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NWZonline.de Region

Bilanz Des Oldenburger Fotospezialisten: Wie kommt Cewe mit der Viruskrise zurecht?

27.03.2020

Oldenburg Unter ungewöhnlichen Umständen hat der börsennotierte Oldenburger Foto- und Onlinedruckspezialist Cewe am Donnerstag seine Bilanz für 2019 vorgelegt. Die Zahlen waren weitgehend bekannt. Interessanter wurden jetzt andere Aspekte. Dazu einige Fragen und Antworten:

Wichtige Zahlen auf einen Blick

Der Umsatz stieg 2019 um 10,1 Prozent auf 714,9 Millionen Euro. Das Foto-Finishing legte sogar um 13,8 Prozent (auf 568 Mio.) zu. Der Betriebsgewinn (Ebit) stieg auf 57,8 (55,7) Millionen Euro. Der Überschuss sank indes um zwölf % auf 31,8 Mio. Euro. Grund sei erhöhter Steueraufwand im Gefolge einer Restrukturierung in Berlin. Die Dividende steigt auf 2,0 (1,95) Euro.

Wo findet die Bilanz-Pressekonferenz statt?

„Normalerweise war es ja Frankfurt“, sagte Cewe-Vorstandsvorsitzender Dr. Christian Friege im Gespräch mit unserer Zeitung. „Dieses Mal aber hier in unserer Oldenburger Zentrale, in einem Konferenzraum.“ Kommuniziert wurde – statt vor Publikum – per Telefonkonferenz mit der Möglichkeit, sich im Internet auch Präsentationen mit Zahlen einblenden zu lassen.

Bietet dieses Vorgehen auch Vorteile?

Man muss nicht so früh aufstehen und spart den ganzen Aufwand, etwa die Flüge. Friege sagt aber auch: Man bekommt nicht so mit, wie die Gesprächspartner ticken, was Gesichter ausdrücken. Und es gibt keine Möglichkeiten, mit jemanden noch inoffiziell „am Rande“ zu sprechen.

Wie arbeitet der Chef in der Viruskrise?

Friege ist es wichtig, Flagge zu zeigen. Er ist meist vor Ort in der Zentrale, stellt seinen Wagen sichtbar auf dem Parkplatz ab, geht „mit Abstand“ in die Kantine. Damit wolle er auch „Solidarität ausdrücken“ mit denen, die nicht daheim arbeiten können. „Meine Arbeit ist von Videokonferenzen geprägt, etwa mit Skype oder Microsoft-Teams. Manchmal liegen zwischen mir und dem Gesprächspartner nur 40 Meter, im anderen Gebäude“, so der Cewe-Chef. Es gibt auch weiter klassische Konferenzen, Dann gilt: Abstand halten!

Wie arbeiten jetzt die Beschäftigten bei Cewe?

In Oldenburg sind rund 1100 der 4200 Cewe-Beschäftigten tätig. So viele wie möglich arbeiten im Home Office. „Das geht aber längst nicht für alle“, sagt Vorstands-Chef Friege mit Blick auf die Oldenburger Produktion. Hier entstehen etwa Fotos und Fotobücher. Oberste Priorität sei, die Mitarbeiter zu schützen. Dafür sei schon vor Wochen vieles eingeleitet worden, wie: Aufteilung einer Funktion auf mehrere getrennte Teams, Trennung von Schichten ohne Möglichkeit der Begegnung von „Früh“ und „Spät“, getrennte Essens-Zeiten in der Kantine, faktische Trennung von Gebäuden.

Gibt es bereits einen Corona-Infizierten?

Einen einzigen, am Oldenburger Standort. Ein Mitarbeiter kehrte aus dem Urlaub zurück und kam gar nicht erst in die Firma, erläutert Friege. Er sei zu Hause und habe nicht mit Kollegen Kontakt gehabt.

Wie ist die Lage an den Standorten?

„Toi, toi toi“, sagte Friege bei der Bilanz-Präsentation. „Alle Standorte sind noch offen, wir sind voll produktionsfähig.“ Für den Fall, dass es irgendwann doch zu Einschränkungen kommen sollte: Die 13 Werke (plus eine Onlinedruckerei) können untereinander Aufträge neu verteilen.

Welche Grundhaltung hat der Chef in der Krise?

„Man sollte sich nicht von Angst leiten lassen“, sagt der Cewe-Chef. „Kopflos trifft man keine guten Entscheidungen.“

Wie stark trifft Corona Cewe?

„Die Krise beschäftigt uns in erheblichem Maße“, sagte Friege in der Telefonkonferenz. Er nannte Beispiele wie: Diverse Geschäfte, in denen auch Fotoarbeiten angenommen oder Foto-Ausrüstungen verkauft werden, sind nun geschlossen. Oder: Weil Geschäfte und Restaurants schließen mussten, gibt es weniger Aufträge für Speisekarten oder Werbematerial in der Onlinedrucksparte. Kurzarbeit gibt es nur in Dresden bei Saxoprint im Onlinedruck.

Was macht Hoffnung?

In der Virus-Krise sind ungewöhnlich viele Menschen zu Hause. „Das ist doch eine Zeit, um Fotos herzukramen, zu bearbeiten oder ein Fotobuch in Auftrag zu geben“, findet Friege. „Jetzt kommt man endlich dazu.“ Dies könne einen Schub bringen. Friege betonte auch die vielfältigen Zugangsmöglichkeiten von daheim zu Cewe: über spezielle Software, die Homepage oder die Mobilfunk-App.

Wie lief es 2019?

Wesentliche Ziel-Zahlen wurden erreicht oder übertroffen, wie Friege mit seinen Vorstandskollegen Dr. Olaf Holzkämper (Finanzen) und Dr. Reiner Fageth (Technik/Entwicklung) erneut betonte. Die Bilanz von Cewe sei „weiterhin stark“ (Holzkämper). Operativ wurde deutlich mehr verdient. Unterm Strich hat Cewe einen Überschuss von 31,8 Millionen Euro eingefahren, 12 Prozent weniger als im Vorjahr. Pressesprecher Christian Stamerjohanns erläuterte: „Der Grund darin liegt vor allem an 5 Millionen Euro Restrukturierungsrückstellungen für die Onlinedruckerei Laserline in Berlin, die steuerlich nicht ergebnismindernd wirkten und so rechnerisch signifikant zu einem Anstieg der Steuerquote beitrugen. Die Dividende steigt zum elften Mal in Folge, auf 2 Euro (zuvor 1,95 Euro).

Was waren die großen Trends?

55 Prozent der Fotos wurden im Jahr 2019 von mobilen Geräten in Auftrag gegeben. Im Vorjahr waren es noch unter 50 Prozent. Das sei doch eine „schöne Entwicklung“ (Fageth). In Österreich wurde einer Kundin das 60-millionste Fotobuch von Cewe überreicht – mit Blumenstrauß.

Wie fällt der Ausblick auf 2020 aus?

Der Cewe-Vorstand konnte sich angesichts der Virus-Krise nicht festlegen. Es sei „unmöglich, Ziel-Korridore zu formulieren“, sagte Friege. „Wir fahren auf Sicht.“ Vor der Krise hatte Cewe die weitere Steigerung von Umsatz und Ertrag vorgehabt, organisch und etwa auch durch eigene Zukäufe und die britische Drogeriekette Boots als neuen Kunden. Nach vier bis fünf Wochen Corona-Krise seien die Erwartungen zurzeit aber „eher negativ“.

Rüdiger zu Klampen Redaktionsleitung / Wirtschaftsredaktion
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