Westerstede/Ammerland - Lange ist über die Masern-Impfpflicht gestritten worden, nun wurde sie vom Bundestag beschlossen und soll ab dem Frühjahr 2020 greifen. Soweit, so gut – doch wie sieht es in Sachen Masern-Schutz im Ammerland aus?
Stand bei den Erstklässlern
Zumindest mit Blick auf die Daten zu den Einschulungsuntersuchungen für dieses Jahr ganz gut. „Von den Kindern, die den Impfpass vorgelegt haben, sind 94,1 Prozent vollständig gegen Masern geimpft“, teilte die Leiterin des Jugendärztlichen Dienstes im Gesundheitsamt Ammerland, Dr. Christine Bolte, mit. Die stabilen Impfzahlen im Landkreis hätten sich auch im Jahr 2018 gezeigt: „Hier lag die Impfrate bezüglich Masern dank der engagierten Kinder- und Hausärzte bei 93,9 Prozent“, so die Kinderärztin weiter.
Sprich: Die vom Bundesgesundheitsministerium gesetzte Impfquote von mindestens 95 Prozent, um einen sicheren, sogenannten Herdenschutz zu schaffen, ist fast erreicht.
Stand bei den Siebtklässlern
Und wie sieht es bei älteren Schülern aus? Im Ammerland wird seit Jahren vom Gesundheitsamt angeboten, auch die Impfpässe der Siebtklässler zu kontrollieren – so auch im Schuljahr 2018/2019. Hier zeigte sich mit 94,3 Prozent eine ähnliche Masern-Durchimpfungsquote wie bei den Erstklässlern.
Ausbrüche
Laut Robert-Koch-Institut gab es allein 2019 in Deutschland bereits über 500 Masern-Fälle. Im Ammerland bei nichtgeimpften Personen zuletzt 2015, und zwar bei Erwachsenen: Damals traten gleich mehrere Masern-Erkrankungen in Berlin auf. Zu genau dieser Zeit war auch ein Mann aus Edewecht vor Ort. Als er wieder zurückkehrte, brach kurz darauf eine Masern-Erkrankung bei ihm aus. Und: In der Zwischenzeit hatte er gleich fünf weitere Männer im Alter von 19 bis 34 Jahren angesteckt.
Infektionsweg
Masern werden durch Viren verursacht, die weltweit verbreitet sind. Übertragen werden Masern von Mensch zu Mensch als Tröpfcheninfektion, so etwa beim Niesen oder Sprechen. „In der Regel erkranken alle Personen, die Kontakt zu einem Erkrankten hatten, sofern sie nicht geimpft beziehungsweise durch eine durchgemachte Masernerkrankung geschützt sind“, so Dr. Christine Bolte.
Potenziell tödlich
Doch Masernerkrankungen sind nicht nur extrem ansteckend, so Bolte, sie sind potenziell tödlich, neben der akuten Erkrankung kann es zur gefürchteten SSPE (subakute sklerosierende Panenzephalitis) kommen. Dies ist eine teilweise erst nach Jahren auftretende Gehirnentzündung, bei der es keine Behandlung gibt. Alle betroffenen Patienten sterben daran. Um insbesondere Säuglinge und abwehrgeschwächte Menschen vor dieser Krankheit, für die es keine ursächliche Behandlung gibt, zu schützen, sei die beschlossene Nachweispflicht über die durchgeführte Impfung aus Sicht des Gesundheitsamts sinnvoll.
Impf-Gegner sehen das übrigens etwas anders, sie befürchten schwere Erkrankungen durch die Impfung.
Verwaltung entspannt
Und wie sehen die Kommunen die Impf-Pflicht? In Westerstede zumindest ist die Lage entspannt. Man werde natürlich die Impf-Pässe der künftigen Kita-Kinder kontrollieren und Aufklärungsarbeit leisten, auch bei Mitarbeitern, die in einigen Jahren ebenfalls von der Impf-Pflicht betroffen sein werden. Angesichts der Impf-Quote erwarte man jedoch keine großen Probleme.
