Wehnen - Als deutliche Verbesserung im Angebot des öffentlichen Nahverkehrs haben Gemeinden, Landkreis und die Oldenburger VWG den neuen dichteren Takt der Linie 350 seit dem 15. Dezember 2019 gepriesen. Alle 30 Minuten verkehren die Busse zwischen Oldenburg und Bad Zwischenahn.
Viele Einwohner der Tannenkamp-Siedlung fühlen sich allerdings von diesen Bussen abgehängt. Denn die geschützte und gut erreichbare Haltestelle an der Ahornstraße wird nur noch morgens von der Linie 310 angefahren – damit soll der Schülerverkehr sichergestellt werden.
Für alle anderen Fahrten bleiben seit Dezember nur noch die Haltestellen Woldweg und Ahornstraße. Wer die erreichen will, um in Richtung Oldenburg zu fahren, muss zuvor die Tannenkampstraße überqueren. Schon seit mehreren Jahren beklagen Anwohner der anliegenden Siedlung, dass eine Überquerung dieser dicht befahrenen Kreisstraße gefährlich ist – nicht nur für Kinder. Auch viele ältere Anwohner haben Probleme damit.
Eine Stichprobe der NWZ am Mittwochvormittag zeigt, warum dass so ist. Im Verlauf einer halben Stunde blieben zwischen zwei Autos auf der Straße selten mehr als sechs Sekunden für die Überquerung der Fahrbahn. In Hauptverkehrszeiten und bei Sperrungen auf der parallel verlaufenden A 28 ist der Verkehr, der hier 70 bis 80 Stundenkilometer fahren darf, noch erheblich dichter.
Ein schärferes Tempolimit auf der Kreisstraße hatte der Landkreis zuletzt 2016 abgelehnt – weder das Unfallgeschehen noch die Verkehrsmessungen hätten einen solchen Schritt erlaubt, so Ingrid Meiners, Leiterin des Straßenverkehrsamtes beim Landkreis.
Jetzt startet der Ortsverband Ofen des Sozialverbandes SoVD einen neuen Versuch. In einem Antrag an den Landkreis verweist der Vorsitzende Rainer Cordes zum einen auf die Gefahr für Fußgänger beim Überqueren der Tannenkampstraße, zum anderen auf die Gefahr für Autofahrer, die von ihren Grundstücken an der Straße nach links in Richtung Oldenburg abbiegen wollen. „Die Siedlung ist eine alte Siedlung, hier wohnen Generationen“, so Cordes. „Für die hohe Zahl älterer Menschen, die auf Gehhilfen angewiesen ist, ist die Überquerung der Kreisstraße ein Wagnis.“
Der SoVD fordert, der Kreis solle über mehrere Tage den Verkehr an der Kreisstraße in Höhe der Akazienstraße und in der Ortsdurchfahrt Ofen zählen. Zudem sollte die Zahl der Fahrgäste, die an den Haltestellen Ahornstraße und Woldweg in die Linie 350 steigen, erhoben werden.
Als Lösungsansätze schlägt der SoVD Tempo 60 auf der Tannenkampstraße und eine Bedarfsampel bei der Einmündung der Akazienstraße in die Tannenkampstraße vor. Hier, so hätten es Anwohner der Siedlung mitgeteilt, würden die meisten Menschen die Straße überqueren.
Der Antrag des SoVD sei nicht der einzige zu diesem Thema, sagte Ingrid Meiners am Mittwoch auf Nachfrage der NWZ. Ähnliche Anträge gebe es auch von mehreren Privatpersonen. Der Landkreis habe vor dem Hintergrund der neuen Situation bereits Gespräche mit der Gemeinde Bad Zwischenahn geführt. Verkehrszählungen, die Erhebung der Querungs- und Unfallzahlen seien bereits in Auftrag gegeben, so Meiners. Jetzt müssten die Ergebnisse abgewartet werden – handeln könne der Kreis aber nur auf Basis der Straßenverkehrsordnung.
