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Nein, Danke Zugezogener Zeteler darf nicht in die Feuerwehr

Zetel - „Mir fehlt das echt. Feuerwehr ist viel mehr als nur ein Hobby“, sagt Heiko Hara. Seit er zehn Jahre alt ist, ist er bei der Feuerwehr, angefangen hat er als Mitglied der Jugendfeuerwehr, dann hat er sich hochgearbeitet bis zum stellvertretenden Stadtbrandinspektor in Dieburg im Rhein-Main-Gebiet. Vor einem Jahr ist der 36-Jährige mit seiner Familie nach Zetel gezogen – und seitdem versucht er, wieder Feuerwehrmann zu werden. Doch das geht nicht, denn die Feuerwehr Zetel hat keinen Platz mehr frei.

Keine Ausnahme in Zetel

„Ich bin wirklich überrascht, dass es eine Freiwillige Feuerwehr gibt, die es sich leisten kann, gut ausgebildete und engagierte Kräfte abzulehnen“, sagt Heiko Hara. „Dort, wo ich herkomme, gibt es massiven Nachwuchsmangel. Hier sieht das wohl anders aus.“

Es gibt einen Grund, aus dem die Feuerwehr Heiko Hara, der bei der Leitstelle in Wilhelmshaven als Einsatzbearbeiter und Rettungsassistent arbeitet, nicht als aktiven Kameraden aufnimmt: In der Satzung der Freiwilligen Feuerwehr Zetel ist eine Maximalstärke von 60 Kameraden vorgegeben – und die ist erfüllt. In Neuenburg liegt die Maximalstärke bei 40. Trotzdem hat die aktive Wehr in Neuenburg 41 Mitglieder. Denn in Neuenburg hat der Bürgermeister der Gemeinde Zetel, Heiner Lauxtermann, eine Ausnahme gemacht und einen Kameraden zusätzlich zur vollen Besetzung in die Wehr aufgenommen. „Das betraf aber einen jungen Kameraden aus unserer Jugendfeuerwehr“, sagt Bürgermeister Heiner Lauxtermann. „Und das geschah auf Empfehlung des Ortskommandos.“

Gemeindebrandmeister Stefan Eilers sagt auf Nachfrage der NWZ: „Die Grenze liegt bei der Feuerwehr Zetel bei 60 Kameraden, und die haben wir erreicht. Wenn alles belegt ist, dürfen keine weiteren Feuerwehrleute in die aktive Wehr aufgenommen werden. Wenn Plätze frei sind, dann gucken wir erstmal, ob von der Jugendfeuerwehr Nachwuchs in die aktive Wehr übernommen werden kann. Die haben immer Vortritt.“

Das kann Heiko Hara auch gut nachvollziehen – was er nicht einsieht, ist, warum die Soll-Stärke nicht erhöht wird, um der Nachfrage gerecht zu werden. „Die ganze Gesellschaft ist auf ehrenamtlichem Engagement aufgebaut. Ich habe das noch nie gehört, dass jemand abgelehnt wird, der sich ehrenamtlich engagieren will. Damit hätte ich auch wirklich nicht gerechnet, als wir nach Zetel umgezogen sind“, sagt er.

Zusammen mit seiner Frau und dem zehnjährigen Sohn ist er von Hessen nach Niedersachsen gezogen, weil sich Heiko Hara und seine Frau in Friesland „einfach wohlfühlen“. „Wir sind hier oft in den Urlaub hergekommen und haben festgestellt, dass die Lebensqualität hier viel größer ist“, sagt Heiko Hara. Die ganze Familie fühle sich in der Gemeinde schon zuhause. „Aber ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass ich die Feuerwehr aufgeben muss.“

Nachwuchsmangel

Vielleicht wird ja doch noch irgendwann ein Platz in der Zeteler Feuerwehr frei. „Sobald die Möglichkeit besteht, dass wir Heiko Hara aufnehmen, werden wir das tun. Aber wir können ihm nicht versprechen, dass das morgen oder übermorgen ist“, sagt Gemeindebrandmeister Stefan Eilers. Weil viele Feuerwehren Nachwuchsmangel haben, soll im Niedersächsischen Brandschutzgesetzt eventuell der Eintritt in die Altersabteilung von 63 auf 67 Jahre erhöht werden. Dann würde es noch unwahrscheinlicher werden, dass Heiko Hara bald einen Platz in der Zeteler Ortswehr bekommt, weil es länger dauert, bis Plätze frei werden.

Dass der Zugezogene einfach in einer anderen Freiwilligen Feuerwehr mitarbeitet, geht nicht. „Dafür müsste ich erstmal Mitglied in der Feuerwehr in meinem Wohnort werden. Und das funktioniert ja leider nicht“, sagt Heiko Hara.

Sandra Binkenstein
Sandra Binkenstein Thementeam Soziales
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