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nordwest-zeitung

Wildeshauser Tierärztin Zu Wildtieren Was bei Fuchs, Eule und Wildschwein zu beachten ist

Imke Harms

Wildeshausen - Gerade noch laut im Auto zu dem neuen Lied im Radio mitgesungen. Doch auf dem Heimweg über die Landstraße zerstört ein vorbeihuschendes Reh jäh die gelöste Stimmung. Abbremsmanöver, Quietschen, Schreck und dann: Bumm. Nichts zu machen. Diese Situation wünscht sich niemand und dennoch kommt sie beinahe täglich vor. Doch wie handelt der Unfallverursacher eigentlich richtig, wenn ein Wildtier vor sein Auto gelaufen ist? Wen ruft er in einer solchen Situation an? Und was mache ich mit Wildtieren, die ich lebend, aber hilflos am Boden liegend finde?

Simone Haake ist Tierärztin in Wildeshausen. Es ist gar nicht so selten, dass Wildtiere in ihre Praxis an der Harpstedter Straße gebracht werden. Eichhörnchenjunge, die nach einem starken Sturm aus einem Baum geschüttelt wurden und dann per Hand aufgezogen werden mussten. Vögel, die nach einer Flügelverletzung erst Genesungszeit brauchten, bevor sie in die Natur entlassen werden konnten.

Zuerst die Polizei rufen

Doch dafür gibt es ganz klare Vorschriften, wie die Tierärztin aufklärt: „Die oberste Regel heißt: Immer die Polizei anrufen.“ Wer Wildtiere aus ihrem natürlichen Lebensraum entnehme ohne die Polizei zu verständigen, mache sich der Wilderei schuldig. Die Polizei wisse im Zweifel auch, welcher Jagdpächter oder welches Veterinäramt zuständig sei. Vögel, Igel und Eichhörnchen gehörten zu den geschützten Arten, diese dürften zwar vorübergehend gesund gepflegt, doch danach niemals in Gefangenschaft gehalten werden.

Nicht einfach einladen

Wildtier gefunden?

In allen Fällen sollte die Polizei verständigt werden. Die Beamten wissen, welcher Jagdpächter zuständig ist. Dieser wird sich um größere Tiere kümmern. Sind kleinere Tiere betroffen, können die nach dem Anruf zum Arzt gebracht werden.

Wichtig: Nicht alle Jungtiere, die allein gefunden werden, sind verwaist. Hierbei gilt: Beobachten und die Tiere nicht gefährden.

Kontakt: Die Wildtierstation in Rastede ist unter t  0 44 02/98 54 44 erreichbar.

Aber wie funktioniert es bei den größeren Tieren? „Bei Rehen, Füchsen oder Wildschweinen, die eventuell verletzt am Straßenrand gefunden werden, kommt meist niemand auf die Idee, die einfach in den Kofferraum zu laden“, sagt Simone Haake mit einem Lachen. In diesen Fällen sind die jeweiligen Jagdpächter zuständig. Doch bei kleineren Tieren wie Eulen, Mardern, Hasen oder Igeln sei das eben etwas anderes. „Die Polizei kann den Anrufern erlauben, die Tiere selbst zum Arzt zu bringen“, macht die erfahrene Tierärztin deutlich. Ganz aktuell war eine Schleiereule in der Wildeshauser Tierarztpraxis. Die war im Böschungsbereich der Hunte gefunden worden und konnte nicht mehr fliegen. Bei Simone Haake war sie an der richtigen Adresse. „Ich habe während der Ausbildung als Tierarzthelferin bei einem Falkner mitgearbeitet. Diese Erfahrungen helfen mir jetzt.“ Denn in der Regel werden Tierärzte im Studium nicht auf die Behandlung von Wildtieren vorbereitet. Versorgen kann Simone Haake die Schleiereule jetzt allerdings nicht mehr. Für die fachgerechte Weiterbehandlung hat sie sie in die Wildtierauffangstation in Rastede gebracht. „Ich will die Eule bald unbedingt mal besuchen und schauen, wie sie sich entwickelt hat“, sagt Simone Haake.

Eigenschutz das A und O

Das Wichtigste im Umgang mit Wildtieren: „Der Eigenschutz ist das A und O“, warnt Haake. Wildtiere könnten Überträger von Infektionen sein. Dicke Schweißer-Handschuhe seien angebracht, um Wildtiere anzufassen, ebenso könne eine Decke, ein Handtuch oder ein altes Kleidungsstück helfen, es einzuwickeln. „Und dann am besten in einer Kiste oder einem Eimer transportieren“, rät Haake. Greifvögel, das weiß sie aus Erfahrung, seien blitzschnell, und zwar nicht nur mit ihren Schnäbeln. „Die Krallen können richtige Wunden verursachen. Das ist ja auch ihr Beutetrick. Daher gilt: Ohne Handschuhe läuft da gar nichts.“

Apropos Vögel: Nicht nur aufgrund von extremen Wetterbedingungen fallen Jungtiere aus den Nestern. Viele scheitern schlicht bei ihren ersten Flugversuchen, so zum Beispiel häufig auch Waldkäuze, wie Falko Witte vom Hegering Großenkneten mitteilt. „Die sogenannten Ästlinge verlassen oft schon nach 30 Tagen das Nest, fliegen können sie aber erst nach rund sieben Wochen. Die Elterntiere versorgen ihre Jungen aber auch am Boden.“ Daher ganz klar: Nicht anfassen, nicht stören und nicht gefährden. „Hunde müssen während dieser Zeit zwingend an die Leine“, sagt Witte. Die Brut-und Setzzeit gebiete das sowieso. Das sagt auch Simone Haake.

Nicht immer verwaist

Fallen kleine Vögelchen aus den Nestern und landen im heimischen Garten, rät sie zur Beobachtung. „Die eigenen Haustiere sollte man so gut es geht fernhalten. Und dann kann man ja sehen, ob ab und zu die Eltern zum Füttern kommen.“ Sollte das nicht der Fall sein, kann sie als Tierärztin immer noch eingreifen.

Wer bezahlt denn eine solche Behandlung? „Für denjenigen, der ein Wildtier hier abgibt, ist das kostenlos. Wir haben aber eine Spendenkasse aufgestellt für alle, die das unterstützen wollen“, sagt die Tierärztin.

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