Varel - Sie leuchtet schon von Weitem und gibt beim Näherkommen einen frischen Duft von sich: die Rose „Kardinal Lehmann“. Sie ist der Star im Garten von Reinhard Richter in Obenstrohe, hat sie es doch in den Handel geschafft. Und das heißt schon was, schließlich gehört sie zu den heimischen Rosen, die in Vergessenheit geraten sind, seit es prall gefüllte Rosen in ausgefallenen Farben gibt. Reinhard Richter hat sich bewusst für die Zucht von heimischen Rosen entschieden und holt sie aus der Versenkung. Er ist fast der einzige heutige Rosenzüchter, der ganz im Sinne des ökologischen Gartenbaus mit heimischen Wildrosen und Alten Rosen züchtet. Und das aus einem guten Grund: „Sie sind insektenfreundlicher als die heutigen Gartenrosen“, sagt Reinhard Richter.

Hilfe für Insekten

Seinen 450 Quadratmeter großen Garten hat Reinhard Richter auch der NWZ-Aktion „Insektenjahr“ gemeldet. 808 780 Quadratmeter insektenfreundliche Flächen im Oldenburger Land wurden dort bereits gemeldet.

Helfen auch Sie beim Insektenschutz und gestalten Sie in Ihrem Garten oder auf Ihrem Balkon, auf Ihrem Firmengrundstück oder Schulgelände eine insektenfreundliche Fläche. Sie können uns Ihre Flächen melden per Online-Formular auf unserer Projektseite oder per Mail anInsektenjahr@nwzmedien.de Wir sammeln und veröffentlichen alle Meldungen anonymisiert auf unserer interaktiven Online-Karte.

120 Rosen blühen in seinem 450 Quadratmeter großen Garten in Obenstrohe um die Wette, 30 davon hat er selbst gezüchtet. Seine Liebe zu Rosen wurde bei einem Urlaub auf Fehmarn geweckt, als er an einer Wallhecke vorbeikam, auf der eine Hundsrose und eine Weinrose ihren Duft verströmten. Zuhause kaufte sich Reinhard Richter ein Rosenbuch und die Leidenschaft für die Rosenzucht begann.

2004 hat er mit den ersten Züchtungsversuchen begonnen und sich fortan intensiv in die Rosenzucht gestürzt. „Wenn ich mich für etwas begeistere, dann mache ich das richtig“, sagt der ehemalige Chemie-Ingenieur. Nach ersten Kreuzungsversuchen mit Gartenrosen widmet er sich seit einigen Jahren der Züchtung von heimischen Rosen und gehört damit zu den Exoten unter den Rosenzüchtern.

Vor etwa 150 Jahren brach die Züchtung mit heimischen europäischen Rosenarten jäh ab, weil die dauerblühenden ostasiatischen Arten eingeführt wurden, die seitdem vollständig das Rosensortiment bestimmen, seien es Teerosen, Beetrosen, Kletterrosen, Englische Rosen oder sonstige Neuzüchtungen. Sie brachten neue Farben wie Gelb auf den europäischen Rosenmarkt.

„Diesen Gartenrosen fehlt naturgemäß die Anpassung an regionale Gegebenheiten, zu denen auch Parasiten gehören“, sagt Reinhard Richter, der ökologische Nutzen der vorwiegend im Handel angebotenen Rosen gegenüber der heimischen Tierwelt gehe gegen Null: „Rosen mit stark gefüllten Blüten spenden weder Pollen noch Nektar, geschweige denn Früchte.“ Der Obenstroher ist als privater Züchter neu den alten Weg gegangen und kreuzt heimische Wildrosen.

„In den Zeiten der Zerstörung der Artenvielfalt sollten wir uns von den exotischen Pflanzen, die der heimischen Pflanzen- und Tierwelt eher Schaden zufügen und somit unsere Umwelt ernstlich gefährdet, lösen“, sagt Reinhard Richter.

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Das braucht Geduld, bei einheimischen Rosen kann es drei bis fünf Jahre dauern, bis sich die erste Blüte zeigt. „Die Mühe lohnt sich, einheimische Rosen fühlen sich hier wohl und zeigen das auch ohne enormen Pflegeaufwand mit wunderschönen und teilweise höchst ungewöhnlichen Blüten und gesundem Wuchs“, sagt Reinhard Richter.

Seine Rosen können nicht mit Dauerblühen aufwarten wie die modernen Rosen, aber dafür mit strotzender Gesundheit und Frosthärte sowie dem echten Rosenduft, den man sonst nur noch aus alten Gärten kennt.

Seine Erstlingsrose „Kardinal Lehmann“ hat ihren Namen zu Ehren des ehemaligen Mainzer Kardinals Karl Lehmann erhalten. Die leicht gefüllten Blüten dieser Kletterrose sind von einem Purpur wie die Kardinalsrobe. Die Rose, eine Kreuzung aus der sehr alten Essigrosensorte (Rosa gallica) „Violacée“ und der Kletterrose „Ayrshire Splendens“ hat es sogar in die „Hall of fame“ der Rosenzüchter geschafft, ins Rosarium Sangershausen, wo nur besondere Rosen gezeigt werden. Und beliebt bei Insekten ist sie auch noch.

„Die heimische Insektenwelt ist auf unsere heimischen Pflanzen programmiert“, sagt Reinhard Richter, deshalb achtet er auch bei den anderen Pflanzen in seinem Garten darauf, dass sie bei uns heimisch sind. So mussten die Funkien weichen, und bei den Hortensien drückt er ein Auge zu, weil seine Frau sie gerne mag. Auch Brennnesseln dürfen in seinem Garten kontrolliert wachsen, bieten sie doch eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten.

Hilfe für Insekten

Seinen 450 Quadratmeter großen Garten hat Reinhard Richter auch der NWZ-Aktion „Insektenjahr“ gemeldet. 808 780 Quadratmeter insektenfreundliche Flächen im Oldenburger Land wurden dort bereits gemeldet.

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Rasen gibt es bei ihm nicht. „Der Rasen nimmt zwar bei der Photosynthese Kohlendioxid auf, aber die Rasenmäher, die Düngerproduktion, der Einsatz der Laubsauger und Laubbläser und anderer Aufwand setzen viermal mehr Treibhausgase frei, als die Rasenflächen speichern“, sagt Reinhard Richter.

Er appelliert an Gartenbesitzer, etwas tun, um bedrohten heimischen Pflanzen und Tieren Lebensräume zurückzugeben. Das sei sehr einfach zu erreichen: Verzicht auf Rasen, Wildstrauchhecke, Teich und Wildkräuterecke anlegen, Nistkästen und Insektenhotels anbringen sowie heimische Pflanzen verwenden.

Reinhard Richter freut sich, mit seiner Rosenzucht etwas für die Insekten zu tun, hat darüber hinaus aber noch ein großes Ziel: aus heimischen Rosen eine gelbe Kletterrose zu züchten. „Wenn ich das hinbekomme und die Rose dann auch noch öfterblühend ist, dann habe ich es geschafft.“

Traute Börjes-Meinardus
Traute Börjes-Meinardus Redaktion Varel