Wildeshausen - „In meiner Familie spielt schon die dritte Generation beim Wildeshauser Spielmannszug“, freut sich Tambourmajor Jens Hoffmann. Der 45-Jährige kennt sich aus, wenn es um den traditionsreichen Verein geht.
Nach dem Krieg habe es an Musikern gefehlt. Und so hätten sich die ersten sechs Spielleute 1950 das erste Mal wieder an die Öffentlichkeit gewagt, sagt Hoffmann. Heute besteht der Spielmannszug aus 45 Spielern im Alter von 14 bis 70 Jahren. 1. Vorsitzender des Vereins ist Bürgermeister Jens Kuraschinski.
Zu den Instrumenten des Zuges gehören unter anderem Querflöte, Paradetrommel, Becken und Lyra – ein antikes Saiteninstrument. Bei besonderen Anlässen hat der Spielmannszug außerdem seinen Schellenbaum dabei, der seit mehr als 40 Jahren in seinem Besitz ist. Der Schellenbaum ist nicht etwa ein Instrument, sondern eine Art Siegestrophäe, die vorneweg getragen wird.
„Im Gegensatz zu unserer Untergruppierung, der Beat & Brass Band, sind wir ein klassischer Spielmannszug. Deshalb ist es für uns eher schwierig, aktuelle Stücke in unserer Tonart zu bekommen“, sagt Hoffmann. Daher konzentrieren sich die Musiker vor allem auf traditionelle Märsche.
Jedes Jahr an Pfingsten wird es ernst. Der Spielmannszug begleitet die Gilde-Umzüge und gestaltet das Fest musikalisch. Die mit Abstand wichtigste Aufgabe des Vereins ist allerdings der Große Zapfenstreich am Pfingstsonntag. „Dabei wechseln wir uns mit dem Musikkorps Wittekind ab“, erklärt Hoffmann. Denn während das Korps die Serenade spielt, ist der Spielmannszug für das musikalische Anlocken zuständig. Damit an Pfingsten alles gut geht, übt der Spielmannszug auch das Marschieren. Als Tambourmajor gibt Jens Hoffmann nicht nur den Takt, sondern auch die Kommandos an.
Dabei tragen die Musiker ihre Gilde-Uniform in Oldenburger Farben. Und die unterscheidet sich stark von ihrer regulären taubenblauen, militärisch angehauchten Uniform, wie der Tambourmajor erklärt. So besteht die Landsknecht-Uniform der Gilde aus einem blau-roten Barrett, einem weißen Kragen und weißen Manschetten, einer blauen Jacke mit roten und gelben Streifen, einer Koppel, einer roten Kniebundhose und dunklen Strümpfen.
Als Tambourmajor unterscheidet sich der 45-Jährige in einigen Punkten äußerlich von seiner Truppe. Statt einem Barrett trägt er einen grauen Hut. Auch einen Degen und seinen Taktstock hat er bei sich und trägt weiße Handschuhe. „Es gibt noch weitere Unterschiede. Meine Jacke hat Querstreifen und die Ärmel sind etwas anders. Aber die Farben sind immer die gleichen“, erklärt der Tambourmajor.
