Varel - Die Pläne für den Sport- und Bürgerpark spalten die Vareler: Auf der einen Seite stehen die, die einem neuen Sportpark zwischen Langendamm und Varel offen gegenüber stehen, und auf der anderen Seite diejenigen, die um jeden Preis das Waldstadion erhalten wollen und fürchten, dass, ist der neue Sportpark erst gebaut, die Sportanlage an der Windallee abgerissen und mit Wohnungen bebaut wird. Als Ende der 1940er Jahre das Waldstadion gebaut werden sollte, hielten sich die Bereitschaft zum Anpacken und der Respekt vor dem Sport aber in Grenzen.

65 000 Reichsmark waren für den Bau veranschlagt, einen Großteil der Summe konnten die Sportler bei Sammlungen, Spenden und bei Veranstaltungen zusammenbringen. 48 000 Mark standen so schon zur Verfügung. So steht es in der VTB-Vereinschronik anlässlich des 150-jährigen Bestehens, das der Turnerbund 2011 feierte.

Im Kostenvoranschlag waren aber auch die Eigenleistungen der Sportler festgehalten: 2000 Kubikmeter Sandboden mussten aus der Grube beim Kaffeehaus herangeschafft, rund 10 000 Quadratmeter Grassoden gesetzt und etwa 2000 Quadratmeter Schlackebahn auf- und abgeladen werden.

Für die Arbeiten stellte sich zunächst eine große Zahl von Mitgliedern des Turn- und Sportvereins zur Verfügung. Sie wollten jeweils einen Tag acht Stunden lang für den Stadionbau arbeiten. Um mit gutem Beispiel voran zu gehen und um die Gemeinschaft in der Stadtgemeinde zu zeigen, stellte sich der Stadtrat sogar für zwei Tage zur Verfügung, ebenso das Personal der Stadtverwaltung. Auch einige Sportgruppen sagten ihre Hilfe zu und es sollten ortsansässige Firmen gebeten werden, jeweils einen Arbeiter für ein paar Tage zur Verfügung zu stellen.

Aber: „Die Erfüllung dieser übernommenen Einsatzverpflichtung lief nur schleppend an“, heißt es in der VTB-Chronik. Offenbar ließen sich selbst einige Sportler, die schließlich am meisten von der neuen Anlage profitieren würden, eher selten bei den Bauarbeiten blicken. In der Chronik wird aus einem neuen Planungskonzept zitiert: „Nochmals betonen, dass die Sportler, insbesondere der 1. Mannschaft, bei den Arbeiten fast immer vermisst werden.“

Und auch die Bitte an die Firmen, Arbeiter zur Verfügung zu stellen, wurde weitgehend ignoriert. Ein Antrag des Ratsherrn Kirchmair, sich am Stadionbau zu beteiligen, fand ebenfalls nur wenig Anklang. Ob die Stadtverwaltung damals ihre versprochenen Arbeitseinsätze leistete, ist in der Chronik nicht überliefert. Für Unterstützung sorgte aber das Arbeitsamt: Es teilte dem TuS Arbeitslose im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zu.

1948 war das Stadion so weit, dass dort Sportveranstaltungen stattfinden konnten. Einige Vareler pfiffen aber offensichtlich auf den neuen Sportplatz. Für sie schien die große freie Fläche eher eine willkommene Abkürzung zu sein. Die Nordwestdeutsche Rundschau berichtete am 28. Oktober 1948, dass der Sportplatz in „souveräner Sportverachtung“ ständig von Fußgängern und Radfahrern überquert wurde. Es sollen sogar mehrfach Lastwagen und Pferdefuhrwerke über den Platz gefahren sein – und das mitten im laufenden Spielbetrieb.

Um diesem Treiben Einhalt zu gebieten, wurde das gesamte Gelände eingefriedet und das schmiedeeiserne Tor mit dem V-Emblem geschaffen.

Auch wenn das Stadion immer noch nicht fertig war, fand dort ab 1949 regelmäßiger Sportbetrieb statt. Zuschauer gab es reichlich – allerdings nicht im Stadion, sondern nur vom Steinbrückenweg aus. Den Eintritt ins Stadion wollte offenbar kaum jemand bezahlen. Auf Antrag des TuS Varel ließ das Kreisamt in Jever schließlich bei Sportveranstaltungen den Steinbrückenweg sperren. Wer jetzt zuschauen wollte, musste wohl oder übel ins Stadion.

Im Sommer 1950 wurde im Waldstadion das erste Punktspiel der Fußballabteilung des TuS Varel gegen Viktoria Oldenburg ausgetragen. Endgültig fertig war das Stadion erst 1955. Im September wurde es mit dem 8. Kreisturn- und Sportfest eröffnet.