Westerstede - Für das Gymnasium ist es ein wegweisendes Projekt, denn es bringt 14 Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse im Rahmen von Praktika als Stipendiaten mit der Wissenschaft in Kontakt – und das in höchst renommierten Instituten und Institutionen. Das Ziel: Insgesamt zehn Veranstaltungen in der Schulaula.
Einfaches Prinzip
Das Prinzip ist denkbar einfach, dürfte den Teilnehmenden Elftklässlern aber wertvolle Erfahrungen für ihre berufliche Zukunft bringen. Denn einerseits sollen sie selbst vor Publikum über ihre gemachten Erfahrungen, etwa in Berlin, Florenz oder Brüssel, referieren. Das Podium aber teilen sie sich mit wissenschaftlichen Forschern, die beispielsweise Forschungsergebnisse präsentieren können.
Dabei geht es keineswegs nur um die Naturwissenschaften: „Wir als Organisatoren verfügen über ein großes Netzwerk in den Bereichen Natur-, Gesellschafts- und Kulturwissenschaften“, erklärt Michael Timpe, Schulfachlicher Koordinator.
Mit seinem Kollegen Dr. Daniel Osewold hatte er das Projekt aus der Taufe gehoben, nachdem in Niedersachsen im September 2018 ein neuer Berufsorientierungserlass in Kraft getreten war. „Schülerinnen und Schülern, die studieren wollen, sollen eine fundierte Orientierung bekommen“, so Osewold. Berufsorientierungsunterricht bereitet den wissenschaftlichen Nachwuchs zusätzlich darauf vor. Im Fokus stehen die individuellen Interessen und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler.
Erfahrungen im Blog
So wie Simon Thyen: Er sitzt in seiner Freizeit im Jugendbeirat der Stadt Westerstede und absolviert bald ein Praktikum im Bundestag – bei Stephan Albani, CDU-Abgeordneter des Ammerlandkreises. „Ich finde, das sind Parallelen, die passen“, sagt der 17-Jährige. Wie er haben sich auch die anderen Jugendlichen eigenständig um Forschungspraktika bemüht. Mit Motivationsschreiben, Lebenslauf, Vorabgesprächen – wie im echten Leben auch.
Jannick Wolff hat sich für die Frankfurter Allgemeine Zeitung entschieden. „Ich war neun Monate in Australien und habe festgestellt, dass auch anderswo auf der Welt eine Menge passiert“, beschreibt er seine Beweggründe. „Deshalb interessiere ich mich sehr für Journalismus.“
Florenz, Brüssel, Potsdam
Das Kunsthistorische Institut in Florenz, das Leibniz-Institut in Potsdam, das EU-Parlament in Brüssel, die Universität in Göttingen – es sind spannende und inspirierende Umgebungen, in denen die jungen Gymnasiasten tätig sein werden. Ihre Erfahrungen werden sie in einem Blog mit der Öffentlichkeit teilen. Die Kosten für Reise und Unterbringung, wenn diese nicht über private Kontakte möglich ist, tragen zum Großteil die EWE-Stiftung und der Förderkreis des Gymnasiums.
Um die Referentinnen und Referenten für die Wissenschaftstage bemühen sich Timpe und Osewold. Wenn am 4. Februar um 19 Uhr der Startschuss zu der Veranstaltungsreihe fällt, werden neben Prof. Dr. Matthias Dobbelstein, Professor für Molekularonkologie an der Uni Göttingen, auch Mette (16) und Aaron (17) auf dem Podest stehen und über das Erlebte referieren. Mette wird sich dann mit einem komplexen Thema beschäftigt haben: „Es geht um das Ziel, die Chemotherapie bei Krebskrankheiten zu verbessern“, erklärt die Schülerin.
Start am 4. Februar
Ein großer Moment, auf den sich die Nachwuchswissenschaftler so gut es geht vorbereiten. Denn neben Fachpublikum ist auch die Öffentlichkeit eingeladen. Gut 400 Menschen finden in der Aula Platz – ein ziemliches Auditorium für einen jungen Menschen. Der Einlass soll durch die Vergabe von kostenlosen Einlasskarten realisiert werden, die im Sekretariat der Schule ausgegeben werden. Wann das geschehen soll, steht noch nicht fest. „Es ist so viel Organisatorisches zu klären“, so Michael Timpe.
In den kommenden Monaten sollen dann alle 14 Schülerinnen und Schüler ihren großen Auftritt bekommen und vorher viel gelernt haben. „Wir sind schon ganz gespannt, welche Erfahrungen sie mitbringen“, so Timpe weiter. Für die Zukunft der Wissenschaftstage hat er schon eine Vision: „Zwar betreten wir hier absolutes Neuland, aber wir versuchen, die Veranstaltung zu etablieren.“
