Varel - Wenn Natalija Kregelin durch die Stadt geht, denkt sie an Torten. Nicht Heißhunger auf Süßes lenkt ihre Gedanken, sondern die Suche nach Inspirationen für ihre nächste Tortenkreation. „Ich sehe mir die Fassaden der Häuser an und überlege, wie ich das auf eine Torte bringen kann“, sagte die Varelerin. Die 41-Jährige kreiert international ganz vorne mit: Bei der Messe „Cake international“ in Birmingham belegte sie kürzlich in der Kategorie „Hochzeitstorten“ den dritten Platz und ließ 190 Konkurrentinnen aus der ganzen Welt hinter sich. Die Jury war begeistert von der Kreation der Varelerin, gab ihr in puncto Originalität und Handwerkskunst die Höchstpunktzahl.
Für Natalija Kregelin der Lohn sechswöchiger Arbeit. Sie hat eine fünfstöckige Torte mit Rattangeflecht, barocken Ornamenten, Tiffany-Motiven und Blumendeko geschaffen. Und das alles aus Zucker. Grundlage ist Fondant, eine Zuckermasse zum Formen. Die schwarze Masse hat sie ausgerollt und zu Hunderten von zwei mal einem halben Zentimeter kleinen Streifen geschnitten und diese Stück für Stück auf die Torte geklebt. Vorher hat sie genau ausgemessen, wie lang die Stückchen sein müssen, damit sich nicht am Ende der Torte plötzlich eine Lücke auftut.
Blätter täuschend echt aus Zucker
Den dritten Stock der Torte bildet ein Tiffany-Motiv mit Papagei. Jedes kleine Fitzelchen hat sie aus der Zuckermasse gefärbt, millimetergenau ausgeschnitten, aufgeklebt und mit Zuckerschrift ummalt, um dem Motiv die Tiffany-Optik zu geben. Obendrauf prangt ein kunstvolles Blumengebinde. Für jedes einzelne Blatt hat sie Zuckermasse in eine Silikonform gedrückt, die täuschend echte Blattadern in die Zuckermasse pressen. Anschließend hat Natalija Kregelin die Blätter so bemalt, dass sie täuschend echt aussehen – und nicht gerade zum Reinbeißen.
„Man kann alles essen“, sagt die 41-Jährige. Wer ihre Tiffany-Torte probieren möchte, beißt allerdings auf Styropor. Für die Wettbewerbs-Torte hat sie einen Styropor-Dummy verwendet, um die Torte heil mit dem Bus zum Wettbewerb in England zu transportieren.
Alle anderen Torten, die Natalija Kregelin kreiert, sehen nicht nur außergewöhnlich aus, sondern schmecken auch gut. „Für Motivtorten nimmt man Biskuitböden, Buttercreme oder Schokolade“, verrät sie, „Sahne ist zu weich für Fondanttorten“.
Torte in Teekannenform
Erst seit vier Jahren backt die gebürtige Ukrainerin, die mit ihrem Mann und zwei Kindern in Altjührden lebt, Motivtorten. Angefangen hat alles vor dem ersten Geburtstag ihres jüngsten Sohnes. Sie wollte eine besondere Torte backen und belegte einen Kursus. Ihre erste Torte war eine zweistöckige mit Blumen.
Seitdem hat es sie gepackt und sie hat die Kunst perfektioniert. Sie hat ihre Nachbarinnen zu einer Torte in Teekannen-Form eingeladen, hat für einen Geburtstag eine Torte gebacken, die wie eine Hutschachtel von Louis Vuitton aussieht und für eine Hochzeit ein mehrstöckiges Prachtstück mit Spitze, die der Spitze auf dem Brautkleid nachempfunden war.
„Die Torten machen glücklich“, sagt sie und erinnert sich an eine Motivtorte, die eine Frau zum runden Geburtstag bekommen hat. „Alle haben nur über die Torte geredet und nicht übers Älterwerden“, sagt Natalija Kregelin. Auch sie selbst machen die Torten glücklich. Für die 41-Jährige, die als Krankenschwester im KfH-Dialysezentrum arbeitet, ist ihr Hobby ein perfekter kreativer Ausgleich. Sie genießt es auch, bei Wettbewerben im In- und Ausland viele Gleichgesinnte kennenzulernen, die mit derselben Leidenschaft wie sie Kunstwerke schaffen, die verspeist werden.
