch fast 23 Millionen Wörter – nur Grundformen – umfasst. Was ist denn Ihr Lieblingswort?
Ovelgönne-Jansen(überlegt ein wenig) Keks finde ich niedlich. Ein Lieblingswort ist auch „irrlichtern“. „Durchs Moor irrlichtern“ – das klingt doch gut...
...da könnte ich auch noch einige Begriffe beitragen, für die es in anderen Ländern keine Entsprechung gibt: Fernweh, Schnapsidee, innerer Schweinehund, Torschlusspanik, Erklärungsnot, Weltschmerz. Müssen wir Deutschen ständig eine Extrawurst gebraten bekommen?
Ovelgönne-JansenAuch in anderen Sprachen gibt es eigene Wörter, die man so bei uns nicht findet. So haben die Inuit, die in Zentral- und Nordostkanada sowie auf Grönland leben, 40 unterschiedliche Begriffe für Schnee, während bei unserer geografischen Lage eine Hand voll Bezeichnungen reichen.
Gibt es eigentlich ein Wort, dessen Schreibweise Sie sich schlecht merken können? Meins ist Karussell...
Ovelgönne-Jansen...mir geht das beim Getrennt- oder Zusammenschreiben so: Klassen zusammenlegen – dabei muss ich überlegen...
...Stichwort überlegen: Vor allem per WhatsApp und E-Mail und bei Facebook oder Twitter wird schnell, unkontrolliert und oft falsch geschrieben. Alles egal in der digitalen Welt und doch alles ok?
Ovelgönne-JansenNein. Eine richtige Schreibweise hat auch etwas mit Respekt demjenigen gegenüber zu tun, der die Nachricht empfängt. Ich lese mir deshalb jede Mitteilung noch einmal durch, bevor ich sie abschicke...
...ich behaupte mal, dass auch an Schulen einer korrekten Rechtschreibung immer weniger Bedeutung beigemessen wird. Als Lehrerin sagen Sie jetzt hoffentlich nicht Ja...
Ovelgönne-JansenNatürlich nicht. In der Oberstufe und beim Abitur bekommen die Schüler in allen Fächern Punkte abgezogen, wenn die Rechtschreibung zu viele Fehler aufweist. Schreiben lernen nach Gehör, wie es zwischenzeitlich an den Grundschulen gelehrt wurde, ist ein Grund dafür, warum auch Gymnasiasten, die an sich gut sind, Förderbedarf haben. Rechtschreiben muss eben auch geübt werden. Schule ist eben nicht nur Spaß, sondern manchmal auch mühsam.
Sales-Manager, Meeting-Point, Headquarter: Finden Sie es nicht bedenklich, dass Deutsch immer mehr mit Englisch gepanscht wird? Und lässt sich das in unserer globalisierten Welt überhaupt noch verhindern?
Ovelgönne-JansenNein. In den globalisierten Zeiten hat es doch auch Vorteile, wenn viele Nationalitäten einen und denselben Begriff verstehen. Das gilt besonders für Fachbegriffe im IT-Bereich. Wenn es zu weit geht, sieht man das vor allem in der Werbung: ,Come in and find out’ hieß es bei der Kosmetikkette Douglas. Hier müssen wir gegensteuern, das sind wir der deutschen Sprache schuldig.
Die jungen Douglas-Werbetexter kennen bestimmt nicht mehr Wörter wie Unhold, hanebüchen, Banause, Feudel oder Lausbube – alte Begriffe, die heute kaum noch ein Mensch benutzt. Dafür gibt es nun Wörter wie Checker, krass, einwrapen oder netflixen. Ist die deutsche Sprache nur in Bewegung oder steuert sie auch auf den Abgrund zu?
Ovelgönne-JansenSprache ist immer in Bewegung. Allerdings beobachte ich eine zunehmende Verarmung der Sprache, der Wortschatz der Schüler schwindet. Das spiegelt sich auch in Aufsätzen wider. Und wenn wir heute alte Texte lesen, muss ich Wörter wie Hochmut erklären. Es müssen also Dinge erarbeitet werden, die früher selbstverständlich waren...
...das gilt nach der großen Rechtschreibreform 1996 auch für so manchen Erwachsenen. Es scheint so, als ob sich etliche ältere Zeitgenossen nicht an die neuen Regeln halten - getreu dem Motto „Was Hänschen nicht lehrt, lernt Hans nimmer mehr“...
Ovelgönne-Jansen...natürlich wird es mit zunehmendem Alter schwieriger, Dinge zu erlernen. Es erfordert Willen, etwas üben zu wollen.
Nehmen Sie noch einen Duden in die Hand?
Ovelgönne-JansenAuf jeden Fall, meiner steht direkt auf meinem Schreibtisch. Wenn ich auch Dinge gelegentlich im Internet nachgucke, bietet mir der Duden zusätzlich weiterführende Hinweise, Tabellen und Kästen.
