Wildeshausen - In Duxford, England, steigen unzählige Männer in Flugzeuge. Sie fliegen an London vorbei, über den Ärmelkanal nach Frankreich. In Sannerville, Normandie, tritt einer nach dem anderen an die offene Tür der Flugzeuge und springt heraus. Nur wenige Sekunden später öffnet sich ihr Fallschirm. Es ist der 6. Juni 1944, D-Day.
300 Teilnehmer
Was die Männer damals geleistet haben, um Frankreich von den Nationalsozialisten zu befreien, soll an diesem Mittwoch, 5. Juni, mit 30 Flugzeugen wiederholt werden. Unter den 300 Teilnehmenden ist der Wildeshauser Michael Thomalla. Organisiert wird die Veranstaltung vom Round Canopy Parachuting Team aus Amerika (RCPT), eine Art Verein, wie Thomalla erklärt. „Das RCPT macht die gesamte luftfahrtrechtliche Sache und mietet die Flugzeuge.“
Jedes Jahr richtet das RCPT diese und andere Veranstaltungen aus. Dabei springen die Teilnehmer „an historischen Plätzen zu historischen Ereignissen aus historischen Flugzeugen“, so Thomalla. „Beim letzten großen Ereignis zum 70-Jahrestag waren 26 verschiedene Nationalitäten bei den Mitgliedern dabei.“
Am Wochenende ist der Wildeshauser zusammen mit einem Freund, der aus Österreich anreiste, losgefahren. Zuerst ging es nach Sannerville. Dort hat er seinen Wohnwagen abgestellt. Danach ging es am Sonntag rüber nach England und zum kaiserlichen Kriegsmuseum in Duxford. Am Dienstag wurde es dann zum ersten Mal ernst: Neben einem Übungssprung für alle 300 Fallschirmspringer probten auch die Piloten, in den 80 Jahre alten Flugzeugen die 30er-Formation zu fliegen. „Das sind Douglas DC-3, bei den Amerikanern heißen sie C-47 und bei den Kanadiern Dakota, es ist aber immer dasselbe Flugzeug“, erklärt der 58-Jährige. „Das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven hat noch zwei voll aktiv, Polar 5 und 6. Das sind alte, schöne Maschinen.“
Heute hat sich der Wildeshauser mit den anderen Fallschirmspringern auf den Weg nach Sannerville gemacht. „Wir fliegen von Duxford aus den alten Weg, den sie damals auch geflogen sind. An London vorbei über den Ärmelkanal bis nach Sannerville.“ Dort sind sie aus 400-Meter Höhe abgesprungen. „30 Flugzeuge, die über den Kopf fliegen, ist schon ein Hammer, und dann setzen die noch 300 Fallschirmspringer ab“, erzählt Thomalla begeistert. „Da muss man dabei sein, selbst die Bundeswehr schafft es nicht mehr, 300 Soldaten am Fallschirm springen zu lassen“. Er selbst war Fallschirmjäger bei der Bundeswehr in Wildeshausen.
Keine Waffen erlaubt
Besonders die logistische Herausforderung am D-Day begeistert den jetzigen Bundesbeamten: „Wir reden von 3000 Flugzeugen, die gleichzeitig in der Luft fliegen mussten und nicht anstoßen durften. Was da an Denken und Leistung dahintersteckt, die hatten keine Computer und noch Propellermaschinen.“
Neben den historischen Flugzeugen ist auch die Ausrüstung der Fallschirmspringer originalgetreu. „Es macht keinen Sinn, aus einem 80 Jahre alten Flugzeug zu springen und einen dunkelgrünen oder blauen Adidas-Anzug zu tragen“, meint Thomalla. Es wird großen Wert auf Originalität gelegt, auch wenn die Ausrüstung gar nicht so einfach zu kriegen ist und schnell Fehler passieren können, wie Thomalla weiß: „Ich hab mir mal Sergeant-Klappen auf einem Flohmarkt gekauft und bin damit dort hingegangen. Die haben gelacht und gesagt, das seien Klappen aus dem Koreakrieg.“
Waffen, egal ob echte oder Attrappen, sind bei der Aktion aus einem einfachen Grund nicht zugelassen: „Wir springen für den Frieden, nicht für den Krieg“, sagt Thomalla. Denn die Idee hinter dieser und anderen Veranstaltungen der RCPT ist es, „den Leuten begreiflich zu machen, was damals vor sich gegangen ist“, betont Thomalla.
