Varel - Der Winter 1978/79 ging als Schneekatastrophe in die norddeutsche Geschichte ein. Mitte Februar 1979 stand das öffentliche Leben tagelang still – auch in Varel und der Friesischen Wehde.
Ab dem 12. Februar sorgten dichtes Schneetreiben und kräftiger Wind für meterhohe Schneeverwehungen: Die Schneehöhen vom Jahreswechsel wurden locker übertroffen, Bauernhöfe waren von der Außenwelt abgeschnitten. Hunderte Helfer waren unterwegs, um wichtige Verkehrswege freizuräumen, Patienten ins Krankenhaus zu transportieren, Menschen aus ihren festgefahrenen Fahrzeugen zu befreien.
Das öffentliche Leben kam zum Erliegen, private Autofahrten waren verboten, die Schule fiel aus. Trotzdem machten sich einige pflichtbewusste Schüler durch die Schneewehen auf den Weg zur Schule. Einer von ihnen war Lutz Neugebauer aus Varel. Er erinnert sich noch ganz genau an den Februar 1979. Er war damals 14 Jahre alt und wohnte am Büppeler Weg in Varel. „Der Winter 78/79 hat über die Zeit viel Schnee gebracht, hin und wieder fiel die Schule aus“, erinnert er sich.
Meterhohe Schneewehen und vereiste Straßen: Der Winter 1978/1979 ging als Schneekatastrophe in die norddeutsche Geschichte ein. Vor allem Mitte Februar 1979 stand das öffentliche Leben tagelang still – auch in Varel und der Friesischen Wehde. Erinnern Sie sich an diesen Winter? Haben Sie noch Bilder? Der „Gemeinnützige“ sucht Ihre ganz persönliche Geschichte. Melden Sie sich unter der Telefonnummer 04451/99882500 oder per E-Mail an red.varel@nwzmedien.de.
40 Jahre nach der Schneekatastrophe in unserer Region blickt die Nordwest-Zeitung in einem „historischen Liveticker“ per Whatsapp zurück: Die Teilnehmer erhalten täglich spannende Nachrichten aus der Vergangenheit direkt auf ihr Smartphone.
Eines Nachts im Februar habe der Winter dann noch einmal so richtig zugeschlagen. „Es hat bis 50 Zentimeter Neuschnee gegeben und es schneite immer noch“, berichtet Lutz Neugebauer. Mit seiner Mutter saß er morgens vor dem Radio und hörte die Nachrichten. „Insbesondere ich wartete auf die endlich erlösende Nachricht, dass im Landkreis Friesland der Unterricht ausfällt.“ Diese Nachricht kam jedoch nicht, sondern die Information, dass im gesamten Regierungsbezirk Weser-Ems kein Unterricht stattfinden wird.
„Da der Radio-Sprecher ja nun nicht explizit auf den Landkreis Friesland hinwies, machte ich mich im Schneegestöber auf den Weg“, erinnert er sich, „auf die Idee, dass der Landkreis Friesland ja zum Regierungsbezirk Weser-Ems gehörte, kamen wir nicht“. Also fuhr er mit dem Fahrrad mehr schlecht als recht den Tweehörnweg hoch, um zur Realschule Arngaster Straße zu kommen.
„Auf halbem Weg war mit dem Fahrrad nicht mehr weiterzukommen, also schob ich den Drahtesel. Zu meinem Glück kam mir dann zu Fuß Sigi Anlauf, der legendäre Schulsekretär des Schulzentrums entgegen“, erinnert sich der damals 14-Jährige: „Herr Anlauf sprach mich völlig entgeistert an und fragte mich, wo ich denn wohl bei diesem fürchterlichen Wetter hinwollte und ob ich kein Zuhause hätte. ,Na, zur Schule’ erklärte ich ihm, worauf er mit der Frage entgegnete, ob das Radio bei uns ausgefallen ist. Kurzum hat er mich dann wieder nach Hause geschickt.“ Die Schulen blieben für eine Woche geschlossen.
Auch im Gemeinnützigen war der Schnee ab Anfang Februar 1979 das bestimmende Thema. „Wohin mit dem Schnee in der Innenstadt“ hieß es am 6. Februar vor 40 Jahren im Gemeinnützigen. Da die Geschäftsleute ihrer Räumpflicht nicht nachkamen, wurde sogar über eine Satzungsänderung nachgedacht. Richtig dramatisch wurde es Mitte Februar. „Katastropheneinsatzstab rund um die Uhr im Dienst – Viele Hamsterkäufe“ hieß es am 17. Februar im Gemeinnützigen.
„Das Schlimmste ist überstanden“, schrieb der Gemeinnützige am 19. Februar und berichtete von Schneeräum-Aktionen: „In Varels Fußgängerzone erledigte die Bundeswehr das, was sich Anlieger und Kunden seit Wochen von der Stadt gewünscht hatten: Sie befreite die Innenstadt von Eis und Schnee.“
