Varel/Marbella - Auf eine phänomenal verlaufene Saison als Rookie kann Senkrechtstarterin Esther Henseleit aus Varel schon jetzt zurückblicken. Ab diesem Donnerstag möchte die 20-Jährige, die erst zu Jahresbeginn ins Profilager gewechselt ist und dort seitdem für mächtig Wirbel sorgt, nun möglichst noch das krönende i-Tüpfelchen setzen.
In Lauerstellung
Schließlich liegt die große deutsche Golf-Hoffnung vor den beiden letzten Turnieren der diesjährigen Ladies European Tour (LET) in der Gesamtwertung (Order of Merit) als Zweitplatzierte in Lauerstellung hinter der führenden Norwegerin Mariane Skarpnord und vor der Österreicherin Christine Wolf.
Von Donnerstag bis Sonntag stehen für den Tour-Tross zunächst die „Andalucia Costa del Sol Open de Espana“ im Aloha Golf Club westlich von Marbella auf dem Programm. Den Abschluss bilden vom 5. bis 8. Dezember die „Magical Kenya Ladies Open“.
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„Ich werde alles geben, die letzten beiden Turniere der LET-Saison erfolgreich abzuschließen“, gibt sich Henseleit angriffslustig: „Ich bin gut in Form und nehme mir natürlich vor, besser als die Konkurrenz zu spielen.“
Ihre herausragende Form hatte die Spielerin des Hamburger GC Falkenstein zuletzt während zweier nerven- und kräftezehrender Turnierwochen in den USA gezeigt. An deren Ende konnte sich die 20-Jährige – wie berichtet – auf dem geteilten 30. Platz unter 98 Spielerinnen gleich im ersten Anlauf einen der begehrten Startplätze für die kommende Ladies Professional Golf Association Tour (LPGA) sichern.
„Ich habe mir vor der Saison Ziele gesetzt und hart daran gearbeitet, diese auch schnellstmöglich zu erfüllen“, betont Henseleit: „Unter anderem wollte ich mir Siegchancen auf der LET erarbeiten und mir eine Kategorie für die LPGA-Tour sichern. Dass es in meinem ersten Profijahr klappt, ist natürlich toll.“
Anfang des Jahres ist Esther Henseleit als Zehnte der Amateur-Weltrangliste ins Lager der Profigolferinnen gewechselt. Zwar fehlt der 20-jährigen Varelerin in ihrer Erfolgsbilanz bisher noch ein Turniersieg auf der Ladies European Tour (LET). Dennoch ist ihr bisheriges Abschneiden absolut bemerkenswert. So belegt die Nationalspielerin vom Hamburger GC Falkenstein dank zehn Top-Ten-Platzierungen in der Gesamtwertung (Order of Merit) der LET mit 584.66 Punkten Platz zwei. Noch besser ist nur der Norwegerin Marianne Skarpnord (661.56). Dritte ist die Österreicherin Christine Wolf (489.40). Henseleits ärgste Konkurrentinnen haben ein bzw. zwei Turniere mehr gespielt.
Voll des Lobes ist Marcus Neumann, Vorstand Sport des Deutschen Golf Verbandes (DGV), über die Varelerin: „Es ist schlicht sensationell und bewundernswert, was Esther Henseleit in ihrem ersten Jahr als Profi erreicht hat. Nachdem sie die Ladies European Tour in ihrem Rookie-Jahr im Sturm genommen hat, ist der aktuellen Nummer zwei Europas der nächste Coup gelungen. Mit der errungenen Karte für die LPGA-Tour steht ihr der Weg in die absolute Weltelite offen! Ich bin mehr als zuversichtlich, dass Esther auch in der amerikanisch-koreanisch dominierten Konkurrenz bestehen wird.“
Dass ihr erstes Profijahr dabei gleich derart reibungslos läuft, ist auch für die Varelerin selbst etwas überraschend: „Es ist aber auch die Bestätigung guter Zusammenarbeit mit meinem Team, das hochmotiviert ist und sehr viel Zeit investiert. Außerdem gefallen mir das Tourleben und mein Alltag sehr, was zum Wohlbefinden auf Reisen beiträgt.“
Ihre Vorfreude auf die nordamerikanische Profitour ist schon jetzt sehr groß. „Die Hauptmotivation ist, sich mit den besten Spielerinnen der Welt messen zu können“, erläutert Henseleit. „Auf der LPGA-Tour sind Top-Platzierungen deutlich höher einzuordnen als auf jeder anderen Tour der Welt, da dort auf höchstem Niveau gespielt wird. Hinzu kommt, dass gute Ergebnisse deutlich mehr Ranglistenpunkte einbringen“, ergänzt die Nationalspielerin, die in der aktuellen Weltrangliste als drittbeste Deutsche Platz 157 einnimmt.
Auf der LPGA–Tour wird sie im kommenden Jahr neben Caroline Masson (Gladbeck) und Sandra Gal (Düsseldorf) die einzige Deutsche im elitären Teilnehmerfeld sein. Da Henseleit noch nicht im Besitz einer vollen Spielberechtigung für die US-Tour ist, wird sie 2020 parallel auch wieder auf der europäischen Tour zum Golfschläger greifen.
Regeneration in Heimat
Der LET gilt in den kommenden anderthalb Wochen nun natürlich ohnehin die volle Konzentration. Sorgen, dass es nach dem Lösen der LPGA-Tourkarte schwierig werden könnte, die Spannung und Konzentration noch einmal hochzufahren, macht sich Henseleit nicht. „Ich hatte zwei Wochen Regenerationszeit in der Heimat und konnte mich dort sehr gut auf das Saisonfinale vorbereiten“, betont sie: „Die Motivation könnte nicht größer sein, das Jahr mit guten Ergebnissen abzuschließen.“
Den Titel „LET-Rookie des Jahres“ hat die Varelerin ohnehin schon sicher. Nun könnte der Proette auch noch das Kunststück gelingen, die Gesamtwertung zu gewinnen. „Das wäre natürlich großartig“, sagt Henseleit und fügt hinzu: „Sollte ich in Spanien und Kenia gute Leistungen abrufen und es nicht klappen, werde ich aber auf keinen Fall enttäuscht sein.“
