Thüle - Erst kürzlich hatte die Thülerin davon gelesen, dass trächtige Schafe, die auf dem Rücken liegen, von alleine nicht mehr auf die Beine kommen. Diesen Tieren müsse man unbedingt wieder hochhelfen. Solch eine Situation vermutete die Spaziergängerin auch, als sie von weitem auf einer kleinen Weide an der Soeste am Ortsausgang von Thüle ein Schaf auf dem Rücken liegend entdeckte. Sie wollte zur Hilfe eilen und das Tier anschubsen. Doch beim Schaf angekommen musste sie erschrocken feststellen, dass alles ganz anders war.

NWZ-Spezial : Der Wolf in Niedersachsen

Vor ihr lagen drei tote Schafe. Übel zugerichtet. Mit aufgerissenen Bäuchen und blutenden Wunden. Zwei weitere Schafe liefen mit offenen Wunden schwerst verletzt herum. Ein Anblick, der ihr noch Tage später schlaflose Nächte bereiten sollte. Der Vorfall wurde erst jetzt bekannt, nachdem sich die Thülerin an diese Zeitung gewandt und von ihrem schrecklichen Erlebnis berichtet hatte. Für sie war klar, dass das nur ein Wolf getan haben konnte.

Ohne Auswertung von DNA-Proben konnte Wolfsberater Arnold Aumüller das auf NWZ-Anfrage zwar offiziell nicht bestätigen, aber es gebe klare Hinweise, die auf einen Wolfsriss hinweisen würden. Bisswunden zum Beispiel. Oder die Pansen, die unversehrt neben den toten Wiederkäuern liegen, da diese ein Wolf nicht frisst.

Insgesamt hätten sich zwölf Schafe auf der Weide befunden. Drei seien bei dem Angriff sofort getötet worden, zwei weitere Tiere mussten später von ihrem Leid erlöst werden. Mindestens eins der getöteten Tiere sei auch trächtig gewesen. Die Fläche sei zwar eingezäunt gewesen, aber nicht mit einem Schutzzaun gegen Wölfe.

Arnold Aumüller hatte alles genau dokumentiert und DNA-Proben entnommen. Diese werden jetzt im Auftrag des Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) ausgewertet. Das kann einige Wochen dauern.

Der Vorfall in Thüle reiht sich ein in eine Liste mehrerer gleichgearteter Fälle in dieser Region. Einige sind als Wolfsangriffe bereits bestätigt – wie etwa der Riss von Damwild in Neuscharrel im Oktober 2019 –, andere werden derzeit noch geprüft – wie etwa der Riss von sechs Heidschnucken in Vordersten Thüle im Januar 2020.

Fest steht: In dieser Region gibt es gleich mehrere Wölfe. Laut einer aktuellen Erhebung der Landesjägerschaft Niedersachsen gibt es allein im Bereich des Eleonorenwaldes und angrenzend an die Thülsfelder Talsperre mehr als fünf Wolfsnachweise.

Carsten Bickschlag
Carsten Bickschlag Redaktion Münsterland (Leitung Cloppenburg/Friesoythe)