Wildeshausen - Der Zivilcouragepreis 2019 der Stadt Wildeshausen ist am Montag an die Nachbarschaft der Kornblumenstraße in der Kreisstadt und zwei Mitarbeiter der Oldenburgischen Landesbank (OLB) in Ahlhorn verliehen worden.
In dem einen Fall ging es um den Brand eines Doppelhauses, das nach dem Feuer unbewohnbar war und bei dem sich die Nachbarn während und nach dem Brand um die betroffenen Familien Meyer und Rauer kümmerten. Stellvertretend für die Nachbarschaft nahmen Daniel Kampe, Rene Ledoux und Sefian Suleiman den Preis für Zivilcourage entgegen. Vergeben wird er vom Präventionsrat der Stadt Wildeshausen. Überreicht wurde der Preis mit Urkunde und Präsent im Stadthaus von Bürgermeister Jens Kuraschinski und Polizeichefin Gerke Stüven.
Aufmerksame Banker
In dem anderen Fall verhinderten die Bankangestellten Herbert Ahrens (Großenkneten) und Sabine Stellmann (Wildeshausen), dass ein Ehepaar im Alter von 86 und 87 Jahren Opfer des sogenannten Enkeltricks wurde und 50.000 Euro verlor. Den Zivilcouragepreis übergaben Großenknetens Bürgermeister Thorsten Schmidtke und Martin Klinger, der Leiter des Arbeitskreises Verkehr, Sicherheit und Zivilcourage im Präventionsrat der Stadt.
Nach den Worten von Bürgermeister Kuraschinski soll der Preis Mut machen, couragiert durchs Leben zu gehen. Sein Amtskollege Schmidtke beschrieb seinen Eindruck, dass wir in einer Gesellschaft lebten, in der nicht mehr so genau hingeschaut werde. Es gebe zu viele Menschen, die sich wegduckten und schwiegen. Die Preisträger hätten das Gegenteil getan. Nach Ansicht von Polizeichefin Stüven kommt Zivilcourage aus dem Herzen, im Moment das Richtige zu tun. „Jeder kann etwas tun“, sagte sie.
Ahrens und Stellmann waren hellhörig geworden, als die Rentner die hohe Summe von ihrem Sparbuch abheben wollten. Die Bankmitarbeiter hielten die Eheleute hin und erklärten, dass bei dieser Summe ein Termin gemacht werden und der Neffe zugegen sein müsse. Derweil informierten die Bankangestellten die Polizei. Mit ihrer Hilfe konnte die Auszahlung verhindert werden.
Falscher Neffe
Der „falsche Neffe“ hatte sich per Telefon das Vertrauen der Senioren erschlichen und behauptet, dass sein Auto durch einen unverschuldeten Verkehrsunfall einen wirtschaftlichen Totalschaden davongetragen habe und er dringend 50 000 Euro benötige. Das tatbetroffene Ehepaar zeigte sich froh, dass ihm geholfen wurde, wollte bei der Übergabe des Zivilcouragepreises aber nicht zugegen sein. Leider konnte der Täter nicht gefasst werden, berichtete Polizist Martin Klinger.
Für die Feuerwehr war der Brand des Doppelhauses in der Nacht des 4. Juni 2019 in der Kornblumenstraße ein Großeinsatz. Der Hund eines Nachbarn hatte das Feuer bemerkt und Alarm geschlagen. Der Brand war aufgrund eines technischen Defektes in einem Carport ausgebrochen. Die Nachbarn riefen die Feuerwehr, weckten die betroffenen, schlafenden Nachbarn, halfen bei der Evakuierung, der Sicherung von Hab und Gut, fuhren ein Auto aus einem Carport, begannen mit Gartenschläuchen, das Feuer zu bekämpfen, stellten später Schlafräume zum Übernachten und Lager für gerettetes Inventar bereit, starteten einen Spendenaufruf in den sozialen Medien bezüglich Kleidung sowie Spielzeug und boten sich als Gesprächspartner nach dem Brand an, um das Erlebte zu verarbeiten.
Torben Rauer dankte anlässlich der Preisverleihung im Namen seiner Familie und der Familie Meyer „für die unbeschreibliche Hilfe der Nachbarn“.
