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Megaprojekt An Nordsee Region soll Briten unter Strom setzen

Wilhelmshaven/Oldenburg/Hooksiel/Hilgenriedersiel - Politisch treibt der Brexit Großbritannien und die EU auseinander. Doch am Energiemarkt wollen sich die Briten mit einem Stromkabel enger an den Kontinent binden. Die Projektgesellschaft „NeuConnect Ltd“ will die erste direkte Stromverbindungsleitung zwischen Großbritannien und Deutschland bauen.

Der geplante „Interkonnektor“ hat eine Gesamtlänge von rund 680 Kilometern und soll nach Informationen dieser Zeitung vom Umspannwerk Isle of Grain im Südosten Englands nahe der Themsemündung durch die Nordsee nach Deutschland zum geplanten Umspannwerk Fedderwarden (Wilhelmshaven) verlaufen. Von dort soll der Strom über die geplante neue 380-kv-Höchstspannungsleitung zum Netzknoten Conneforde im Ammerland weitergeleitet werden.

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Sehen Sie hier eine Grafik zum geplanten Trassen-Verlauf (PDF-Format)

Wie aus den jetzt beim Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems (Oldenburg) veröffentlichten Antragsunterlagen hervorgeht, wird als möglicher Anlandepunkt das nahegelegene Hooksiel (Kreis Friesland) favorisiert. Als mögliche Alternative wird das südlich der Insel Norderney gelegene Hilgenriedersiel (Kreis Aurich) genannt.

Deutschland und Großbritannien sollen profitieren

Die Projektgesellschaft „NeuConnect Ltd“ wollte sich auf Anfrage zwar nicht zum geplanten Trassenverlauf äußern, bestätigte aber grundsätzlich den Bau der Stromverbindungsleitung. „Die erste direkte Verbindung zwischen dem britischen und dem deutschen Stromnetz bietet große wirtschaftliche Vorteile für beide Länder und fördert die Integration erneuerbarer Energien“, sagte „NeuConnect“-Chef David Inglis. „Beide Länder werden zukünftig Energie aus diesem neuen Markt nutzen können.“

Wie „NeuConnect“ erläuterte, soll das Stromkabel als Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungskabel mit einer Kapazität von 1400 Megawatt ausgeführt werden. Das Investitionsvolumen werde voraussichtlich 1,6 Milliarden Euro betragen.

Das geplante Seekabel soll den verlustarmen Austausch elektrischer Energie zwischen den beiden Ländern ermöglichen, heißt es bei „NeuConnect“. So soll etwa ein Teil der überschüssigen Windenergie aus Norddeutschland auf die Insel exportiert werden.

„Auf diese Weise werden die Kosten für die Abriegelung der Überschussproduktion sinken“, erklärte Inglis. Damit schaffe das Projekt mehr Stabilität und Flexibilität für das deutsche Übertragungsnetz. Zugleich könne sich dies in sinkenden Kosten für die Verbraucher niederschlagen.

Umgekehrt könne in Zeiten hoher Strompreise in Deutschland auch günstiger Strom aus Großbritannien importiert werden. Derzeit ist die Insel aufgrund eines überalterten Kraftwerksparks auf Stromimporte angewiesen. Allerdings plant London den Bau mehrerer Gas- und Atomkraftwerke, sodass mittelfristig Deutschland über das Kabel auch mit britischem Atomstrom versorgt werden könnte.

Hinter der Projektgesellschaft „NeuConnect Ltd“ steht ein internationales Konsortium. Federführend ist der französische Investmentkonzern Meridiam (Anteil: 53,5 Prozent). Ebenfalls beteiligt sind der deutsche Versicherungsriese Allianz über seine Tochter Allianz Capital Partners (26,2 Prozent), der japanische Konzern Kansai Elec­tric (18,3 Prozent) sowie die Entwickler Frontier Power und Greenage Power.

Seekabel soll 2022 in Betrieb gehen

Nach Angaben von „NeuConnect“ hat das Projekt Anfang 2018 die ersten Genehmigungen von der britischen Energieregulierungsbehörde erhalten. Eine abschließende Investitionsentscheidung soll 2020 getroffen werden. Geht es nach dem Willen von „NeuConnect“, soll das Seekabel 2022 in Betrieb gehen.

Beim Amt für regionale Landesentwicklung hieß es zum weiteren Vorgehen: „Als erster formeller Schritt wird Mitte April 2018 der Umfang der notwendigen Planunterlagen in einer Antragskonferenz mit den betroffenen Kommunen, Behörden und sonstigen Trägern öffentlicher Belange erörtert.“ In diesem Zusammenhang würden auch „mögliche und sinnvolle Vorhabenalternativen“ diskutiert.

Der Stromnetzbetreiber „TenneT“, der das neue Umspannwerk Fedderwarden plant, teilte mit, dass „NeuConnect“ eine Prüfanfrage wegen eines küstennahen Netzverknüpfungspunktes gestellt habe. Als zuständiger Übertragungsnetzbetreiber sei man gesetzlich verpflichtet, diesbezügliche Prüfungen vorzunehmen. „Im Ergebnis hat ,TenneT‘ das Umspannwerk Fedderwarden als elek­trotechnisch geeigneten, küstennahen Anschlusspunkt gegenüber NeuConnect benannt“, sagte ein Sprecher. Über die technische Prüfung hinaus habe „TenneT“ aber nichts mit dem Projekt zu tun.

„NeuConnect“ wäre nicht das erste Seekabel, das das deutsche Stromnetz mit einem anderen Land verknüpft. Bereits in Bau ist das Projekt „NordLink“, das die Strommärkte Deutschlands und Norwegens miteinander verbindet. Die Inbetriebnahme ist für 2019/20 vorgesehen. Zielpunkt ist Wilster in Schleswig-Holstein.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft
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