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Bildung So soll die neue Grundschule in Zetel funktionieren

Zetel - Wie hoch ist das Schulgeld? Wie viele Lehrer sollen an der Schule unterrichten und wie werden die Kinder auf die weiterführende Schule vorbereitet? Diese Fragen beantworteten Daria Eggers und Hinrika Börjes vom Verein „Freies Lernen Friesland“ jetzt im Schul-, Jugend- und Sozialausschuss im Zeteler Rathaus.

Der Verein besteht aus Eltern und Pädagogen aus Friesland und den umliegenden Landkreisen. Er plant, zum Schuljahr 2020/2021 eine freie Grundschule in Zetel zu eröffnen. Sie soll ein besonderes Lernkonzept haben, bei dem die Kinder themenorientiert, projektgebunden und experimentierend lernen.

Der Standort

Zunächst hatte der Verein angedacht, für die neue Schule die ehemalige Jugendherberge im Fuhrenkamp zu kaufen. Der Kauf kam jedoch nicht zustande. „Wir sind jetzt in Gesprächen für einen neuen Standort in Ruttelerfeld“, sagte Daria Eggers. Geplant sei eine vollgebundene Ganztagsschule.

Die Lehrer

Starten soll die Schule mit einer ersten Klasse mit 16 Kindern, für die drei Lehrkräfte angestellt werden sollen: eine Lehrkraft mit zweitem Staatsexamen, eine Lehrkraft möglicherweise ohne zweites Staatsexamen sowie Hinrika Börjes, die als Erzieherin mit sonderpädagogischer Zusatzausbildung als Lehrerin an der Dorfschule in Mansie tätig ist, einer Einrichtung der Behindertenhilfe GPS. Zudem soll eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter für Hauswirtschaft und Verwaltung eingestellt werden. Die Lehrer müssen nach niedersächsischem Gesetz „annähernd gleich bezahlt werden wie Lehrer an staatlichen Schulen“, sagte Daria Eggers.

Das schulgeld

Die freie Schule muss sich zunächst drei Jahre selbst finanzieren, bevor das Land Niedersachsen Finanzhilfen für die Schule bereitstellt. Deswegen will der Verein „Freies Lernen Friesland“ als Träger der Schule einen Kredit bei der Gemeinschaftsbank „Leihen und schenken“ in Bochum aufnehmen. Außerdem sei das Schulgeld eine wichtige Säule der Finanzierung. Geplant ist derzeit ein Schulgeld in Höhe von 250 Euro pro Monat und Kind. „Wir wollen aber Sponsoren mobilisieren, so dass es möglich ist, vier bis fünf Plätze für Kinder zur Verfügung zu stellen, deren Eltern sich das Schulgeld nicht leisten können“, sagte Daria Eggers.

Lernen ohne Noten

An der neuen Schule sollen die Kinder nach dem Konzept der Souveränitätspädagogik unterrichtet werden. Es gehe dabei um selbstbestimmtes Lernen: Die Kinder sollen mitentscheiden dürfen, wann sie was auf welche Art und Weise lernen möchten. Die Kinder bekommen keine Noten und schreiben auch keine Prüfungen. In sogenannten Fokuskursen wird das Standardwissen der Grundschule vermittelt: Rechnen, Schreiben und Lesen. Die freie Schule will aber auch auf „vernetztes Lernen“ setzen: In allen Unterrichtseinheiten sollen alle Fähigkeiten geschult werden. So könnten zum Beispiel Elemente der Mathematik und des Deutschunterrichtes auch in den Sachkundeunterricht eingebaut werden. Die Kinder sollen außerdem viel bei praktischen Projekten in der Natur lernen.

Auf die Frage, ob sie denn dann für die weiterführende Schule, bei der es Noten und Prüfungen gibt, gerüstet seien, sagte Hinrika Börjes: „Erfahrungen zeigen, dass Kinder, die ohne Druck gelernt haben, selbstständig zu lernen, sehr selbstorganisiert sind und gut in der Kommunikation. Sie merken schnell, wenn sie Hilfe brauchen und wenden sich dann auch an Erwachsene. Sie lernen in der Grundschule, sich selbst und die Hilfe der Erwachsenen ernst zu nehmen.“ Die Schüler kämen also auch an Regelschulen gut zurecht. Daria Eggers ergänzte, dass es durchaus der Plan des Vereins sei, auf lange Sicht auch ein weiterführendes freies Schul-Angebot zu gründen. „Das ist aber erst der zweite Schritt. Wir fangen mit einer Grundschule an.“

Die schüler

Das Einzugsgebiet der freien Grundschule soll über Friesland hinausgehen. Auch Kinder aus den umliegenden Städten und Landkreisen könnten angemeldet werden. Bereits jetzt gebe es sechs Anmeldungen für das Schuljahr 2020/21 sowie Vormerkungen bis zum Schuljahr 2022/23. Daria Eggers sagte: „Die Nachfrage ist sehr groß.“

Sandra Binkenstein
Sandra Binkenstein Thementeam Soziales
Themen
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