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Erfahrungsbericht Aus Zetel Ein Abenteuer: Mit dem Bus zur Arbeit

Kira Aden

Zetel - Ich mache gerade ein Praktikum bei der NWZ in Varel. Weil ich kein eigenes Auto besitze, fahre ich mit dem Bus von Zetel nach Varel. Da die Busse immer noch nicht stündlich fahren, bin ich jeden Tag eine Stunde früher in der Redaktion, als ich eigentlich sein muss.

Auch bei Terminen, die am späten Nachmittag länger dauern, kann ich nicht mit, weil ich sonst nicht mehr mit dem Bus nach Hause komme. Ich möchte gerne mit dem Bus fahren, um das Klima zu schonen – aber es wird mir sehr schwer gemacht. Was will der Landkreis unternehmen, um die Autofahrer zum Busfahren zu bringen?

Komplizierte          Fahrpläne

Auf dem Land mit dem Fahrrad zur Schule fahren zu können, ist ein Privileg. Das habe ich schnell gemerkt, als ich als Zetelerin zur Berufsbildenden Schule Varel ging.

viel warten während          der Schulzeit

Wenn die Schüler der BBS Varel dann irgendwie herausgefunden haben, welchen Bus sie nehmen können, ist das Ergebnis ernüchternd: Die Schüler aus Zetel müssen um sechs Uhr morgens in den Bus steigen, damit sie um 6.45 Uhr in Varel sind. Da der Unterricht in der BBS Varel aber erst um 7.15 Uhr beginnt, ist es unumgänglich, dass man noch eine halbe Stunde auf den Schulstart warten muss. Es scheint so, als ob die Busfahrpläne nicht dem Unterrichtsbeginn angepasst sind. Obwohl die meisten Menschen, die Bus fahren, Schüler sind.

Nach dem Unterricht an der BBS-Varel an der Stettiner Straße müssen die Schüler der Berufsschule sich dann noch einen trockenen Unterstand suchen, da die Haltestelle Bismarckstraße immer noch keinen überdachten Unterstand hat.

Sportlich wird es nach der achten Stunde. Der Bus an der Haltestelle Bismarckstraße ist dann schon weg, also entweder zum Rathaus rennen oder auf den nächsten Bus warten. Die Schulbusse zum Lothar-Meyer-Gymnasium, zur Integrierten Gesamtschule Zetel und Schortens sind auch oft so voll, dass die Schüler stehen müssen.

zU wENIG fLEXIBILITÄT

Die Busverbindung zur BBS Jever ist sogar noch schlimmer. Der Bus fährt nur zur ersten Stunde und nach der sechsten und achten Stunde. Also hat es für die Schüler aus Zetel keinen Nutzen, wenn die ersten beiden Stunden ausfallen. Sie müssen trotzdem schon immer um Punkt 7.50 Uhr in Jever sein. Anders fährt kein Bus. Viele Lehrer haben Verständnis für die Verspätungen der Schüler, die mit dem Bus kommen.

Nicht nur der Hinweg zur Schule ist ein Abenteuer, auch der Rückweg. Nach der sechsten Stunde fährt eigentlich immer ein Bus. Es ist aber auch öfters vorgekommen, dass nach der achten Stunde kein Bus mehr kam, besonders freitags. Viele Schüler der BBS Jever haben auch mal nach der zehnten Stunde Schulschluss. Die müssen sich dann überlegen, ob sie mit dem Zug nach Sande oder Varel fahren und von dort aus dann von den Eltern abgeholt werden. Die Zugfahrt muss dann selber bezahlt werden.

Umstieg auf die Bahn           bedingt möglich

Die Deutsche Bahn ist nur eine begrenzte Alternative zum Busfahren. Sie fährt zwar stündlich, ist aber nicht so zuverlässig. Gerade wegen der Baustelle zwischen dem Bahnhof Varel und dem Bahnhof Sande kommt es öfters zu Verspätungen oder Ausfällen der Züge.

Die Schüler aus den Gemeinden Zetel und Bockhorn müssen aber auch erst mit dem Bus zu einem der Bahnhöfe kommen. Da stündlich aber keine Busse fahren, ist dies wieder mit langen Wartezeiten verbunden.

Mit Dem Bus zur arbeit

Im Berufsleben etwas für das Klima tun und dafür auf das Auto verzichten, ist ein schöner Wunsch. Mit den jetzigen Busverbindungen ist das aber nicht machbar. Berufstätige aus Zetel und Bockhorn, die in Varel arbeiten, schaffen es nicht pünktlich mit dem Bus zur Arbeit zu kommen. Das geht mir gerade auch so. Da die Busverbindung 251 Varel-Wilhelmshaven immer noch nicht stündlich fährt, ist jeder Tag zum Praktikum mit viel warten verbunden.

Ich kann verstehen, warum die Busse gerade so leer sind. Nachmittags, am Wochenende oder in den Ferien fährt kaum noch ein Bus. Wie soll man dann mit dem Bus zur Arbeit, in die Stadt oder zum Arzttermin kommen? Wenn ich könnte, würde ich auch mit dem Auto fahren.

So soll es weiter gehen

Ende des vergangenen Jahres hat der Kreistag des Landkreis Friesland den „Nahverkehrsplan 2019 bis 2024“ für Friesland vorgestellt. Ziel ist, die größeren Ortschaften künftig im Stundentakt per Bus erreichbar zu machen – und zwar an Werktagen von 5 bis 20 Uhr, an Samstagen und Sonntagen von 8 bis 20 Uhr. Die Linien 121 Wilhelmshaven-Schillig und 253 Bahnhof Varel-Dangast sollen ab 1. März im Stundentakt fahren.

Die Busse sollen außerdem so getaktet werden, dass Fahrgäste die Bahnhöfe Jever, Heidmühle, Sande und Varel in Zukunft besser erreichen können. Geplant ist auch die Einführung einer Echtzeitinformation über Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Busse. Die Umsetzung soll in Zusammenarbeit mit den Busunternehmen geschehen. Eine verlässlichere stündliche Anbindung aus den Gemeinden Zetel und Bockhorn nach Varel ist aber noch lange nicht in Sicht. Laut Nahverkehrsplan soll sich ab 2022 im Südnetz etwas ändern. Das Ergebnis bleibt abzuwarten.

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