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SCHNEEKATASTROPHE 1978/79 1700 Kaninchen in der Weser-Ems-Halle – und keiner kann sie sehen

WERNER FADEMRECHT

Wardenburg - Eine Rassekaninchenschau ohne Zuschauer, das gab es nur einmal. Der Oberlether Friedrich von Essen erinnert sich: „1979 war alles für die 31. Landesverbandsschau vorbereitet. Alle Züchter, darunter auch sieben aus Wardenburg, hatten ihre Tiere am Mittwoch in der Oldenburger Weser-Ems-Halle abgeliefert, doch am Wochenende verhängten die Behörden ein generelles Fahrverbot, nachdem meterhohe Schneeverwehungen die Straßen bedeckten.“ 1700 Rassekaninchen standen in ihren Käfigen in der Weser-Ems-Halle und keiner der Züchter, geschweige denn Zuschauer, konnten sie besuchen. Nur die Oldenburger Züchter als Veranstalter hatten die Chance, zu Fuß zum Ausstellungsgelände zu kommen. „Die Tiere wurden gut versorgt und konnten verspätet unbeschadet abgeholt werden“, bestätigt von Essen.

Keine Zuschauer, keine Einnahmen: Für die Ausrichter blieben 1979 außer den Mietkosten für die Halle nichts übrig. Die besten Züchter konnten sich immerhin mit den unter Ausschluss der Öffentlichkeit vergebenen Preisen und Pokalen trösten, da die Preisrichter wie immer bereits Tage vor der Schau ihre Arbeit abgeschlossen hatten.

Ein Fest für Fotografen

Friedrich von Essen, der seit vielen Jahren die Entwicklung in der Gemeinde Wardenburg mit seiner Kamera festhielt, nutzte die Gelegenheit, für einige ungewöhnliche Schnappschüsse in Oberlethe und Umgebung. In Wardenburg packte Wilhelm Kuhn seine „Kosima“, eine Super-8-Filmkamera unter die wärmende Jacke und hielt den ungewöhnlich starken Wintereinbruch in bewegten Bildern fest.

„Zwischen der Litteler Straße und der Alten Molkerei rollten die Trecker mit ihren Anhängern voller Milch ganz langsam durch den Ort“, beschreibt er die Szenerie. Der Kindergarten am Lerchenweg sei unter einer hohen Schneewelle fast völlig verschwunden gewesen, erinnert er sich. Bis zur Everkampschule schlug sich Kuhn zu Fuß durch, die Kamera ließ ihn nicht im Stich. Seine Aufnahmen hat er mittlerweile auf VHS-Band und dann weiter auf DVD gesichert und damit ins digitale Zeitalter herübergerettet.

Vergleichbarer Winter 1955/56

Die Wardenburgerin Gerda Wendler erinnert sich noch gut daran, dass der Winter 1955/56 vergleichbar hart gewesen ist. Damals wohnte sie mit ihrem 1993 verstorbenen Mann Günter Wendler in Westerburg am Landwehrgraben, wo die Familie einen kleinen Nebenerwerbsbetrieb mit dreieinhalb Hektar und zwei Kühen führte. „Mein Sohn Werner und die anderen Kinder hatten in den Schneedünen natürlich viel Spaß. Wir Erwachsenen hatten manchmal Angst, dass bald gar nichts mehr lief.“ Das Einkaufen wurde zum Problem und Arztbesuche mussten aufgeschoben werden. „Wir haben geschippt und gebuddelt, bis der Sommerweg erreicht war. Dann machte sich mein Mann mit dem Mofa auf die Fahrt zur Arbeit“, erzählt die Wardenburgerin.

Obwohl die Wendlers in eine Fünf–Meter-Schneewehe eine Durchfahrt geschlagen hatten, verzichtete der Postbote darauf, durchzufahren, und lieferte Briefe und Zeitungen lieber zu Fuß ab. „Alles in allem war es eine aufregende Zeit, aber Spaß hatten wir auch“, erinnert sich Wendler.

Mehr Artikel zum Jahrhundertwinter im Nordwesten 1978/79 finden Sie unter www.NWZonline.de/schneekatastrophe.

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